Der Osten - Entdecke wo du lebst Der Koloss vom Thüringer Meer - die Bleilochtalsperre

Im Dezember 1932 wird an der Saale in Thüringen, nahe der Stadt Schleiz ein riesiger Koloss seiner Bestimmung übergeben. 65 Meter ist sie hoch, 210 Meter breit - die Bleilochtalsperre. Der Film von Michael Erler zeichnet die Geschichte eines Bauwerkes nach, dass vor knapp 90 Jahren in Betrieb genommen wurde.

Die Bleilochtalsperre
Bildrechte: Karsten Möbius

Es war ein Hochwasser, wie es Mitteleuropa seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte. Am 24. November 1890 wälzt sich eine gigantische Wasserwelle das Saaletal hinunter. Nichts und niemand kann die Flutwelle stoppen. Menschen und Tiere, Häuser und Betriebe reißt das Wasser einfach hinweg. Familien und Unternehmen werden vernichtet, gigantische materielle Werte zerstört. Als das Land Thüringen mit dem Bau der Bleilochtalsperre bei Saalburg beginnt, bekommt die Saale mit ihrer unberechenbaren Kraft, Zügel angelegt. Katastrophale Überschwemmungen gehörten von nun der Vergangenheit an.

Baubeginn

1925 beginnen die ersten Vorarbeiten. Eine Eisenbahnlinie wird verlegt, die Saale durch den Fels umgeleitet. Fünf Jahre später startet die Konstruktion der großen Betonmauer- ein Mammutprojekt.

Also ich hab allergrößte Hochachtung und größten Respekt vor den Menschen, die damals, hier vor 85 Jahren diese Talsperre gebaut haben. Man hat mit Dampfbaggern, mit Kleinbahnen, mit sehr viel Holzgerüstbau gearbeitet und hat dennoch innerhalb weniger Jahre die damals größte Staumauer in Deutschland gebaut.

Thomas Beyer, Betriebsleiter der Vattenfall-Wasserkraftwerke in Thüringen
Die Baustelle der Bleilochtalsperre.
Mitten im Bau: Die Bleilochtalsperre als Skelett mit acht Stützpfeilern Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Dafür verändert eine ganze Landschaft ihr Gesicht. Zwischen 1925 und 1932 verschwinden zahlreiche Dörfer, Mühlen und Fabriken. Viele Menschen verlieren ihre Heimat und werden umgesiedelt. Stattdessen entsteht auf 28 Kilometern Länge ein "Thüringer Meer"mit Badeorten, Stränden, Zeltplätzen, Schifffahrt und Feriendörfern.

Die Bleilochtalsperre: damals und heute

Die Staumauer von der vom Wasser abgewandten Seite. Herbstliche Bäume sind zu sehen.
Im Dezember 1932 wird an der Saale in Thüringen, nahe der Stadt Schleiz ein riesiger Koloss seiner Bestimmung übergeben. 65 Meter hoch, 210 Meter breit - die Bleilochtalsperre. Eine gigantische Wand aus Beton, von 20. 000 Arbeitern in sieben Jahren Bauzeit errichtet. Hinter der Mauer: der mit 215 Millionen Kubikmeter Wasser gefüllte Stausee- das "Thüringer Meer". Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Die Staumauer von der vom Wasser abgewandten Seite. Herbstliche Bäume sind zu sehen.
Im Dezember 1932 wird an der Saale in Thüringen, nahe der Stadt Schleiz ein riesiger Koloss seiner Bestimmung übergeben. 65 Meter hoch, 210 Meter breit - die Bleilochtalsperre. Eine gigantische Wand aus Beton, von 20. 000 Arbeitern in sieben Jahren Bauzeit errichtet. Hinter der Mauer: der mit 215 Millionen Kubikmeter Wasser gefüllte Stausee- das "Thüringer Meer". Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Menschen stehen auf einem Schuttberg. Daneben sind eingefallene Häuser zusehen.
Am 24. November 1890 wälzte sich eine gigantische Wasserwelle das Saaletal hinunter und reißt Menschen, Tiere, Häuser und Betriebe mit sich. Ganze Dörfer werden zerstört und überflutet. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Die Baustelle der Bleilochtalsperre.
1926 war offizieller Baubeginn. Acht Betonpfeiler tragen da, wo später die Staumauer steht, eine hölzerne Betonier-Brücke. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Die Talsperre im Bau.
180.000 Kubikmeter Beton sind in der 65 Meter hohen und gut 210 Meter breiten, leicht gekrümmten Mauer verbaut. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Die neu erbaute Talsperre mit der Staumauer.
1932 wir die Bleilochtalsperre in Betrieb genommen. Das Staubecken wird langsam geflutet. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Arbeiter mit gelbem Helm seht vor einer Betonwand.
"Ich hab allergrößte Hochachtung und größten Respekt vor den Menschen, die damals, hier vor 85 Jahren diese Talsperre gebaut haben..." ,meint Thomas Beyer, Betriebsleiter der Vattenfall-Wasserkraftwerke in Thüringen Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Schiff fährt nah am Ufer entlang. Dort stehen herbstliche Bäume.
Friedlich schippert sie auf dem "Thüringer Meer": Die MS Bad Lobenstein. Europas kleinstes Kreuzfahrtschiff, bietet zehn Urlaubern in fünf Kabinen Platz. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Mann steht am Steuerrad des Schiffes.
Und Kapitän Klaus-Peter Pretsch weiß jede Menge über Land und Leute zu berichten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Schiff auf dem Wasser. Im Hintergrund ist die Staumauer zu erkennen.
Zu Beginn einer jeden "Kreuzfahrt" steht der Besuch der Staumauer an. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Mann und eine Frau sitzen auf Campingstühlen.
Doch auch am Ufer des Bleilochsees gibt es Interessantes zu erzählen: Martina und Hans-Jürgen Wegerich lernen sich... Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Zelte stehen auf einer Wiese. Im Hintergrund stehen Tannen.
...als Kinder beim Zelturlaub am Bleilochsee kennen, verlieben sich ineinander und verlieren sich doch aus den Augen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Hochzeitspaar am Ufer der Talsperre.
Jahrzehnte später treffen sie sich an der Talsperre wieder. Sie verlieben sich erneut, heiraten und feiern hier sogar ihre Hochzeit. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Fahrgastschiff auf dem Wasser.
Und so gibt es noch viele andere Geschichten rund um den Stausee zu erzählen... Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Gaststätte von innen mit Tischen und Stühlen.
..wie z.B. die Geschichte der Saalburger Marmorwerke, deren Produkte sogar den Palast der Republik zierten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Ein Denkmalschild an der Mauer der Talsperre.
2016 wird die Bleilochtalsperre zum "Wahrzeichen der Ingenieurskunst" ernannt – das erste Wahrzeichen dieser Art in Thüringen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
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Die neu erbaute Talsperre mit der Staumauer.
Die neu erbaute Talsperre mit der Staumauer. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Keine Hochzeit ohne Talsperre

Der Film rekonstruiert Planung und Bau des größten Stausees Deutschlands. Und er erzählt von Menschen, die an der Bleilochtalsperre zu Hause sind oder die es einfach immer wieder her zieht, wie Martina und Hans-Jürgen Wegerich aus Berlin. Beide lernen sich als Kinder beim Zelturlaub kennen, verlieben sich ineinander. Und doch verlieren sie sich aus den Augen. Erst Jahrzehnte später treffen sie sich an der Talsperre wieder. Sie verlieben sich erneut, heiraten und feiern hier sogar ihre Hochzeit.

Ein Hochzeitspaar am Ufer der Talsperre.
Im Sommer 2014 heiraten Martina und Hans-Jürgen Wegerich und gefeiert wird natürlich am Bleilochstausee Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Saalburger Marmor

Auch das alte Marmorwerk verschwindet für immer im Wasser des Stausees. Gleichzeitig wird ein neues Werk gebaut, auf einem Hügel nahe der Stadt Saalburg. Zu DDR-Zeiten sind hier über vierhundert Menschen beschäftigt. Marmorplatten aus Saalburg schmücken noch heute Fußböden und Wände von Palästen, Theatern, Kirchen, Opernhäusern oder Schlössern. Auch der Palast der Republik wird damals beliefert.

Im Palast der Republik gab es ja kaum eine Marmorplatte, die nicht in Saalburg gefertigt wurde. Den haben wir von A bis Z betreut.

Hartmut Weber, Ehemaliger Mitarbeiter der Saalburger Marmorwerke
Eine Gaststätte von innen mit Tischen und Stühlen.
Saalburger Marmor im Palast der Republik Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Die großen Zeiten der Werke sind vorüber. Zwar wird noch immer Marmor gekauft, aber die Konkurrenz aus Asien dominiert längst den Markt. Das Saalburger Marmorwerk wird nach 1990 privatisiert und hat sich heute auf Einzelanfertigungen und hochwertige Nischenprodukte spezialisiert.

Kreuzfahrt auf dem "Thüringer Meer"

Der Bleilochsee ist auch ein Eldorado für Wassersportler, Segler und Ausflugsschiffe. Europas kleinstes Kreuzfahrtschiff, die "MS Bad Lobenstein"– mit fünf Kabinen für zehn Urlauber –  fährt hier auf dem "Thüringer Meer". Annette und Klaus-Peter Pretsch sind Schiffseigner, Kapitän, Besatzung und Entertainer in Personalunion. So ungewöhnlich die kleine Kreuzfahrt ist, so gut kommt sie doch bei den Passagieren an. Und das spricht sich rum. Klaus-Pretsch weiß zu berichten:

"Ich hab ja heute noch das Phänomen, wenn die Gäste nach Hause fahren und erzählen ihren Freunden und Verwandten, wo sie eine Kreuzfahrt gemacht haben - durch den Thüringer Wald - da lachen die immer erst einmal: das geht ja gar nicht. Dann erzählen sie und weil sie meistens noch Fotos dabei haben, Bilder dieser Region, sagen sie dann: Mensch, das müssen wir vielleicht auch mal machen."

Ein Schiff fährt nah am Ufer entlang. Dort stehen herbstliche Bäume.
Die "MS Bad Lobenstein" bei ihrer Kreuzfahrt durch den Bleilochstausee Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Prämiert

Wie damals zu ihrer Entstehungszeit dient die Talsperre heute zum Schutz gegen Hochwasser, liefert Energie, reguliert den Abfluss der Saale und ist zusammen mit den später entstandenen Talsperren der Saalekaskade ein einzigartiger Dreh - und Angelpunkt dieser Seenlandschaft. 2016 wird die Bleilochtalsperre sogar zum "Wahrzeichen der Ingenieurskunst" ernannt – das erste in Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 17. Mai 2022 | 21:00 Uhr