Böller, Raketen und Co. Fünf gute Gründe für den Verzicht auf Feuerwerkskörper

Eine deutschlandweite Umfrage zeigt: Immer mehr Menschen sind für ein Böller-Verbot zu Silvester. Die Argumente sind vielseitig. Tiere leiden massiv unter Raketen und Böllern. Außerdem schaden sie der Umwelt und verletzen zahlreiche Menschen. Und: Das für Feuerwerk ausgegebene Geld könnte viele Probleme lösen. Fünf gute Gründe, warum es sich lohnt, auf die Silvester-Knallerei zu verzichten.

Verschiedene Verpackungen von Silvesterraketen und anderer Pyrotechnik stecken in einem Mülleimer.
Verursacht jede Menge Müll: die Silvester-Knallerei. Bildrechte: dpa

Feuerwerksraketen zünden und Knaller werfen gehört für viele einfach zu Silvester dazu? Anscheinend doch nicht: Denn mehr als jeder zweite Deutsche würde gern darauf verzichten.

In einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentrale Brandenburg stimmten 53 Prozent der Teilnehmer für ein Verbot, 39 Prozent waren dagegen.

Umwelt, Tierwohl und Ukrainekrieg

Die Verbraucherzentrale erklärte, dass das Silvesterfeuerwerk aktuell nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen des Verletzungsrisikos, des Umwelt- und Tierschutzes sowie wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kritisch gesehen wird. "Wichtig ist jetzt, dass die Politik frühzeitig darüber entscheidet, ob das Zünden oder der Verkauf von Feuerwerkskörpern für das private Böllern zu Silvester in diesem Jahr verboten wird", so der Chef der Brandenburger Verbraucherzentrale, Christian A. Rumpke.

Natürlich gibt es Gründe für Knaller, Böller und Co. – doch auf der anderen Seite stehen schlagkräftige Argumente gegen Feuerwerksraketen zu Silvester:

1. Feinstaub

Raketen und Böller verursachen regelmäßig Feinstaubalarm in der Silvesternacht. Rund 2.050 Tonnen davon werden dann in die Luft geblasen, schätzt das Umweltbundesamt. In der Nacht zu Neujahr messen zahlreiche Messstationen in den Städten oft ihre Jahreshöchstwerte. Besonders an den Stunden nach Mitternacht treten Messwerte von bis zu mehreren 1000 Mikrogramm auf. Normal sind Werte um 20 Mikrogramm.

Anders am Neujahrstag 2021: An Silvester 2021 hatte es wegen der Corona-Pandemie ein bundesweites Verkaufsverbot von Böllern und Raketen gegeben. Die freigesetzten PM10-Mengen waren außergewöhnlich niedrig. Über ein Böllerverbot an Silvester 2022 in Deutschland hat die Politik bisher nicht entschieden.

2. Verängstigte Tiere

Wer mit Haustieren wie Katzen und Hunden zusammenlebt, weiß, wie viele von ihnen unter den lauten Böllern leiden. Auch Vögel reagieren panisch, einige von ihnen verlassen fluchtartig die Stadt und kehren zum Teil nie wieder an ihren Schlafplatz zurück. Dabei verlieren sie Energie, die sie im Winter dringend benötigen. Die Umweltschutzorganisation NABU warnt besonders vor der Knallerei auf Grünflächen und in Parks. Dort werden die Tiere aufgeschreckt und fliehen dann in mitunter eisige Höhen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Nicht wenige Wildtiere sterben durch das Feuerwerk oder erleiden Gehörschäden.

Ein kleiner Terrier schaut zwischen zwei Holzstreben hervor.
Traurige Augen in der Silvesternacht: Hund und Co. haben häufig Angst vor dem lauten Feuerwerk. Bildrechte: Colourbox.de

3. Verletzte Menschen

Vergleichende Statistiken über die Zahl der durch Böller und Raketen verletzten oder sogar getöteten Menschen in Deutschland gibt es zwar nicht. An dramatischen Beispielen herrscht aber auch kein Mangel. Beim Jahreswechsel 2021/22 starb ein 37-jähriger Mann im nordrhein-westfälischen Hennef durch die Explosion eines Feuerwerkskörpers. Auch anderswo erlitten Menschen teils schwere Verletzungen.

Der Regelfall dürften vor allem Hörschäden und Verletzungen an Händen durch explodierte Knaller sein. Sie können ein Knalltrauma auslösen, das mitunter einen bleibenden Verlust von Hörvermögen nach sich ziehen kann.

Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes fährt mit Blaulicht
Immer wieder müssen Menschen an Silvester wegen Verletzungen durch Feuerwerk ins Krankenhaus. Bildrechte: imago/Ralph Peters

4. Das viele Geld

Nach Auskunft des Verbands der Pyrotechnischen Industrie haben die Deutschen in den vergangenen Jahren für Raketen, Knaller und Batteriefeuerwerke jeweils 137 Millionen Euro ausgegeben. Im Vergleich mit anderen Konsumgütermärkten wirkt diese Summe zwar eher klein. Für Schnittblumen und Zimmerpflanzen gaben die Deutschen 2017 rund 8,6 Milliarden Euro aus. Allerdings verteilt sich dieser Umsatz auf das gesamte Jahr. Böller dürfen hingegen nur wenige Tage zwischen Weihnachten und Neujahr frei verkauft werden.

5. Entwicklungshilfe oder Naturschutz verbessern

Brunnen statt Böller: Deutschland gab im Jahr 2016 laut Statistischem Bundesamt 22,4 Milliarden Euro für Entwicklungszusammenarbeit aus. Mit den 137 Millionen Euro könnte man den Etat um 0,6 Prozent erhöhen. Das klingt zwar nicht viel, kann die Lebensbedingungen in einzelnen Entwicklungsländern aber stark verbessern.

Bäume statt Böller: Für Natur- und Artenschutz gaben Bund, Länder und Kommunen 2015 insgesamt 1,4 Milliarden Euro aus. Würde man hier die 137 Millionen Euro investieren, stiege der Etat für Naturschutzgebiete um 9,2 Prozent.

Nationalpark Hainich Bäume.
Mit dem ausgegebenen Geld für Raketen und Böller könnten Naturschutzgebiete gefördert werden. Bildrechte: imago/blickwinkel

Quelle: mdr wissen

Dieses Thema im Programm: BRISANT | 31. Oktober 2022 | 17:15 Uhr

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