Energiekosten Wann lohnt es sich, den Strom- oder Gasanbieter zu wechseln?

Gehen oder bleiben - das fragen sich viele Menschen, die dieser Tage mit einer saftigen Erhöhung ihrer monatlichen Abschläge für Strom oder Gas überrascht worden sind. Wann lohnt es sich, den Strom- oder Gasanbieter zu wechseln und was sollte man dabei unbedingt beachten?

Gesicht auf Stromzähler
Wann lohnt es sich, den Energieversorger zu wechseln? Bildrechte: imago images/Ikon Images

Auf dem Gas- und Strommarkt herrscht ein Ausnahmezustand. Seit Herbst 2021 sind die Beschaffungspreise vor allem eines: gestiegen. Mittlerweile haben viele Energieanbieter mit Preiserhöhungen reagiert. Sondertarife für Neukunden werden zum Teil gar nicht mehr angeboten.

In einigen Städten ist derzeit der Grundversorgungstarif der günstigste Tarif. In vielen Gebieten lohnt ein Anbieterwechsel momentan nicht mehr. Die Ersparnis ist zu gering - und attraktive Angebote sind kaum zu finden. Was also tun?

Wechsel des Energieanbieters: Worauf sollte man achten?

Wer noch einen günstigen Bestandstarif hat, sollte über einen Wechsel des Energieanbieters nicht nachdenken. Selbst wenn man bereits eine Preiserhöhung erhalten hat, kann der neue Tarif die beste Option sein. Vorschnell kündigen sollte man seinen Vertrag deshalb nicht.

Entscheidet man sich dennoch für einen Wechsel des Energieversorgers, sollte man bei der Suche nach einem neuen die Grundversorger vor Ort in die Recherche einbeziehen. Zumindest für eine Übergangszeit kann das eine gute Option sein. Zumal man die Verträge in der Regel mit einer Frist von zwei Wochen kündigen kann.

Vorsichtig sollte man mit Informationen aus sogenannten Vergleichsportalen umgehen. Dort sind die regionalen Grundversorger häufig nicht gelistet - und die genannten Preise sind oft noch nicht auf dem aktuellen Stand. Hilfreich sind Vergleichsportale, um ein bestehendes Angebot zu prüfen. Liegt es unter den Preisen in den Portalen, ist es günstig. Liegt es deutlich drüber, sollte man die Finger davon lassen.

Findet sich keine vergleichsweise günstige Option, sollte man zumindest auf eine möglichst kurze Vertragslaufzeit achten. Dann kann der Vertrag monatlich oder quartalsweise gekündigt werden.

Stromangebote
Findet sich aktuell kein passendes Angebot für Strom oder Gas, kann man zunächst mit dem Grundversorger vor Ort überbrücken. Bildrechte: imago/Niehoff

Vertragslaufzeit und Preisgarantie

Erhält man ein leidlich attraktives Preisangebot für Strom oder Gas, empfiehlt es sich allerdings, auf eine Vertragslaufzeit von ein bis zwei Jahren zu setzen. Allerdings nur, wenn eine Preisgarantie zugesichert wird. Kürzere Vertragslaufzeiten können zu früheren ordentlichen Kündigungen durch den neuen Anbieter und neuen Vertragsangeboten mit schlechteren Preiskonditionen führen.

Achtung: Viele Preisgarantien sind eingeschränkt. Sie klammern gesetzlich regulierte Preisbestandteile wie Netzentgelte, Steuern, Abgaben oder Umlagen aus. Verändern sich diese Preisbausteine, greift die Garantie also nicht - und der Anbieter kann seine Preise trotzdem erhöhen.

Bonus-Tarife, Prämien und Bündelangebote

Wer sich für einen Tarif mit Bonus entscheidet, sollten sich darauf einstellen, nach einem Jahr erneut zu wechseln. Denn das zweite Vertragsjahr ist bei Bonus-Tarifen in der Regel teurer. Die ausgewiesene Ersparnis im ersten Jahr geht meist ausschließlich auf den Bonus zurück.

Auch sogenannte Prämien- oder Bündelangebote sind mit Vorsicht zu genießen. Meist ist der Grundpreis für die Energie so viel höher, dass man deutlich günstiger kommt, wenn man Energie und Prämie (das kann beispielsweise ein Smartphone oder ein Grill sein) einzeln kauft.

Gaszähler und Sparschwein
Prüfen Sie genau, ob ein vermeintliches Schnäppchen tatsächlich eines ist. Bildrechte: IMAGO/blickwinkel

Für wen eignen sich Online-Tarife?

Online-Tarife zählen aktuell zu den günstigsten Angeboten. Allerdings sind diese Tarife nur für Kunden geeignet, die ohne persönlichen Service auskommen. Kommuniziert wird in der Regel ausschließlich per E-Mail, meist sind nicht einmal Telefonate möglich.

Auf die Anzahl der Abschläge achten

Die meisten Energieanbieter lassen sich Strom oder Gas in zwölf Abschlägen bezahlen. Einige aber auch nur in elf. Dass der einzelne Abschlag dann etwas höher ausfällt, liegt auf der Hand und ist eigentlich kein Problem.

Der Haken daran ist, dass man dem Versorger bei elf Abschlägen ein unnötig hohes Guthaben gewährt. Geht der Energieversorger insolvent, ist das bereits gezahlte Geld meist futsch.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. September 2022 | 17:15 Uhr

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