ÖPNV Deutschlandticket für 49 Euro erst ab April 2023?

Das Neun-Euro-Ticket war ein großer Erfolg: Rund 52 Millionen Tickets wurden im Aktionszeitraum zwischen Juni und August 2022 verkauft und rund eine Milliarde Fahrten unternommen. Die Rufe nach einem Nachfolger waren laut. Bund und Länder einigten sich daraufhin im Oktober auf Eckdaten eines 49-Euro-Tickets, das "Deutschlandticket" heißen soll. Dessen Einführung war für Januar 2023 geplant, doch daraus scheint nichts zu werden.

Symbolbild: Auf einem Fahrkartenautomaten steht: Fahrkarten.
Ab Januar 2023 soll es einen Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket geben. Bildrechte: dpa

Das Neun-Euro-Ticket war für viele Menschen eine tolle Sache. Einfach in Bus oder Nahverkehrszug einsteigen und losfahren - und das zu einem unschlagbar günstigen Preis. Dafür ließ man gerne das Auto stehen. Und das war auch der Sinn des Tickets.

Seit 31. August ist jedoch Schluss mit dem Neun-Euro-Ticket. Der Bund hat eine Verlängerung der Aktion aus Kostengründen abgelehnt. Doch vom Tisch war die Diskussion um ein günstiges Ticket für den Nahverkehr deshalb nicht.

Zum Start des 9 Euro Tickets stürmten zahllose Reisenden am Essener Hauptbahnhof die Züge.
Dem Sommer in vollen Zügen genießen - das ging mit dem 9-Euro-Ticket. Bildrechte: IMAGO / Gottfried Czepluch

Starttermin noch offen

Bund und Länder einigten sich bereits im Oktober, dass es ein Nachfolgemodell für das Neun-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr geben soll. Schon damals war klar, dass es 49 Euro pro Monat kosten und sowohl digital als auch als Plastikkarte als monatliches Abonnement verfügbar sein soll. Als Startzeitpunkt stand der 1. Januar 2023 im Raum, doch dieses Datum ist offenbar zu ambitioniert.

Nach der jüngsten Verkehrsministerkonferenz (29.11.) wird nun der 1. April 2023 als Starttermin gehandelt. Und auch bei der Finanzierung gibt es noch offene Fragen. Grundsätzlich hatten sich Bund und Länder Anfang November darauf geeinigt, die Kosten zu gleichen Teilen zu tragen. Knackpunkt sind nun aber potenzielle Mehrkosten. Bisher war man für die Einführung von Kosten in Höhe von drei Milliarden Euro ausgegangen. Nach einer Brancheneinschätzung könnte das Ticket allerdings bis zu 4,7 Milliarden Euro kosten.

Verkehrsverbünde machen es vor

Einige Verkehrsverbünde haben zuvor bereits gezeigt, wie es gehen kann: So hat beispielsweise Berlin ein 29-Euro-Ticket an den Start gebracht. Es gilt von Oktober bis Dezember für jeweils 29 Euro im Monat im ganzen Stadtgebiet.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) gibt es seit September ein 365-Euro-Jahresticket.

Auch in Nordrhein-Westfalen wurden schon Stimmen für ein 30-Euro-Monatsticket ab 1. Januar 2023 laut. Bereits reagiert haben Nahverkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen: Wer ein Abo-Ticket besitzt, kann an allen Wochenenden im Oktober ohne zusätzliche Kosten landesweit in ganz Nordrhein-Westfalen Fahrten mit Bussen, Bahnen und Nahverkehrszügen unternehmen.

Fahrgäste steigen im Bahnhof aus einer Regionalbahn.
Berlin hat ab Oktober ein günstiges Nahverkehrsticket eingeführt. Bildrechte: dpa

Rückblick: 9-Euro-Ticket war voller Erfolg

Dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge war die dreimonatige Sonderfahrkarten-Aktion im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein voller Erfolg. Rund 52 Millionen Tickets seien über den gesamten Zeitraum bundesweit verkauft worden. Hinzu kämen mehr als zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das Ticket automatisch erhalten hätten.

Gut fürs Klima: Jede Menge CO2-Einsparungen

Laut VDV soll es im Zeitraum Juni bis August rund eine Milliarde Fahrten pro Monat durch die Sondermaßnahme gegeben haben. Rund zehn Prozent davon wären sonst mit dem Auto erledigt worden. Dadurch seien über drei Monate rund 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden. Das sei in etwa der gleiche Effekt, als hätte es ein Jahr lang ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen gegeben.

Jeder fünfte Käufer sei ein Neukunde gewesen, der den öffentlichen Nahverkehr normalerweise nicht nutze, so der VDV. Zum Einsatz gekommen sei das Ticket aber vor allem in Städten. In ländlichen Gebieten sei die Resonanz aufgrund der schlechteren Infrastruktur nur halb so hoch gewesen.


BRISANT/dpa/mdr/ndr/rb/reuters/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. November 2022 | 17:15 Uhr

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