Klimaschutz-Held Seegras - ein nachhaltiges Naturtalent

Jährlich werden Tonnen von Seegras an Strände gespült. Was viele nicht ahnen: Das Treibsel kann vielseitig eingesetzt werden - im Kleinen wie im Großen. Forscher sehen in Seegras sogar einen Klima-Retter.

Seegras in einer Lagerhalle 9 min
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BRISANT Mi 13.04.2022 17:15Uhr 09:28 min

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Wer kennt es nicht: Man spaziert entspannt am Strand entlang und ärgert sich über störende Seegrashaufen. Doch das unliebsame Treibgut hat durchaus seinen Zweck - für Natur und Mensch. 

So unterschätzt ist Seegras

Dadurch, dass Seegras sich mit seinen Wurzeln und Ausläufern im Meeresboden festigt, bildet es einen natürlichen Küstenschutz, der Meeresströmungen ausbremst. Zudem ist Seegras Lebensraum vieler Organismen im Meer - darunter auch bedrohte Arten wie Seekühe oder Seepferdchen. Fische suchen hier Schutz vor Feinden und legen ihre Eier zum Laichen ab. Und Seegras schafft sogar etwas, woran die Menschheit seit Jahrzehnten scheitert.

Seegras: Unser Retter in Sachen Klimaschutz?

Seegras ist eine durch und durch unterschätzte Pflanze - vor allem im Klimaschutz. Nicht nur, dass Seegras das Meer sauber hält, in dem es Plastikteilchen aus dem Wasser filtert. Es bindet auch Kohlendioxid. Zukünftig könnte Seegras bis zu 30 Prozent des vom Menschen gemachten CO2 schlucken. Laut Studien wird im Meer somit doppelt so viel Kohlenstoff wie in Wäldern an Land gespeichert. Umso wichtiger, Seegraswiesen zu schützen und anzubauen. Aktuell bedeckt Seegras an die 600.000 Quadratkilometer des Meeresbodens. Das entspricht etwa der Fläche Frankreichs. Was viel klingt, ist nicht genug. Als große Hoffnung für den Klimaschutz brauchen wir Menschen mehr. Doch auch im Kleinen können wir von der Pflanze profitieren.

Ein Seepferdchen schwimmt zwischen verschiedenen Seegras-Arten
Seegraswiesen sind Wohnort zahlreicher bedrohter Arten. Bildrechte: dpa

Bereits unsere Vorfahren wussten, wie man sich die guten Eigenschaften von Seegras zunutze machen kann. Zum Beispiel wurde das Treibsel bis in die 1960er-Jahre als Dämmmaterial oder als Dünger für Boden verwendet. Letzteres entdecken aktuell Bauern und Landwirte an den Küsten wieder für sich.

So können wir im Alltag von Seegras profitieren

Seegras als Rohstoff für den Garten

Seegras verrottet sehr langsam, macht dadurch den Boden besonders locker und sorgt für eine natürliche Durchlüftung. Besonders Kartoffeln wachsen auf einem Seegras-Bett gut. Im Herbst kann man Seegras zudem ähnlich wie Mulch verwenden: Die Meerespflanze verhindert ebenso verlässlich das Wachstum von Unkraut.

Für die Schönheit: Beauty-Power aus dem Meer

In der Kosmetikbranche sind Algen die Superstars von morgen. Der Grund: Seegras enthält einen hohen Gehalt an Antioxidantien, Vitaminen, Mineralien und Proteinen und wird deswegen besonders gern in Sachen Anti-Aging eingesetzt. Inhaltsstoffe wie Rosmarinsäure und Bor wirken zudem heilend, weshalb Produkte mit Seegras perfekt zum Versorgen kleinerer Wunden geeignet sind.

Doch es muss nicht erst zu teuren Cremes gegriffen werden. Auch preiswerte und selbst gemachte Hausmittelchen zahlen sich aus. Hierfür das Seegras am besten “pur” genießen und beispielsweise ins Badewasser geben oder die Haut mit Seegras peelen. 

Tipp: Im Sommer am Strand barfuß über Seegras laufen - das wirkt wahre Wunder gegen Fußpilz, Schwellungen oder rissiger Haut.

Seegras essen: Als Snack, zum Salat oder Sushi 

Frisches wie auch getrocknetes Seegras kann äußerst gut schmecken - man muss nur wissen, wie man es in der Küche richtig einsetzt! Seegras eignet sich hervorragend zum roh essen für Salate, zum Dünsten oder kurz in der Pfanne geschwenkt als Beilage. Besonders gut passt Seegras zu Fischgerichten, Spaghetti und Reis. Auch der japanische Seegrassalat Wakame ist beliebt und lässt sich sogar leicht daheim nachmachen. Dafür einfach getrocknetes Seegras mit heißem Wasser übergießen, etwa zehn Minuten quellen lassen und mit Dressing vermischen.

Sesam passt gut zu asiatischen Algensalaten - dieser ist aus Wakame zubereitet
Beliebtes Superfood: Vor allem in der japanischen Küche ist Seegras eine beliebte Zutat. Bildrechte: dpa

Das Superfood aus dem Meer

Das Beste: Seegras schmeckt nicht nur, es ist auch gesund! Fakt ist, dass frisches Seegras reich an Beta-Carotin und Folsäure ist. Zusätzlich ist es nicht nur extrem kalorienarm, sondern enthält auch hochwertiges Eiweiß: Sein Proteingehalt ist höher als bei einem Schnitzel oder Ei.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. April 2022 | 17:15 Uhr

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