Keine Hinweise auf Fremdeinwirken Nach Hetze gegen Ärztin - Obduktion bestätigt Suizid von Dr. Kellermayr

Der Tod der Ärztin Dr. Lisa-Maria Kellermayr, die über Monate von Impfgegnern bedroht wurde, hat nicht nur in ihrem Heimatland Österreich für Erschütterung gesorgt. Eine Obduktion hat nun den Suizid-Verdacht bestätigt.

Kerzen stehen als Zeichen der Initiative #YesWeCare und in Gedenken an die oberösterreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr vor dem Landesgericht und der Staatsanwaltschaft Wels
Kerzen für die verstorbene Ärztin Dr. Kellermayr vor der Staatsanwaltschaft Wels. (Archiv) Bildrechte: dpa

Auf Wunsch ihrer Angehörigen ist die Leiche der österreichischen Ärztin Dr. Lisa-Maria Kellermayr, die über Monate von Impfgegnern bedroht wurde, nun doch obduziert worden. Dabei wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wels keine Hinweise auf das Einwirken anderer Menschen gefunden. Es werde deshalb von Suizid ausgegangen. Angehörige der Medizinerin hatten die Obduktion gefordert, deren vorläufiges Ergebnis nun veröffentlicht wurde. Das schriftliche Gutachten und die chemisch-toxikologischen Untersuchungsergebnisse würden allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter.

Einschüchterungen und Morddrohungen von Impfgegnern

Dr. Kellermayr war am Freitag tot in ihrer Praxis aufgefunden worden. Sie hatte unter anderem bei Twitter von monatelangen Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen "aus der Covid-Maßnahmen- und Impfgegnerszene" berichtet - und schließlich unter Berufung darauf ihre Praxis geschlossen. Arbeitsbedingungen, "wie wir sie die letzten Monate erlebt haben", seien niemandem zuzumuten, hatte sie zur Begründung geschrieben. Dr. Kellermayr stand Berichten zufolge über längere Zeit unter Polizeischutz.

Auch Ermittlungen in Deutschland

In dem Fall ermittelt auch die Staatsanwaltschaft München "gegen eine männliche Person wegen des Verdachts der Beleidigung und Bedrohung". Weitere Details nannte eine Sprecherin der Behörde nicht. Medienberichten zufolge soll es sich aber um einen Mann aus Oberbayern handeln. Mit Folter und Mord soll er die 36 Jahre alte Ärztin bedroht haben. Den Berichten zufolge ist ebenfalls eine Anzeige in Berlin eingegangen. Details zu der oder den Personen gibt es bislang nicht.

Die Bundesregierung zeigte sich "tief bestürzt" über den Tod der Ärztin. "Drohungen, Gewalt, Hetze sind absolut auf das Schärfste zu verurteilen, gerade auch wenn sie sich gegen medizinisches Personal und Ärztinnen und Ärzte richten", sagte Vize-Regierungssprecher Wolfgang Büchner in Berlin.

Sollten Sie selbst Suizid-Gedanken haben oder Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter den kostenlosen Rufnummern 0800-1110111 und 0800-1110222. Auch hier gibt es hilfreiche Informationen.

(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. August 2022 | 17:15 Uhr

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