Zweiter Weltkrieg Reinhard Heydrich: Der gefürchtete "Schlächter von Prag"

Lidice-Massaker Monument
Nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich wurde das tschechische Dorf Lidice aus Rache dem Erdboden gleichgemacht und seine Einwohner teils umgebracht, teils ins KZ gesperrt. An die kleinesten Opfer dieses Massakers erinnert dieses Denkmal. Bildrechte: dpa

Nichts an der Herkunft Reinhard Heydrichs ließ darauf schließen, dass aus ihm einer der gefürchtetsten und radikalsten Gefolgsmänner Hitlers werden würde. Reinhard Tristan Eugen Heydrich, wie er mit vollem Namen hieß, kam als zweites von drei Kindern am 7. März 1904 in Halle an der Saale auf die Welt. Sein Vater war ein vielseitiger Musiker, Opernsänger und Komponist, der 1899 das Erste Hallische Konservatorium für Musik, Theater und Lehrberuf gegründet hatte. Auch Reinhard spielte ausgezeichnet Violine und besuchte neben dem Gymnasium die Konservatoriumsklassen für Klavier, Cello und Komposition.

Gerüchte um jüdische Herkunft – trotz "arischer" Optik

Groß gewachsen und blond, entsprach Heydrich geradezu idealtypisch nationalsozialistischen Rassen-Vorstellungen. Außerdem war Heydrich ein ehrgeiziger Leistungssportler. Als Flugzeugführer mit einer hohen Anzahl von "Feindflügen" wurde er mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnet. Auf der anderen Seite sprach er mit auffallend dünner, hoher Stimme und kämpfte gegen Minderwertigkeitskomplexe und Selbsthass an. Diese wurzelten nicht nur im Abbruch seiner Offizierskarriere (eine Frauen-Affäre beendete seine Karriereer bei der Reichsmarine), sondern auch in fortdauernden Gerüchten um jüdische Vorfahren. Bis 1940 sah er sich wiederholt zu Prozessen wegen angeblicher rassischer Verleumdung gezwungen.

Brustbild eines Mannes mit Seitenscheitel und Uniform
Reinhard Heydrich Bildrechte: AP/dapd

Heydrichs steile Karriere

1931 trat er unter Einfluss seiner Verlobten und späteren Ehefrau Lina von Osten der SS bei und traf auf Heinrich Himmler, der ihn mit dem Aufbau eines SS-Nachrichtendienstes, des späteren Sicherheitsdienstes (SD), beauftragte. Als Himmlers rechte Hand besetzte er ab 1933 lautlos die wichtigsten Schaltstellen von Polizei und Verwaltung.

Im März 1933 übernahm er die Leitung der Bayerischen Politischen Polizei und im April 1934 das Preußische Geheime Staatspolizeiamt. Mit der Ernennung zum Chef der Sicherheitspolizei (Sipo) unterstanden dem erst 32-Jährigen ab 1936 neben dem SD auch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei. Durch die weitere Verschmelzung von SS und Polizei im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), einem Labyrinth zahlloser Referate, stand Heydrich seit September 1939 endgültig an der Spitze der Machthierarchie. Formal war er weiterhin Himmler unterstellt, aber, so bemerkte Hermann Göring, "das Gehirn hieß Heydrich".

Dabei verkörperte er nicht den Typ eines Rassendogmatikers, sondern war ein kalter, skrupelloser und rationaler Machttechniker. Seine hohe Intelligenz und seine gleichzeitig inhumane und sachlich-perfektionistische Art machten ihn gefährlich und unentbehrlich zugleich.

Heydrich als Holocaust-Beauftragter

Der Name Heydrichs verbindet sich jedoch vor allem mit der Wannsee-Konferenz und der "Endlösung der Judenfrage". Im Juli 1940 wurde Heydrich zum Beauftragten für die "Gesamtlösung der Judenfrage" bestellt, nachdem schon ab 1938/39 die Leitung und die praktische Durchführung der judenfeindlichen Maßnahmen immer mehr auf die Gestapo übergegangen waren. In dieser Position leitete er am 20. Januar 1942 eine interministerielle Konferenz am Berliner Wannsee. Ihr Hauptzweck war es, die Ministerien und Obersten Reichsbehörden für die Durchführung der "Endlösung" zu koordinieren und europaweit zu organisieren. In seiner neuen Funktion widmete sich Heydrich mit emotionaler Gleichgültigkeit der Suche nach perfekten Lösungen und wurde damit zum anfänglichen Leiter des größten organisierten Massenmords der modernen Geschichte.

Anschlag auf den "Schlächter von Prag"

Heydrichs letzte Station führte ihn im Herbst 1941 als stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren nach Prag. Da der eigentliche Reichsprotektor Konstantin von Neurath als zu lasch galt, wurde Heydrich zu Hitlers tatsächlichem Statthalter in der "Rest-Tschechei". Sein offener Terror gegen die Bevölkerung brachte ihm im Volksmund den Spitznamen "Schlächter von Prag" ein. So reiften im tschechischen Widerstand schon bald der Pläne zu einem Attentat auf den verhassten stellvertretenden Reichsprotektor.

In einer engen Straßenkurve nahe der Prager Stadtgrenze schleuderten zwei tschechische Partisanen am 27. Mai 1942 eine Handgranate unter den Wagen von Reinhard Heydrich und verletzten ihn schwer. Zwar gelang es Heydrich noch, herauszuspringen und sein Magazin leer zu schießen, acht Tage später erlag er jedoch seinen Verwundungen und wurde damit der bedeutendste Repräsentant des NS-Regimes, der einem Anschlag zum Opfer fiel. Dieser von tschechoslowakischen Exilkreisen in England vorbereitete Anschlag hatte beispiellos brutale Rache- und Verfolgungsmaßnahmen zur Folge. Die Attentäter Jan Kubis und Josef Gabcik verschanzten sich in der Krypta einer Prager Kirche und töteten sich selbst.

Blick in einen kleinen Raum mit vergittertem Fenster
Versteck der Heydrich-Attentäter in der Krypta der St. Method Kirche Bildrechte: dpa

Deutsche Rache: das Lidice-Massaker

Die Nationalsozialisten sannen auf Vergeltung. Das wurde den Bewohnern des Dörfchens Lidice uweit von Prag zum Verhängnis. Sie gerieten in Verdacht, mit dem Attentat auf Heydrich in Verbindung zu stehen. Beweise wurden zwar keine gefunden, doch das Dorf wurde in einer Nacht dem Erdboden gleich gemacht.

Am 10. Juni 1942 erschossen die deutschen Besatzer alle 173 Männer der Ortschaft Lidice, die Mehrzahl der Frauen wurden im KZ Ravensbrück ermordet und viele der Kinder im Vernichtungslager Kulmenhof vergast. Auch andere Orte fielen deutschen Racheaktionen zum Opfer und die Justiz verhängte wie am Fließband Todesurteile. Allein das Standgericht Prag verurteilte 936 zur Höchststrafe