mRNA/Totimpfstoff Zulassung oder Studie: Welche Corona-Impfstoffe sind zugelassen, welche kommen noch?

In der EU sind mittlerweile fünf Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen: die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson und Novavax. Welche sind noch in der Entwicklungsphase? Und welche Projekte liegen auf Eis? BRISANT mit einer Übersicht.

Eine Spritze ist vor den Logos der Unternehmen Sanofi, Biontech, Pfizer, AstraZeneca, Curevac, Johnson & Johnson, Sanofi und GlaxoSmithKline zu sehen. Alle Unternehmen stellen bereits Corona-Impfstoffe her, oder werden es in naher Zukunft tun.
Viele Impfstoffe sind noch in der Erprobungsphase. Bildrechte: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt derzeit 337 Impfstoff-Projekte (Stand 11.02.2022). Hier stellen wir diejenigen vor, die in Europa bereits verimpft werden oder auf dem Weg zur Zulassung sind:

Sinovac: CoronaVac

Das Vakzin CoronaVac des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac wird bereits in Indonesien und China verimpft. CoronaVac basiert wie die Impfstoffe gegen Tetanus, Kinderlähmung oder Keuchhusten auf einem Totimpfstoff. In diesem Fall einem abgetöteten Coronavirus. Studienergebnisse schwankten von 50 Prozent Schutzwirkung vor schweren Verläufen in Brasilien bis zu über 90 Prozent in der Türkei.

Anfang Juni 2021 erhielt CoronaVac eine Notfallzulassung der WHO. Damit können UN-Organisationen das Mittel kaufen und verteilen. Das Vakzin ist der weltweit am häufigsten verwendete Covid-19-Impfstoff.

Sinopharm: Sinopharm

Der Impfstoff soll einen annähernd 79-prozentigen Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen bieten. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Daten aus den Studien gibt es bislang nicht. Das Vakzin, das zunächst unter dem Namen "Vero" in Umlauf gebracht wurde, basiert ebenfalls auf einem Totimpfstoff, einem abgetöteten Coronavirus.

Anfang Mai 2021 erhielt Sinopharm eine Notfallzulassung der WHO. Beide Impfstoffe aus China sind in der EU nicht zugelassen. Einige Studien haben ergeben, dass CoronaVac und Sinopharm im Vergleich zu Impfstoffen, die mit anderen Technologien hergestellt werden, geringere Mengen an neutralisierenden Antikörpern erzeugen und die Schutzwirkung rasch abnimmt.

Janssen/Johnson & Johnson: Ad26.COV2.S

Der Impfstoff von Janssen Pharmaceuticals, einem Tochterunternehmen des US-Konzerns Johnson & Johnson ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff. Er schleust über harmlose Viren den Bauplan für ein bestimmtes Eiweiß des SARS-CoV-2-Virus in die Körperzellen. Die produzieren dann Antikörper.

Eine einzige Dosis reicht aus, um den vollen Impfschutz zu bekommen. Das macht diesen Impfstoff einzigartig unter allen anderen. Am 11. März hat die EMA das Vakzin für Europa zugelassen. Der Impfstoff kann im Kühlschrank gelagert werden. Der Einsatz wird nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen, Jüngere brauchen erst eine ärztliche Beratung.

CureVac: Arbeit an neuer Impfstoff-Generation

Die Tübinger Biotechfirma Curevac arbeitet nach eigener Aussage an einem Corona-Impfstoff "der zweiten Generation". Den neuen Impfstoff, der höhere Antikörperlevel erzeugen soll, entwickelt Curevac gemeinsam mit dem britischen Pharma-Konzern GlaxoSmithKline.

Der zuerst entwickelte Impfstoff "CVnCoV" sollte neben dem Biontech-Impfstoff Comirnaty der zweite mRNA-Impfstoff sein, der in Deutschland entwickelt wurde. Nachdem eine Zulassung für Sommer 2021 geplant und immer wieder verschoben worden war, hatte das Unternehmen Mitte Oktober 2021 den Antrag zurückgezogen. CureVac hatte nur eine Wirksamkeit von mageren 48 Prozent.

EMA-Zulassung noch offen: Sanofi

Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte zwei mRNA-Impfstoffe entwickelt, Ende September 2021 aber die Herstellung gestoppt. Zu groß war die Konkurrenz von Biontech/Pizer und Moderna. Danach hat sich das Unternehmen mit dem britischen Partner GlaxoSmithKline auf einen proteinbasierten Corona-Impfstoff konzentriert. Für den ist bei der EMA mittlerweile ein Zulassung beantragt worden.

Symbolbild Coronaserum- Serumflaeschchen mit Spritze.
Für den Protein-Impfstoff von Sanofi ist bei der EMA die Zulassung beantragt worden. Noch ist das Ergebnis offen. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Novavax: Novaxovid

Der Impfstoff des US-amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Novavax basiert auf künstlich hergestellten Proteinen, irreführend als "Totimpstoff" bezeichnet. Neueste Studienergebnisse zeigen eine Wirksamkeit von 91 Prozent gegen schwere Krankheitsverläufe von Covid-19. Der Impfstoff kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden und wird ab Februar 2022 in Deutschland verimpft. Studien an Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren zeigen eine Wirksamkeit gegen schwere Verläufe von 82 Prozent.

Valneva: VLA2001

Der Impfstoff des französisch-österreichischen Biotech-Konzerns Valenva steht vor einer möglichen Zulassung in Europa. Gegen die Omikron-Variante soll das Vakzin zu 87 Prozent wirksam sein. Valneva ist ein klassischer Totimpfstoff, so wie CureVac und Sinopharm aus China. Es enthält das komplette, abgetötete Coronavirus.

Gamaleya-Institut: Sputnik V

Sputnik V gilt nach eigenen Aussagen als russische "Wunderwaffe". Erste Studien zeigen, dass das Vakzin zu fast 91 Prozent wirksam ist. Es ist wie Astrazeneca ein Vektor-Impfstoff.

Als erstes Land in der EU hat Ungarn den Impfstoff zugelassen. Ein Zulassungsantrag für ganz Europa ist gestellt, aber noch nicht bewilligt. Mittlerweile ist mit "Sputnik Light" ein Impfstoff auf dem Markt, der als Auffrischungsimpfung, vor allem gegen die Omikron-Variante, kann aber auch als Einmal-Komponente verimpft werden - ähnlich wie Johnson & Johnson.

Quellen: Dlf, spiegel, dpa, ärzteblatt, AFP, Wirtschaftswoche, Reuters

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Februar 2022 | 17:15 Uhr

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