Der Osten - Entdecke, wo du lebst | MDR-Fernsehen | 11.01.2022 | 21:00 Uhr Das Hotel Elephant in Weimar

Ein Film von Galina Breitkreuz

Fast ein Jahr dauert die Renovierung des legendären Hotels Elephant in Weimar. Im Oktober 2018 ist es dann so weit: das Haus mit seiner über 300-jährigen Historie erstrahlt im neuen Glanz.

Das Hotel Elephant in Weimar 45 min
Das Hotel Elephant in Weimar Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
45 min

Es ist eine der ganz großen Institutionen in Weimar: Das Hotel Elephant. In den 300 Jahren seines Bestehens logierten hier sämtliche Größen der jeweiligen Zeit und schrieben hier teilweise selbst Geschichte.

Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 11.01.2022 21:00Uhr 44:30 min

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Ob zu Goethes Zeiten oder in den Gründungstagen der Deutschen Republik, während der Diktatur der Nationalsozialisten oder in der DDR – wer nach Weimar kommt und bleibt, steigt im Hotel Elephant ab. Hier feiert Friedrich Schiller mit seinen Schauspielern, hier logiert Richard Wagner und Leo Tolstoi und hier setzt Thomas Mann in seinem berühmten Roman "Lotte in Weimar" dem Hotel ein literarisches Denkmal. 1974 wird es zum Originalschauplatz des gleichnamigen DEFA Films. In der Hauptrolle - Hollywoodstar Lilli Palmer.

Ute Freudenberg im Hotel Elephant
Ute Freudenberg im Hotel Elephant Bildrechte: MDR/Jean Schablin

Kein Zufall auch, dass die Weimarer Sängerin Ute Freudenberg ihre Band "Elefant" nach dem Ort benennt, an dem sie bereits als Studentin viele Abende verbringt. Nach der Wende geben sich Prominente wie Sir Peter Ustinov oder Armin Mueller-Stahl die Ehre. Udo Lindenberg wird gar zum Namensgeber einer Suite, die er über längere Zeit im Europäischen Kulturstadtjahr 1999 bewohnt.

Besuch vom Kanzler

Günther Mras, Barkeeper Hotel Elephant
Günther Mras, Barkeeper Hotel Elephant Bildrechte: MDR/Johann Schmejkal

Doch schon vor dem Mauerfall kommt politische Prominenz nach Weimar. So unternimmt Helmut Kohl 1988 eine Privatreise durch die DDR, gemeinsam mit Frau und Söhnen. Abgesehen vom Ministerium für Staatssicherheit weiß kaum jemand, dass er Weimar besucht und im Hotel Elephant übernachten wird. Zeitzeuge von damals ist der Mitarbeiter des Hotels, Günther Mras. Viele Stars lernt er im Laufe seiner mehr als 40-jährigen Arbeit im Hotel kennen, die Begegnung mit Helmut Kohl bleibt aber unvergessen.

Ich habe Helmut Kohl mit Frau und Söhnen im Restaurant bedient. Und das war schon beeindruckend, wenn man so jemanden vor sich hat. Ja, Helmut Kohl war natürlich schon persönlich eine Erscheinung, kam durch die Tür, war groß, kräftig, sehr selbstbewusst.

Günther Mras, Barkeeper

Heute gehört das Hotel Elephant zu den ersten Adressen Thüringens. Doch kaum eine luxuriöse Herberge hat so viel Geschichte aufzuweisen wie dieser Ort. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird der "Elephant" 1696. Der damalige Herzog gestattet dem Wirt Christian Andreas Barittig einen Gasthof zu eröffnen -  zusätzlich zu dem, den er bereits besitzt: den Schwarzen Bären in unmittelbarer Nachbarschaft.

"Das Vorzimmer zu Weimars lebender Walhalla"

Hotel Elepahnt in Weimar
Blick in die Lobby Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Besitzer nach Barittig führen das Haus mit wechselndem Erfolg. 1766 erfolgt die Versteigerung des Unternehmens, zu dem zu der Zeit schon 14 Stuben, 14 Kammern, drei Bierkeller, ein großer Weinkeller und Stallungen für mehr als 100 Pferde gehören. Für neuen Schwung sorgt dann die Entourage von Goethe. Der kommt 1775 auf Einladung von Herzog Carl August in die Residenz an der Ilm und wohnt bis zu seinem Tod fast 50 Jahre gleich um die Ecke am Frauenplan. Seine Künstlerfreunde beziehen oft im "Elephanten" Quartier – auch die, die dem Dichterfürsten ihre Aufwartung machen wollten. So wie der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer, der sich 1826 einmietet.

Während der sogenannten Weimarer Klassik hatte der Elephant schon wirklich einen Namen. Alle, die hierher kamen um Goethe und um Schiller zu besuchen, sind hier abgestiegen. Grillparzer hat später mal gesagt: ‚Der Elephant ist das Vorzimmer zu Weimars lebender Walhalla.'

Andrea Dietrich, Kunsthistorikerin

Doch auch finstere Jahre muss das Haus erdulden. Im Juli 1926 trägt sich Adolf Hitler erstmals ins Gästebuch des "Elephanten" ein. Als Schriftsteller. Tatsächlich hat er da schon den ersten Teil von "Mein Kampf" verfasst. Weimar wird zur "Probebühne" für seine Auftritte auf dem Weg von München nach Berlin und bleibt auch nach seinem Machtantritt eine seiner Lieblingsstädte. So sieht sich die Gauleitung veranlasst, das alte Gasthaus 1937 abzureißen, um "das modernste Hotel Europas“ zu errichten. Rund 35 Mal logiert Hitler im ersten Haus am Platze, das dann auch als Parteizentrale dient. Wie so viele Weimarer ist auch der Hoteldirektor des "Elephant" glühender Nationalsozialist. Persönlich sorgt er dafür, dass dem Vegetarier Hitler die "Weimarer Brotsuppe" serviert wird. Jüdischen Gästen hingegen wird der Zugang verwehrt.

Geschichte als Markenzeichen

Die Geschichte ist das Markenzeichen des "Elephant". Und so ist es heute umso mehr eine Herausforderung, sich dieser Geschichte zu stellen. Das weiß auch Hoteldirektor Andreas Kartschoke, der das Haus bis 2020 leitete: "Jeder weiß auch, was hier zum Teil für ein Unheil geplant wurde und jeder weiß auch, dass ein paar Kilometer entfernt dieses unsägliche Konzentrationslager Buchenwald war. Und genau deshalb müssen wir und wollen wir auch mit diesem Hotel Elephant einen Kontrapunkt setzen."

"Der Osten – Entdecke wo du lebst" erzählt in dieser Folge Geschichte und Gegenwart des legendären Hotels und gewährt einen exklusiven Blick hinter seine Kulissen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 11. Januar 2021 | 21:00 Uhr