Sommerzeit | Winterzeit Sollte die Zeitumstellung nicht abgeschafft werden?

Am 31. Oktober wird schon wieder auf Winterzeit umgestellt. Doch eigentlich sollte Ende 2021 Schluss mit dem Hin und Her sein. Das hatte das EU-Parlament beschlossen - doch passiert ist nichts.

Wecker mit Herbstlaub, Umstellung von Sommer- auf Winterzeit
Schon wieder wird die Uhr auf Winterzeit zurückgestellt, obwohl damit Schluss sein sollte. Bildrechte: imago/Christian Ohde

In kaum einem anderen Land wird so viel über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung gestritten wie in Deutschland. Und eigentlich sollte damit noch in diesem Jahr Schluss sein - das hatte das EU-Parlament schon 2019 beschlossen. Passiert ist bislang wenig.

Dabei hatten 2018 in einer EU-weiten Umfrage 84 Prozent der Teilnehmer FÜR eine Abschaffung der Zeitumstellung gevotet. Auch wenn sich nur knapp ein Prozent der EU-Bürger beteiligt hatten. Deutschland befürwortet die Sommerzeit als Dauerlösung. Unsere "Normalzeit" ist übrigens die Winterzeit.

Droht Europa ein Zeiten-Wirrwarr?

Doch die EU-Staaten können selbst entscheiden, ob sie in der Sommer- oder Winterzeit leben möchten und können sich darüber offenbar nicht einig werden. Denn die EU ist ein riesiges Gebilde mit einer Kernzeitzone, die von Polen bis Spanien reicht. Je weiter nach Osten, desto weiter vorangeschritten ist der Tag. Denn wie wir wissen, geht im Osten die Sonne auf.

Herrscht Normalzeit (unsere Winterzeit), so beginnt in Polen im Juli bereits gegen 3 Uhr nachts der Tag, während in Spanien noch dunkle Nacht herrscht. Kein Wunder, dass Polen die dauerhafte Sommerzeit anstrebt. Wer möchte schon um 3 Uhr morgens von Sonnenstrahlen geweckt werden?

Im EU-Binnenmarkt gäbe es ein heilloses Durcheinander, sollten nicht alle Länder an einem Strang ziehen. Liefertermine und Öffnungszeiten würden voneinander abweichen und man bräuchte für jedes Land eine Zeitzonentabelle!

Zwei Uhren mit Schneeflocken und Sonnenstrahlen
Seit 40 Jahren Winterzeit und Sommerzeit im Wechsel. Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Störung der inneren Uhr

Laut einer repräsentativen Umfrage der DAK-Gesundheit im Jahr 2019 haben 29 Prozent der Deutschen Beschwerden beim Wechsel zur Winterzeit: Schlafstörungen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit über Wochen hinweg. Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, empfinden die Zeitumstellung als besonders belastend.

Chronobiologen, die unseren Biorhythmus erforschen, befürworten die "Normalzeit", also Winterzeit. Die Mediziner warnen vor einer permanenten Sommerzeit, die eine "künstliche" Zeit sei. Sie nähme das Licht am Morgen weg, was die Arbeitsleistung negativ beeinflusse, und belaste den Körper abends mit einer zusätzlichen Stunde Licht, wenn man schon längst schlafen möchte.

Schlaflosigkeit: Frau gähnt nachts halb drei
Schlägt die permanente Zeitumstellung aufs Gemüt? Bildrechte: IMAGO

Warum drehen wir an der Uhr?

1980 wurde in Deutschland die Sommerzeit eingeführt. Grund war unter anderem die vorangegangene Ölkrise. Um Energie zu sparen, sollte abends die Sonne eine Stunde länger scheinen und die Lampen erst später eingeschaltet werden. Laut Bundesumweltamt steigt aber der Energieverbrauch, weil in den kalten Monaten (März, April und Oktober) morgens mehr geheizt wird.

In der Nacht zum 31. Oktober drehen wir unsere Uhren also wieder eine Stunde zurück, auf unsere "normale" Zeit. Bedeutet: eine Stunde mehr Schlaf am Sonntagmorgen, dafür aber eine Stunde weniger Tageslicht am Abend.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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