Der Osten - Entdecke wo du lebst Der Kohnstein - Ein deutscher Schicksalsberg

Von den Einheimischen der "Königstuhl bei Nordhausen" genannt, ist er ein markanter Fixpunkt: Der Kohnstein. Die Nazis hatten hier eine unterirdische Raketenfabrik. KZ-Häftlinge mussten V2-Raketen bauen: 20.000 starben im Schatten des Berges auf dem Gelände des KZ Dora. Der Film ist beim MDR und zuvor schon in der Mediathek zu sehen.

Bagger im Wasserloch im Anhydritbruch von Ellrich-Katzhütte.
Bagger im Wasserloch im Anhydritbruch von Ellrich-Katzhütte. Bildrechte: Mia Media

Der Kohnstein ist ein schneeweißer über 300 Meter hoher Berg aus Anhydrit, dem Grundstoff für Gips. Er zieht sich etliche Kilometer von Nordhausen über Ellrich fast bis in den Weltkulturerbe-Ort Walkenried im Südharz. Natur und Geschichte liefern hier spannende Geschichten, die nun ein Film erzählt.

Azurblauer Wasserspeicher

Von den Einheimischen der "Königstuhl bei Nordhausen" genannt, ist er ein markanter Fixpunkt. Die Gipsberge bieten verwunschene Höhlen mit azurblauen Seenaugen, Spalten und Quellen. Atemberaubend fallen die Blicke der Wanderer in den Nordharz aus. Geheimnisvolle Einsturztrichter prägen die Landschaft, als hätte sich Gott einen Golfplatz erschaffen. Und mit dem Salzaspring speist der Kohnstein, der auch ein gigantischer Wasserspeicher ist, die größte Quelle in Thüringen.

Erbitterter Kampf um Gipsabbau

Doch es wird auch erbittert um den Kohnstein und die anderen Gipsberge im Südharz gestritten. Bergleute sehen im Gips-Abbau noch auf Jahrzehnte eine Job-Perspektive. Naturschützer dagegen fordern einen Ausstieg aus der Naturgips-Förderung.

Der 300 Meter hohe Kohnstein mit dem Anhydritbruch von Ellrich-Katzhütte.
Der 300 Meter hohe Kohnstein mit dem Anhydritbruch von Ellrich-Katzhütte. Bildrechte: Mia Media

Raketenfabrik für die "V2"

Und nicht nur durch den Anhydrit-Bruch an seiner Nordseite wurde der Kohnstein geschändet: Auch die Nazis besudelten ihn, als sie eine unterirdische Raketenfabrik für ihre "Wunderwaffen" in den weißen Berg trieben. KZ-Häftlinge mussten V2-Raketen bauen: 20 000 starben im Schatten des Berges auf dem Gelände des KZ Dora.

Aber: Der Berg wurde damit auch zu einer Wiege der Raumfahrt. Und Touristen erkunden auf dem Karstwanderweg die Naturphänomene im wasserlöslichen Gips. Eine tausendjährige Eiche hat tief im Karst Wurzeln geschlagen, Laug-Höhlen voller schlafender Fledermäuse locken. Ein weithin unbekanntes Naturparadies.

Die Wandergruppe (v.l.n.r.) mit Hans-Jürgen Grönke vom Nordhäuser Geschichtsverein sowie Elke Blanke und Tobias Strietzel vom BUND. Die drei stehen vor der Kelle, einer Grotte im Gipskarst. Einst war die Kelle eine Höhle, doch die Decke stürzte vor Jahrhunderten ein.
Die Wandergruppe (v.l.n.r.) mit Hans-Jürgen Grönke vom Nordhäuser Geschichtsverein sowie Elke Blanke und Tobias Strietzel vom BUND. Die drei stehen vor der Kelle, einer Grotte im Gipskarst. Einst war die Kelle eine Höhle, doch die Decke stürzte vor Jahrhunderten ein. Bildrechte: Mia Media

Die Doku reiht Geheimtipp an Geheimtipp und führt zu Menschen, die vom und für den Kohnstein leben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 05. Juli 2022 | 21:00 Uhr