Wohnraum anbieten Geflüchtete aus der Ukraine zu Hause aufnehmen, aber wie?

Immer mehr Menschen aus der Ukraine suchen Zuflucht in Deutschland. Viele von ihnen brauchen Hilfe und vor allem Wohnraum. Wie Sie Geflüchteten helfen können, sagt BRISANT hier.

Mutter mit zwei Kindern in einem Willkommenszelt ür ukrainische Kriegsfluechtlinge am Berliner Hauptbahnhof
Die meisten Geflüchteten aus der Ukraine sind Frauen und Kinder. Bildrechte: IMAGO/Stefan Trappe

Immer mehr Ukrainer müssen ihrer Heimat auf der Suche nach Zuflucht den Rücken kehren. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) geht von bis zu vier Millionen Menschen aus, die bislang die Ukraine verlassen haben.

Ein Großteil von ihnen sucht in den Nachbarländern Ungarn, Slowakei, Rumänien und Moldau Schutz. In Polen sollen bereits fast 2,5 Millionen Menschen angekommen sein.

Aus der Ukraine geflüchtete Menschen gehen in eine Erstaufnahmeeinrichtung auf der Leipziger Messe.
Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen verlieren ihre Heimat. Bildrechte: dpa

90 Tage Aufenthaltsrecht für Geflüchtete

Wie viele Geflüchtete nach Deutschland kommen, kann niemand sagen. Nach Angabe des Bundesinnenministeriums sind bislang 310.000 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine registriert (Stand 5. April). Davon sind 84 Prozent Frauen.

Es finden aber keine Grenzkontrollen statt. Auch haben die geflüchteten Ukrainer 90 Tage Aufenthaltsrecht im gesamten Schengenraum, ohne sich registirieren zu müssen. Nur wer sich registriert, bekommt Sozialunterstützung und eine Krankenversicherung. Nach drei Monaten müssen Flüchtlinge eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen.

Die Geflüchteten werden in vier großen Stationen in Empfang genommen und dann in die Kommunen verteilt: Berlin, Cottbus, Frankfurt/Oder und Hannover.

Einige wollen weiterreisen, zu Freunden oder Verwandten in den europäischen Nachbarländer. Viele werden aber auch einfach in Deutschland bleiben, weil sie nicht wissen, wohin. Diese Menschen brauchen dringend dauerhaften Wohnraum, die Kinder sollen in den Kindergarten oder die Schule gehen.

Flüchtlinge in Dresden
Hunderttausende Geflüchtete kommen auch nach Deutschland und müssen irgendwo bleiben. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Geflüchtete zu Hause aufnehmen

Die derzeit größte Plattform für privaten Wohnraum ist die Webseite "Unterkunft Ukraine". Fast 370.000 Betten sind dort mittlerweile gelistet - mit der betreffenden Stadt, der möglichen Aufenthaltsdauer und den vorhandenen Sprachkenntnissen.

Mindestens 14 Tage sollte ein Bett oder Zimmer zur Verfügung gestellt werden können. Von der Organisation werden dann Hilfesuchende vermittelt, die zu den Angaben passen.

Auch die internationale Seite icanhelp.host, das "Blau-Gelbe Kreuz" und "Warmes Bett" bieten ähnliche Angebote. Bei letzterem können sich auch Vereine und Behörden registrieren. In den meisten deutschen Großstädten gibt es zudem lokale Angebote. Hier zum Beispiel in Berlin, Hamburg und München.

Privatpersonen bieten am Berliner Hauptbahnhof Unterkünfte für ukrainische Flüchtlinge an.
In ganz Deutschland werden Betten für Geflüchtete aus der Ukraine zur Verfügung gestellt. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Stefan Zeitz

Was muss ich als Gastgeber beachten?

  • Der Mieterbund rät, den Vermieter ab einem Zeitraum von 6 - 8 Wochen um Erlaubnis zu bitten
  • Bei eigenen engen Familienangehörigen ist keine Erlaubnis nötig
  • Für erhöhte Kosten (Lebensmittel, Strom, Wasser, Heizung) kommt der Mieter vorerst selbst auf. Das lokale Sozial- oder Wohnungsamt KANN die Kosten übernehmen, MUSS aber nicht
  • Für Schäden in der Wohnung haftet der Mieter
  • Beachten Sie, dass Sie keine Feriengäste aufnehmen, sondern traumatisierte Menschen. Erwarten Sie keine gemeinsamen Kochabende
  • Die Caritas rät davon ab, Geflüchtete in seine Ein - oder Zwei-Zimmer-Wohnung mit aufzunehmen. Geflüchtete brauchen Rückzugsmöglichkeiten
  • Wer ganze leerstehende Wohnungen bereitstellen möchte, kann die Mietkosten bei der Kommune geltend machen. Denn registrierte Geflüchtete haben Anspruch auf Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Das Familienministerium hat einen Leitfaden für Gastgeber herausgebracht, wie sie mit traumatisierten Geflüchteten sensibel umgehen können:

Ukrainische Kriegsflüchtlinge liegen auf Feldbetten in einem Sportzentrum in Warschau.
In Polen kommen die Geflüchteten in großen Turnhallen unter. Bildrechte: dpa

Große Unterstützung von jüdischen Gemeinden

Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland hat ebenfalls ein Unterstützungsformular freigeschaltet, in dem man Wohnraum anbieten kann. Und die Unterstützung lokaler jüdischer Gemeinden ist groß. Der Grund: 45 Prozent der nach 1990 nach Deutschland eingewanderten Jüdinnen und Juden aus den früheren Sowjet-Republiken haben familiäre Verbindungen in die Ukraine.

Unbegleitete Kinder und Jugendliche aufnehmen

Unter den Flüchtenden aus der Ukraine sind zahlreiche Kinder und Jugendliche - zum Teil sogar ohne begleitende erwachsene Angehörige. Das UNHCR empfiehlt, Kinder in Pflegefamilien oder altersgerechten Wohngruppen (Kinderheim) unterzubringen.

Wer unbegleitete Minderjährige bei sich aufnehmen möchte, sollte sich dafür an das für seine Stadt oder Gemeinde zuständige Jugendamt wenden. Die Kinder müssen offiziell gemeldet werden, da ihnen stattliche Leistungen zustehen.

Flüchtlinge aus der Ukraine überqueren die polnische Grenze in Medyka.
Viele Kinder werden alleine losgeschickt - die Eltern bleiben in der Ukraine. Bildrechte: imago images/Pixsell

Das übernimmt in der Regel nicht nur die Vermittlung der Minderjährigen in geeignete Familien, sondern steht letzteren u.a. mit psychosozialen Unterstützungsangeboten zur Seite und hilft dabei, den Minderjährigen später mit seiner Familie wieder zusammenzuführen.

Außerdem haben Kinder einen Anspruch auf Bildung. Die Jugendhilfeeinrichtungen bemühen sich um einen Schulplatz und altersgerechte Sprachkurse.

Weitere Informationen hat der "Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" auf seiner Webseite zusammengefasst:

(Bumf/dpa/afp/mieterbund/caritas/proasyl)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. März 2022 | 17:10 Uhr

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