Hilfswelle für die Ukraine Sachspenden oder Geld - Was wird gerade dringend benötigt und was nicht?

Die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine sorgen in Deutschland für tiefe Betroffenheit - und zahlreiche Spenden. Überall in Deutschland gibt es Sammelstellen und Hilfsorganisationen, die sich für die betroffenen Menschen einsetzen. Doch nicht alle Spenden sind derzeit sinnvoll. Was wird besonders benötigt? Und wie können Sie sicherstellen, dass Ihre Spende auch da ankommt, wo sie gebraucht wird?

„Spenden. Helfen“ steht auf einem Aufsteller in der Kleiderkammer der Hilfsorganisation Hanseatic Help.
Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist groß. Doch wie hilft man jetzt richtig? (Archiv) Bildrechte: dpa

Hilfsaktionen für Menschen in der Ukraine gibt es derzeit fast in ganz Deutschland. Und die Hilfbereitschaft ist enorm: Sammelstellen sind teilweise bis zur Decke gefüllt. Die Frage ist jetzt, ob die enormen Mengen an Decken, Hosen oder Winterjacken überhaupt benötigt werden.

Leid sorgt für große Hilfsbereitschaft

Nach Angaben der Sprecherin der "Aktion Deutschland Hilft", Birte Steigert, wollen Spender lieber Gegenstände anstatt Geld spenden. "Das ist etwas ganz Tiefes in uns drin, dass wir am liebsten mit anpacken wollen, um dieser Hilflosigkeit gegenüber den vielen schrecklichen Informationen und Bildern Herr zu werden", so Steigert gegenüber dem MDR.

Vor dem Spenden informieren

Sachspenden können laut Steigert aber auch Nachteile haben: "Wir sehen aber auch in der Vergangenheit bei anderen Katastrophen, dass es wenig hilft, wenn Menschen jetzt Altkleider zu irgendwelchen Initiativen oder Hilfsorganisationen karren. Man weiß gar nicht, was alles benötigt wird, man braucht Lagerflächen dafür und das muss eben auch transportiert werden." Um richtig zu spenden, sollten sich alle, die das tun wollen, vorab informieren, ob wirklich Bedarf besteht. Lokale Hilfsaktionen und auch die großen Hilfsorganisationen haben dazu meist aktuelle Listen, von Dingen die benötigt werden.

Sachspenden: Was wird benötigt?

Was derzeit meistens dazugehört: Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel, Arzneimittel, Batterien, aufgeladene Powerbanks, Desinfektionsmittel, Erste-Hilfe-Produkte. Dies sind Sachspenden, die vor allem vor Ort eingesetzt werden können. Kleidung wird auf Grund der großen bereits vorhandenen Menge inzwischen eher gelagert und kommt den Flüchtlingen zu Gute, die in Deutschland oder anderen Nachbarländern Zuflucht gefunden haben bzw. suchen. Von Kleiderspenden wird derzeit von vielen Sammelstellen abgeraten. Die Lager seien voll heißt es. Die Altkleider sollten dennoch aufbewahrt werden und im Bedarfsfall später abgegeben werden.

Geld als Hilfsmittel der Wahl

Was nach Angaben der meisten Hilfsorganisationen in der aktuellen Situation aber am allerwichtigsten ist? Geld. Denn der Bedarf an Sachspenden ändert sich ständig und mit dem Geld können gezielt die Produkte gekauft werden, die wirklich benötigt werden - und zwar vor Ort in der Ukraine, in Grenzgebieten und in den Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen.

Hohe Millionensummen gespendet

Die finanziellen Hilfen aus Deutschland sind enorm. Zwar gibt es noch keinen Überblick über die Gesamthöhe der Spenden der letzten Tage, aber erste Zwischenmeldungen lassen hohe Millionensummen vermuten. Allein das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe meldete mit Stand Donnerstagmorgen (03.03.) etwa 37 Millionen Euro eingegangene Spenden für die Ukraine-Nothilfe. Das Spendenaufkommen sei "absolut überwältigend", teilte Geschäftsführer Dominique Mann mit. Manuela Roßbach, Vorständin der "Aktion Deutschland Hilft", sagte am Donnerstag, bislang seien über elf Millionen Euro gebucht worden. "Das ist schon gewaltig für den kurzen Zeitraum."

Helfer sammeln vor einer Änderungsschneiderei Spenden und Hilfsgüter für die Ukraine
In Deutschland wurden bereits hohe Millionensummen gespendet, um den Menschen in der Ukraine und den Flüchtlingen zu helfen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Geldspende: Vertrauenswürdig oder nicht?

Wie stellt man sicher, dass Geldspenden (oder Sachspenden) auch tatsächlich da ankommen, wo sie gebraucht werden? Das Wichtigste in dem Zusammenhang: Man muss sicherstellen, dass es sich um seriöse Organisationen handelt. Dafür gibt es zum Beispiel eine Liste vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Zudem vergibt das DZI ein Spendensiegel, um einen Überblick in der unübersichtlichen Lage zu ermöglichen. "Trägt eine Organisation ein solches Siegel, kann man davon ausgehen, dass die Spendengelder verantwortungsbewusst behandelt werden", so Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des DZI im SWR.

Vorsicht bei privaten Aufrufen

Private Spendenaufrufe sollten hingegen genau geprüft werden. "Man sollte sich nicht blenden lassen in sozialen Netzwerken, wenn eine Privatperson ganz schlimme Bilder postet und um Spenden bittet. Das heißt noch nichts." Auch hier ist der richtige Weg: "Organisationen aussuchen, prüfen, ob die gemeinnützig sind und am besten ein Spendenzertifikat haben", sagt Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats.

Ukrainische Kinder auf der Flucht
Mitleiderregende Spendenaufrufe von Privatpersonen sollten genau geprüft werden. (Themenbild) Bildrechte: dpa

ARD-Sendung: "WIR HELFEN – Gemeinsam für die Ukraine"

Am Freitag (04.03.) läuft ab 20.15 Uhr im Ersten, in allen Dritten Programmen, in ONE und per Livestream die Sendung "WIR HELFEN - Gemeinsam für die Ukraine" - ganz im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Es geht um Fragen wie "Wie kann ich helfen?" und "Wo und wie wird schon geholfen?". Ingo Zamperoni moderiert aus Köln und spricht mit Helfer:innen und Ukrainer:innen sowie mit Menschen, die einen besonderen Bezug zur Ukraine haben.

(BRISANT/ten/dpa/mdr/swr/br)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. März 2022 | 17:15 Uhr

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