Nachruf "Das Boot"-Regisseur Wolfgang Petersen ist tot

Der Kriegsfilm "Das Boot" ebnete ihm den Weg nach Hollywood. Dort gelang es dem deutschen Regisseur Wolfgang Petersen, die größten Schauspiel-Stars für seine Filme vor die Kamera zu locken. Jetzt ist der Filmemacher im Alter von 81 Jahren in seiner Wahlheimat gestorben, die Filmwelt trauert.

Der Regisseur Wolfgang Petersen  lacht.
Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Bildrechte: dpa

Im Alter von 81 Jahren ist der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen am Freitag, dem 12. August in seiner Wahlheimat Kalifornien an den Folgen eines Bauchspeicheldrüsenkrebsleidens gestorben. Seine Frau Maria war an seiner Seite.

Überraschender Tod - Petersen wollte noch lange nicht aufhören

Für die Filmwelt kommt sein Tod überraschend. Bis zuletzt war Petersen kreativ tätig, dachte noch lange nicht ans Aufhören. Seine schwere Erkrankung soll er geheim gehalten haben.

Kurz vor seinem 80. Geburtstag flachste der gebürtige Ostfriese, dass er über dieses runde Jubiläum "ganz locker drüber weg segeln" wolle und sprach über neue Film- und Fernsehprojekte. Den Ruhestand ignorierte er geflissentlich.

Mit "Das Boot" nach Hollywood

Der 1941 in Emden geborene Petersen hatte 1981 "Das Boot" über eine U-Boot-Besatzung während des Zweiten Weltkriegs (nach dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim) gedreht und sich damit international einen Namen gemacht.

Das Kinoepos mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer wurde für insgesamt sechs "Oscars" nominiert - und ging doch leer aus. Dennoch waren es die meisten Anwartschaften, mit denen ein deutscher Film jemals von der Oscar-Akademie bedacht worden war.

Jürgen Prochnow (r) und Herbert Grönemeyer (2.v.r.) in einer Szene des Films "Das Boot".
Jürgen Prochnow (r.) und Herbert Grönemeyer (2.v.r.) in einer Szene des Films "Das Boot". Bildrechte: dpa

Produktionskosten-Rekord: "Die unendliche Geschichte"

1984 legte Petersen mit der Fantasy-Verfilmung "Die unendliche Geschichte" nach. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Mit rund 60 Millionen DM Produktionskosten war der Streifen die bis dato teuerste Produktion in der deutschen Filmgeschichte.

Obgleich die Kritiker der einhelligen Meinung waren, dass der Film weit hinter seiner Buchvorlage zurückblieb, erwies sich das Fantasy-Märchen mit seinen zahlreichen Spezialeffekten als Kassenmagnet - auch in den USA.

Die unendliche Geschichte
"Die unendliche Geschichte" mit Noah Hathaway in der Hauptrolle. Bildrechte: imago/Prod.DB

Umzug in die USA

Zwei Jahre später zog Wolfgang Petersen mit seiner zweiten Frau Maria nach Los Angeles. Dort realisierte er in den 1990er-Jahren - stets mit Starbesetzung - eine weltweit erfolgreiche Thriller-Trilogie, mit der er sich als Blockbuster-Spezialist etablierte.

Der Politthriller "In the Line of Fire" mit Clint Eastwood als Secret-Service-Agent war 1993 ein großer Kassenhit. Es folgten "Outbreak" mit Dustin Hoffman, "Air Force One" mit Harrison Ford und schließlich "Der Sturm" mit George Clooney und "Troja" mit Brad Pitt und Diane Kruger.

Filmemacher und Talentscout

Wolfgang Petersen hatte ein gutes Gespür für junge Talente. Viele von ihnen wurden zu Weltstars, nachdem sie in seinen Produktionen mitgewirkt hatten. Für den "Tatort"-Krimi "Reifezeugnis" holte Petersen im Jahr 1977 Nastassja Kinski vor die Kamera - und machte sie über Nacht berühmt.

Auch Diane Kruger war noch unbekannt, als Petersen ihr 2004 im Historienepos "Troja" neben Brad Pitt und Orlando Bloom die Rolle der schönen Helena gab. Er hatte die junge Schauspielerin unter Tausenden Casting-Videos entdeckt. Auch Jürgen Prochnow und Marie-Luise Marjan sollen Petersen ihre Karrieren zu verdanken haben.

Karrierepause und Comeback mit deutscher Produktion

Obgleich Petersen als einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure in Hollywood gilt, blieb auch er von Flops nicht verschont. Nachdem bereits "Troja" weit hinter den Erwartungen zurückblieb, floppte "Poseidon" weltweit. Danach legte der erfolgsverwöhnte Regisseur eine fast zehnjährige Karrierepause ein.

Erst 2016 kehrte er auf die Kinoleinwand zurück - mit einer deutschen Produktion: einem Remake seiner Fernsehkomödie "Vier gegen die Bank" aus dem Jahr 1976. Dieses Mal prominent besetzt mit mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Bully Herbig und Jan Josef Liefers. "Die Welt" bezeichnete den Streifen als die "Rückkehr eines verlorenen Sohnes".

Matthias Schweighöfer und Til Schweiger
Matthias Schweighöfer und Til Schweiger bei der Premiere von "Vier gegen die Bank" in Berlin. Bildrechte: imago/Future Image

Letztes Projekt durch Corona ausgebremst

2021, mitten in der Corona-Pandemie, plante Petersen ein weiteres Regieprojekt in Deutschland - eine Liebesgeschichte um einen KGB-Agenten und eine junge Ostdeutsche, nach einer wahren Begebenheit, kurz vor dem Mauerbau.

Doch zur Umsetzung sollte es nicht mehr kommen. Die Pandemie hatte den Regisseur zu einer längeren Pause gezwungen.

Große Trauer um Star-Regisseur

Die Film- und Fernsehwelt reagiert auf den überraschenden Tod der Film-Legende mit großer Bestürzung. Schauspieler Jürgen Prochnow sei "zutiefst erschüttert und sehr, sehr traurig", teilte sein Management am Mittwoch mit. "Wolfgang war eine Führungspersönlichkeit mit einer angeborenen Autorität und mit einer Freundlichkeit und viel Humor", schreibt Prochnow.

Der aktuelle ARD-Vorsitzende Tom Buhrow würdigt den verstorbenen Regisseur als "visionären Erzähler und ganz Großen des deutschen Films". Mit Filmen wie "Vier gegen die Bank" und "Das Boot" habe er in der ARD das Genre Fernsehfilm auf Kino-Level gehoben.

Neben vielen anderen melden sich Matthias Schweighöfer, Michael Bully Herbig und Schauspielerin Diane Kruger via Instagram zum Tod Wolfgang Petersens.

Selbst Bundeskanzler Olaf Scholz würdigt den deutschen Hollywood-Regisseur als «besonderen Erzähler». Auf Twitter schreibt er:

Die unendliche Geschichte von Wolfgang Petersen ist zuende gegangen.

BRISANT/AFP/dpa/munzinger.de

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