Planbare Mutterschaft? Eizellen für später einfrieren - so funktioniert Social Freezing

Die Gründe, sich für das Einfrieren von Eizellen zu entscheiden, sind vielfältig. Die einen wollen zunächst die Karriere vorantreiben, andere haben einfach noch nicht den richtigen Partner gefunden. Frauen, denen eine Chemotherapie bevorsteht, möchten sicher gehen, auch nach der Behandlung noch schwanger werden zu können. Wie funktioniert das sogenannte Social Freezing - und welche Risiken birgt es?

Frau hebt Kind an Strand bei Sonnenuntergang
Später Kinderwunsch geplant? Social Freezing könnte es möglich machen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Als Social Freezing bezeichnet man die vorsorgliche Gewinnung und das anschließende Einfrieren unbefruchteter Eizellen ohne medizinische Notwendigkeit. Mediziner sprechen bei diesem Verfahren von Kryokonservierung.

Durch Social Freezing können Frauen ihrem altersbedingten Fruchtbarkeitsverlust vorbeugen und sich ihren Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen.

Wie funktioniert Social Freezing?

Bevor einer Frau die Eizellen entnommen werden, ist die Einnahme von Hormonpräparaten nötig. Diese hormonelle Stimulation bewirkt, dass der Körper mehr Eizellen produziert. Diese werden der Patientin anschließend unter Vollnarkose über die Scheide entnommen, durch Zugabe von flüssigem Stickstoff schockgefroren und bei Temperaturen von minus 196 Grad Celsius eingelagert.

Sobald sich die Frau für die Befruchtung der eingelagerten Eizellen entscheidet, werden sie aufgetaut, mit den Spermien des Mannes befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt.

Künstliche Befruchtung einer Eizelle
Später können die gefrorenen Eizellen aufgetaut, künstlich befruchtet und wieder eingesetzt werden. Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Welche Risiken sind mit dem Eingriff verbunden?

Obwohl die medizinischen Risiken der Behandlung für die Frau relativ gering sind, können Komplikationen bei der Hormon-Stimulation oder der Entnahme der Eizellen nicht ausgeschlossen werden. Durch die Hormongaben können Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Schwindelgefühle, Sehstörungen oder - im schlimmsten Fall - ein lebensbedrohliches ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS) ausgelöst werden.

Auch gesundheitliche Schäden des Babys, zum Beispiel Missbildungen infolge des Einfrierens und Wiederauftauens der Eizelle, können bei dieser Methode nicht vollständig ausgeschlossen werden. 

100-prozentige Garantie für einen erfüllten Kinderwunsch?

Eine Garantie dafür, dass durch Social Freezing eine Schwangerschaft tatsächlich gelingt, gibt es nicht. Die Erfolgschancen der Befruchtung konservierter Eizellen sind von verschiedenen Faktoren abhängig: etwa der Dauer ihrer Lagerung, dem Alter der Patientin und dem Alter der Eizelle.

Zudem ist es möglich, dass die Eizellen den Prozess des Schockfrostens nicht überstehen und die Behandlung erfolglos bleibt. Zusätzlich birgt eine Schwangerschaft bei Über-Vierzigjährigen generell Risiken für Mutter und Kind.

In welchem Alter sollten die Eizellen entnommen werden?

Ein ideales Alter, um Eizellen zum Einfrieren entnehmen zu lassen, ist Reproduktionsmedizinern zufolge Anfang 30 bis 35. Denn in dieser Lebensphase sind die Eizellen normalerweise noch gesund. Zudem ist eine Patientin dieser Altersklasse in Sachen Lebensplanung und Kinderwunsch in der Regel gefestigter als jüngere Frauen.

Frau wird operiert
Reproduktionsmediziner empfehlen Patientinnen, die Eizellen zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr entnehmen zu lassen. Bildrechte: IMAGO / Medicimage

Kryokonservierung von Eizellen oder Samen - übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kryokonservierung von Eizellen ist eine Privatleistung und wird von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht unterstützt. Die Kosten liegen - je nach Dauer der Einlagerung der Eizellen - bei insgesamt 2.000 bis 3.000 Euro.

Ausnahmen kann es für Patientinnen geben, die sich einer keimzellschädigenden Therapie unterziehen müssen. Je nach Krankenkasse wird dann zumindest ein Teil der entstehenden Kosten übernommen, damit sich die Versicherte später ihren Kinderwunsch erfüllen kann.

Kryokonservierung auch für Spermien möglich

Das Verfahren der Kryokonservierung gibt es nicht nur für Eizellen. Auch männlicher Samen kann bei Bedarf schockgefrostet und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgetaut werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. April 2022 | 17:15 Uhr

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