Coronavirus Biontech-Impstoff bei jungen Kindern wohl nicht so effektiv wie angenommen

Mit Biontech geimpfte Kinder unter 12 Jahren sind schlechter gegen die Omikron-Variante des Coronavirus geschützt als ältere Kinder oder gar Erwachsene. Das legt eine Studie aus den USA nahe. Der Grund könnte nach Auffassung der Experten die unterschiedliche Dosierung sein.

Seit November 2021 gibt es in der EU die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Eine Studie des Gesundheitsministeriums des US-Bundesstaates New York, die als Preprint veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass Kinder in dieser Altersklasse nach einer neuen vollständigen Impfung weniger gut gegen eine Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus geschützt sind als neu geimpfte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren.

Studie mit mehr als einer Million Kindern

Für ihre Ergebnisse analysierte das Forscherteam nach Angaben der "New York Times" Daten von mehr als 850.000 Zwölf- bis 17-Jährigen und mehr als 360.000 Fünf- bis Elfjährigen von Mitte Dezember 2021 bis Ende Januar 2022. Demnach ging die Wirksamkeit in diesem Zeitraum bei den jüngeren Kindern von anfangs 68 auf zwölf Prozent zurück. Bei den Jugendlichen bis 17 Jahren sank sie weniger stark von 66 auf 51 Prozent. Das größte Erstaunen lösten die Unterschiede zwischen den Elf- und Zwölf-Jährigen aus. Am Ende des Beobachtungszeitraums lag die Wirksamkeit des Impfstoffs bei rund 67 Prozent (Zwölfjährige) und rund elf Prozent (Elfjährige).

Geringere Dosis bei jüngeren Kindern

Nach Angaben von Experten könnte das an der geringeren Wirkstoff-Dosis bei den jüngeren Kindern liegen, da die biologischen Unterschiede zu den Zwölfjährigen minimal seien. Die Jüngeren bekommen für die Immunisierung nicht zwei Erwachsenen-Dosen, sondern nur jeweils ein Drittel davon. Der Unterschied in der Wirksamkeit im Vergleich zu den älteren Kindern, die zwei Erwachsenen Dosen erhalten, sei nach Angaben des Immunologen Florian Krammer in der "New York Times" bemerkenswert.

Unterschiede bei Hospitalisierung und Impfschutz

Auch der Schutz vor Hospitalisierungen scheint bei jüngeren Kindern schneller nachzulassen als bei älteren. Die Zwölf- bis 17-Jährigen waren Mitte Dezember noch zu 85 Prozent davor geschützt, mit einer Corona-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen, Ende Januar nur noch zu 73 Prozent. Bei den Fünf- bis Elfjährigen fiel der Schutz von 100 Prozent auf 48 Prozent. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass insgesamt nur sehr wenige Kinder mit Covid-19 ins Krankenhaus müssen, die Zahlen zur Hospitalisierung deshalb nur bedingt aussagekräftig sind.

Die Suche nach der richtigen Dosis

Nach Angaben des Studienleiters Eli Rosenberg seien die Ergebnisse "enttäuschend, aber nicht überraschend." Sie würden vermutlich so ausfallen, weil die Impfstoffe nicht gegen Omikron, sondern gegen frühere Virusvarianten entwickelt wurde. Es sei jetzt wichtig, die richtige Dosierung und die Anzahl der Impfungen bei Kindern herauszufinden. Die Daten machten zudem deutlich, dass die Impfung neben den Abstandsregeln und den Schutzmasken nur ein Instrument in der Pandemiebekämpfung sei. Eine Erhöhung der Dosis bei den Fünf- bis Elfjährigen scheint keine Option zu sein. Der Grund: Potenziell schwerere Nebenwirkungen.

Experten empfehlen Kinder-Impfung

Rosenberg und andere Experten empfehlen die Impfung für Kinder dennoch, da die Daten insgesamt einen guten Schutz vor schweren Erkrankungen gezeigt hätten. "Wir müssen sicherstellen, dass wir den Doughnut und nicht das Loch betonen", so die Kinder-Impf-Expertin. Denn: Die Impfung schütze auch Kinder ab fünf Jahren vor einem schweren Krankheitsverlauf.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. März 2022 | 17:15 Uhr

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