#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 5. Oktober

2017: #MeToo-Kampagne beginnt

Am 5. Oktober 2017 berichtet die "New York Times” in einer Enthüllungsgeschichte über Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Zehn Tage später ruft die Schauspielerin Alyssa Milano Internetnutzerinnen dazu auf, sich unter dem Hashtag #MeToo als Opfer sexueller Gewalt zu erkennen zu geben. Weltweit werden zahlreiche Fälle von Belästigung bis hin zur Vergewaltigung publik gemacht und Prominente öffentlich angeprangert. 

Auch in Deutschland werden Fälle des Machtmissbrauchs bekannt: der ehemalige "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt und Volksbühnen-Intendant Klaus Dörr, dem Machtmissbrauch am Theater vorgeworfen wird, geraten ins Blickfeld. In Folge der Bewegung werden in einigen Ländern Gesetze gegen sexuelle Gewalt verschärft. Zahlreiche Unternehmen führen zudem neue Mechanismen ein, um sexuelles Fehlverhalten zu verhindern und Vorwürfe umfassend aufzuklären

Teilnehmer demonstrieren gegen sexuelle Übergriffe und Belästigungen beim #MeToo-Marsch im Hollywood-Viertel von Los Angeles.
#Metoo-Demonstration 2017 in Los Angeles Bildrechte: dpa

2016: Insolvenzverschleppung Unister

Am 5. Oktober 2016 wird bekannt, dass der Leipziger Internet-Konzern Unister offenbar schon ein Jahr vor Anmeldung der Insolvenz pleite gewesen ist. Dies geht aus einem Gutachten des Insolvenzverwalters Lucas Flöther hervor. Dem Unister-Geschäftsführer Thomas Wagner wird Insolvenzverschleppung vorgeworfen. Allerdings ist Wagner im Juli 2016 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Erst nach seinem Tod meldet Unister Insolvenz an. Im Dezember 2021 werden 16 ehemalige Geschäftsführer zu Geldstrafen zwischen 7.200 und 100.000 Euro verurteilt.

Wagner hat den Konzern seit 2002 mit zahlreichen Geschäftsfeldern aufgebaut. Dazu gehören Reise-Vermittlungen, eine Immobilien-Agentur und eine Plattform für Partnersuche.

Schild von Unister Travel
Logo Unister Bildrechte: IMAGO / Christian Grube

2007: Walter Kempowski stirbt

Am 5. Oktober 2007 stirbt der deutsche Schriftsteller Walter Kempowski im Alter von 78 Jahren. Bekannt wird er vor allem durch seine stark autobiografisch geprägten Romane der "Deutschen Chronik". In seinen Werken verarbeitet er seine eigenen Erlebnisse von der Zeit im Dritten Reich bis hin zur Verurteilung und Inhaftierung wegen Spionage durch die sowjetischen Besatzer im Nachkriegsdeutschland. Kempowski sitzt acht Jahre lang im DDR-Zuchthaus in Bautzen ein, bevor er Mitte der 50er-Jahre in die Bundesrepublik entlassen wird, als Lehrer in Niedersachsen arbeitet und sich schließlich ganz dem Schreiben widmet. 

Walter Kempowski
Walter Kempowski Bildrechte: imago/teutopress

1983: Honecker verkündet Abbau der Selbstschussanlagen

Am 5. Oktober 1983 verkündet SED-Generalsekretär Erich Honecker in einem Interview mit österreichischen Journalisten den vollständigen Abbau der Selbstschussanlagen in der DDR. Bei der SM 70 (SM steht für Splittermine, die 70 für das Einführungsjahr 1970) handelte es sich um eine Streumine, die durch das Berühren eines Drahtes gezündet wird. Etwa 54.000 dieser Anlagen werden entlang der innerdeutschen Grenze aufgebaut. Nach Schätzungen kommen 33 Menschen durch die Minen ums Leben, 253 werden verletzt. Am 30. November 1984 baut die DDR die letzte Selbstschussanlage ab. 

Der Abbau soll eine Bedingung gewesen sein, damit die in finanzielle Not geratene DDR einen Milliardenkredit der Bundesrepublik erhält. Zudem tritt im Dezember 1983 eine UN-Konvention in Kraft, die die Anwendung von Minen gegen die Zivilbevölkerung unter allen Umständen verbietet. 

Erich Ernst Paul Honecker 1 min
Bildrechte: DFF
1 min

Honecker zum Abbau Selbstschussanlagen

Do 29.09.2022 17:30Uhr 00:41 min

https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/video-659800.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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1964: Massenflucht durch Berliner Tunnel

Am 5 Oktober 1964 gelingt 57 Männern, Frauen und Kindern eine spektakuläre Flucht durch einen Tunnel unter der Berliner Mauer. Ost- und West-Berliner hatten den 140 Meter langen Tunnel nach Ostberlin gemeinsam gegraben. Ein halbes Jahr bauen sie an dem Fluchtweg 12 Meter unter der Erde. Doch der Tunnel an der Bernauer Straße wird entdeckt. Beim Versuch, die Flüchtenden aufzuhalten, stirbt der DDR-Grenzer Egon Schultz versehentlich durch Schüsse der eigenen Kameraden.

1962: Erste Beatles-Single erscheint

Am 5. Oktober 1962 veröffentlichen die Beatles ihre erste Single "Love Me Do". Das Stück erreicht zwar Platz 17 der Charts, verschafft der Band aber noch keine große Aufmerksamkeit. Dafür setzte der Song einen anderen Maßstab: Zu jener Zeit ist es unüblich, dass große Musikgruppen ihre Lieder selbst schreiben. Mit dem Stück aus der Feder von John Lennon und Paul McCartney ändert sich das.  

Noch zwei Jahre zuvor ist die Band in Hamburger Nachtlokalen aufgetreten. Am 17. August 1960 gibt die Gruppe im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli ihr erstes Konzert unter dem Namen "The Beatles". Ende November werden sie wegen fehlender Arbeitsgenehmigungen aus Deutschland ausgewiesen. In zehn Jahren Bandbestehen veröffentlichen die Beatles 28 Singles und 13 Langspielplatten, die jeweils eine Millionenauflage erreichen. 

The Beatles - v.l.n.r. Sänger Paul McCartney, Sänger John Lennon, Schlagzeuger Ringo Starr, Gitarrist George Harrison
The Beatles - v.l.n.r. Sänger Paul McCartney, Sänger John Lennon, Schlagzeuger Ringo Starr, Gitarrist George Harrison Bildrechte: imago/UPI Photo

1956: Erste Telefonseelsorge in der Bundesrepublik

Am 5. Oktober 1956 nehmen die ersten Telefonseelsorger Deutschlands in West-Berlin ihre Arbeit auf. In der DDR werden ab 1983 staatliche "Telefone des Vertrauens" und ab 1986 kirchliche "Telefonseelsorgen" eingerichtet, bis zur Wende aber zunächst nur in Ost-Berlin, Leipzig und Dresden. Vorbild der Telefonseelsorger Berlin ist der britische Pfarrer Chad Varah, den die hohe Selbstmordrate in London alarmiert hatte.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 19. August 2022 | 17:00 Uhr