Food Waste Lebensmittelverschwendung vermeiden - Diese Apps und Projekte helfen dabei

CO2-Emissionen vermeiden - und dabei bares Geld sparen. Möglich ist das durch einen sparsamen und verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln. Doch der ist manchmal gar nicht so einfach. Was tun, wenn die Tomaten ausgerechnet kurz vorm Urlaub reif werden? Hilfe versprechen verschiedene Projekte, Initiativen und Food-Waste-Apps - und davon gibt es in Deutschland gleich mehrere.

Eine Frau schmeißt einen Salat in den Müll
Gut zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen allein in Deutschland jedes Jahr im Müll. Bildrechte: PantherMedia / Andriy Popov

Nach Angaben des Bundesernährungsministeriums landen allein in Deutschland jedes Jahr gut zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Und das, obgleich sie zu großen Teilen noch genießbar sind. Das sind pro Kopf und Jahr etwa 75 Kilogramm.

Mehr als die Hälfte der entsorgten Lebensmittel stammt aus privaten Haushalten. Jeder zwanzigste Verbraucher wirft Lebensmittel sofort weg, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

Eine Verschwendung, die viel Geld kostet und unnötige CO2-Emissionen verursacht. Doch mittlerweile gibt es zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich dem Thema annehmen.

"Community Kitchen": Kochen für den Klimaschutz

Die Münchnerin Günes Seyfarth rettet seit mehr als zehn Jahren Lebensmittel. Privat kocht die Dreifach-Mama fast ausschließlich mit Zutaten, die sonst im Müll gelandet wären. Denn Nachhaltigkeit und Genuss passen zusammen, auch wenn es viele nicht glauben wollen. Und was im Kleinen funktioniert, sollte auch in Groß gehen, dachte sich Günes Seyfarth. Ihr Ziel: Mit geretteten Ressourcen so viele Menschen wie möglich bekochen.

Sie gründete den Verein Foodsharing München mit und startete im Dezember 2020 ihr eigenes Klimaschutz-Projekt "Community Kitchen"  - ein Gastronomie-Konzept, bei dem nur mit geretteten Lebensmitteln (insgesamt 18 Mio. Tonnen im Jahr) Mahlzeiten gekocht und verteilt werden. Sechs Mal in der Woche bietet Günes Seyfahrt in ihrer "Community Kitchen" in München einen Mittagstisch mit frisch zubereiteten Gerichten an. Außerdem beliefert ihr Team Kitas, Schulen und Unternehmen.

Unterschiedliche Ansätze: Food-Waste-Apps gegen Lebensmittelverschwendung

Ganz ortsunabhängig können Plattformen und sogenannte Food-Waste-Apps dabei helfen, Lebensmittelverschwendung den Kampf anzuzsagen.

Nicht eine, sondern gleich mehrere Apps gibt es mittlerweile in Deutschland - und zwar mit unterschiedlichen Ansätzen. Einmal sind es Restaurants, Bäckereien und andere Händler, die für einen schmalen Taler übrig gebliebene Mahlzeiten und Lebensmittel verkaufen.

Dann private Verbraucher, die Lebensmittel, die sie nicht verwerten können, verschenken. Und schließlich gibt es einige hilfreiche Apps, die Endverbraucher dabei unterstützen, Lebensmittelverschwendung generell zu vermeiden. Sie liefern hilfreiche Tipps für den Einkauf und die Lagerung der Nahrungsmittel und stellen Möglichkeiten der Resteverwertung vor.

Übrigens: Auch, wer kein Smartphone besitzt, kann von den Food-Waste-Apps profitieren. Einige der Anwendungen gibt es auch als Web-Apps, für die kein mobiles Endgerät notwendig ist.

Mann hält Smartphone mit einer App für Lebensmittelabfälle
In Deutschland gibt es nicht nur eine, sondern gleich mehrere Apps gegen Lebensmittelverschwendung. Bildrechte: IMAGO / Ikon Images

"foodsharing" & "UXA"

"foodsharing" ist eine der ältesten Food-Waste-Plattformen im Internet. Ob Bäckerei, Supermarkt oder Privatperson: Wer Lebensmittel übrig hat, kann sie online auf einer Karte eintragen. Anschließend können die "Essenskörbe" von anderen umsonst abgeholt werden. Alternativ kann man an öffentlichen "Fairteiler"-Stellen Lebensmittel abgeben oder auch mitnehmen.

Ganz ähnlich funktioniert "UXA". Dort kann man sogar gezielt nach bestimmten Lebensmitteln suchen.

Kiste mit food sharing Aufschrift
Bei "foodsharing" und "Uxa" können Privatpersonen übrig gebliebene Lebensmittel kostenlos weitergeben. Bildrechte: IMAGO / Christoph Worsch

"Too Good To Go" & "ResQ Club"

Die App "Too Good To Go" vernetzt Restaurants, Bäckereien und Supermärkte mit Verbrauchern, die übrig gebliebene Lebensmittel vor der Mülltonne retten möchten. Im Gegenzug werden die Gerichte und Produkte zu einem wesentlich geringeren Preis abgegeben.

Auch hier gibt es eine Karte mit allen Einträgen, dazu die Möglichkeit, zu reservieren. Neben dem Preis gibt es meist ein verbindliches Zeitfenster für die Abholung.

Ähnlich funktioniert der "ResQ Club", der Kunden mit 50 Prozent Ersparnis, keinen Wartezeiten und einer Bezahlung per App lockt. Allerdings ist "ResQ Club" in Deutschland bislang nur in Berlin aktiv.

"Motatos" & "Etepetete"

Der Nachteil vieler Apps: Sie sind vor allem in Großstädten weit verbreitet, weswegen es dort deutlich mehr Anbieter gibt als im ländlichen Raum. Bei den Foodsharing-Anbietern "Etepetete" und "Motatos" ist es hingegen ganz egal, wo man wohnt. Hier wird es jedem möglich gemacht, Lebensmittel zu retten.

Zu klein, zu groß, zu krumm: Lebensmittelverschwendung hat sehr viel mit dem Auge zu tun: Das, was der Mensch nicht als schön ansieht, kommt oft weg. "Etepetete" konzentriert sich auf Lebensmittel mit kleinen Schönheitsfehlern, die es so nicht in den Verkauf schaffen würden. Auf der Website können Kunden zwischen verschiedenen Boxen voller Gemüse, Obst und Co. wählen.

Der Online-Supermarkt "Motatos" führt ein eigenes Sortiment aus geretteten Lebensmitteln. Von internationalen Lebensmittelproduzenten werden die Produkte abgekauft, die es aufgrund von Verpackungs- und Produktionsfehlern, Überproduktionen oder saisonalen Trends nicht in den regulären Handel schaffen. Ein Prozent des Bruttogewinns wird dabei an eine internationale Hilfsorganisation gespendet.

"Beste Reste" & "Zu gut für die Tonne"

Die Kampagne "Zu gut für die Tonne" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzt sich gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein. Sie informiert online und per App über Einkauf, Vorratsplanung, Haltbarkeit, und Lagerung von Lebensmitteln.

Teil der Kampagne ist die App "Beste Reste" mit mehr als 750 Rezepten von Sterneköchen, prominenten Kochpaten und Hobbyköchen zum Verwerten von Resten. Auf der Suchseite der App lassen sich bis zu drei Zutaten miteinander kombinieren. Die App schränkt die Auswahl automatisch auf mögliche Kombinationen ein und wirft passende Kochrezepte aus. Die Rezeptdatenbank wird ständig neu bestückt und lässt sich innerhalb der Anwendung per Knopfdruck aktualisieren.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. November 2021 | 17:15 Uhr

Mehr Ratgeber-Themen