Peter Krumbiegel im Porträt "Wir Choristen fühlten uns wie in einer Oase"

Peter Krumbiegel wuchs im sächsischen Vogtland in Treuen auf. Als er nach Leipzig umzog, um ein Studium aufzunehmen, stand ihm nur das Fach Pädagogik offen. Lehrer wurden händeringend gesucht, der Zugang zu seinem angestrebten Chemiestudium hingegen war begrenzt. Selbst beste Noten konnten einen Makel bei der Bitte um Zulassung nicht wettmachen: Er stammte aus einem sogenannten "kapitalistischen Haushalt", da sein Vater eine kleine Färberei betrieb. Bevorzugt aufgenommen wurden z.B. Arbeiterkinder oder in der SED engagierte Studienaspiranten. Dass er nach zweijährigem Pädagogikstudium doch noch ins Fach Chemie wechseln konnte, war einem geschickten Schachzug zu danken. Er fand eine Tauschpartnerin, die aus dem Diplomstudiengang Chemie zur Pädagogik wechseln wollte.

Der Universitätschor als Oase im sozialistischen Lehrbetrieb

Peter Krumbiegel teilt die Liebe seines Sohnes Sebastian zur Musik. In seiner Freizeit sang er im Universitätschor mit. Dieser nahm eine gewisse Sonderstellung im Universitätsleben ein. Einerseits galt er als studentische Gemeinschaft mit eigener FDJ-Gruppenleitung. Andererseits verband die Chormitglieder eine "politisch kritische, wenn nicht sogar ausgesprochen distanzierte Position zum real existierenden Sozialismus der DDR", wie Krumbiegel in seinen Erinnerungen schreibt (Krumbiegel/Prokop: Jauchzet, frohlocket: Du musst kein Schwein sein. Kassel 2004). Das war nicht unproblematisch. Krumbiegel erinnert sich an Hetzjagden und Tribunale von SED und FDJ gegen unliebsame Kommilitonen und Hochschullehrer, die in dieser Zeit an der Uni stattfanden.

Der Chor sang insbesondere Sakralmusik, was im kirchenfeindlichen, SED-dominierten Universitätsleben der 1950er- und 60er-Jahre nicht leicht durchzuhalten war. Peter Krumbiegel meinte im Rückblick: "Der Universitätschor war eine Art geschütztes Gebiet, und wir Choristen fühlten uns darin wie in einer Oase." Dem Universitätschor blieb er auch nach Abschluss seines Studiums und einer Anstellung an einem Institut der "Akademie der Wissenschaften" in Leipzig treu.

Die Sprengung der Universitätskirche 1968

Der Chor hatte eine traditionell enge Bindung zur Universitätskirche St. Pauli, in der er auch die Universitätsgottesdienste musikalisch gestaltete. Als die "Paulinerkirche" 1968 auf Anweisung des Politbüros der SED und mit Zustimmung von Stadt und Universität gesprengt werden sollte, gab es heftige Proteste in der Bevölkerung. Auch Peter Krumbiegel war gegen die Sprengung und äußerte dies in deutlichen Worten gegenüber seinem "linientreuen" Institutsdirektor. Ein halbes Jahr nach der Sprengung verlor er überraschend seine Festanstellung an der Akademie der Wissenschaften und wurde in einen Produktionsbetrieb versetzt. Die Begründung seiner Vorgesetzten: Der Stellenplan der Akademie sei überzogen worden. Erst nach der Wende erfuhr Krumbiegel den wahren Grund für das zeitweilige Aus seiner Wissenschaftskarriere. Sein Protest gegen die Sprengung hatte ihn politisch unzuverlässig gemacht. Erst zehn Jahre später durfte er wieder zurück an die Akademie der Wissenschaften, in der er bis zu ihrer Auflösung 1991 beschäftigt blieb.