Glaubwürdig | 11.09.2021 Hüterin des Kirchen-Waldes: Revierförsterin Leila Reuter

Auf der "Sonntagswiese" schossen einst die Sowjets, heute ist der ehemalige Übungsschießplatz ein Biotop im Kirchenwald. Leila Reuter arbeitet als Försterin im Auftrag der Kirchlichen Waldgemeinschaft Westerzgebirge. Ihr Beruf wurde ihr schon in die Wiege gelegt: Auch ihr Vater arbeitete als Förster.

Frau
Leila Reuter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn sie mit ihrem Allradfahrzeug den Wald durchquert, hört  Leila Reuter öfter mal missbilligende Worte von Wanderern  - sie hätten doch ein Recht, sich hier zu erholen! "Und dann sage ich: Das ist richtig, aber Sie dürfen nicht vergessen, dass das hier auch Betriebsgelände ist!"

Und zwar ihr Betriebsgelände - Leila Reuter ist Kirchenrevierförsterin für die Kirchliche Waldgemeinschaft Westerzgebirge mit rund 1000 Hektar. Der Lößnitzer Kirchenwald ist mit über 400 Hektar der größte "Brocken" in ihrem Verwaltungsbereich und auch der schönste. Die Försterin ist glücklich mit dem, was sie tut.

Ich liebe diesen Job ohne Ende und ich sage immer: Bei mir wird das Hobby bezahlt. Ich gehe jeden Tag gern auf Arbeit, wirklich richtig gern!

Leila Reuter

Auch in ihrem Revier hat sich der Borkenkäfer breit gemacht, doch moderat. Zum einen, weil sie mit ihren drei Waldarbeitern die Augen offen hält und befallene Stämme sofort aus dem Bestand entfernt, zum anderen, weil der Borkenkäfer auf den Höhen des Erzgebirges weniger gute Bedingungen vorfindet. In diesem Sommer ist es hier oben oft kühl und feucht, das mögen die Käfer nicht.

Trotzdem ist der Schaden immens. Die Preise für Holz sind wegen des Überangebotes auf dem Tiefpunkt. Ein Problem für die Försterin, denn mit dem Verkauf des Holzes muss sie nicht nur sich und ihre Waldarbeiter ernähren. Der Gewinn kommt den Kirchgemeinden zugute, die damit die Gemeindearbeit unterstützen. Das war seit Jahrhunderten eine sichere Einnahmequelle - bis jetzt. Viele der Wälder im Revier von Leila Reuter sind schon seit dem Mittelalter im Besitz der Kirche. Einige wurden damals nachweislich an die Kirche verschenkt oder vererbt - mit der Hoffnung auf einen sicheren Platz im Himmel.

Mit dem Vater durch die Wälder

Leila Reuter wurde der Beruf in die Wiege gelegt - auch ihr Vater war Förster und streifte mit ihr durch das Unterholz.

Frau im Wald
Leila Reuter beim Reviergang Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Selbst als ich noch klein war, hat er mich zur Jagd mitgenommen und dann vom Onkel Eichelhäher erzählt und vom Rehlein. Und von da an wollte ich unbedingt Revierförster werden. Kein Förster, der nur im Büro sitzt, sondern jemand, der wirklich draußen, im Wald ist, den Wald gestaltet.

Leila Reuter

Nach verschiedenen anderen Stationen übernahm Leila Reuter 2003 die Kirchenrevierförsterstelle im Westerzgebirge. Sie wollte dem Wald ein eigenes Gepräge geben - ganz im Sinne der Eigentümer - und setzte besondere Zeichen mit Bibelsteinen. Darauf sind Zitate aus der Heiligen Schrift zu lesen.

Wenn man vielleicht einen nicht so guten Tag hat oder alleine ist, vielleicht findet man dann seinen Weg zu Jesus. Der Gedanke, der dahinter steht: Leuten den Glauben nahe zu bringen, ohne direkt auf sie einzuwirken.

Leila Reuter

Erst spät zum Glauben gefunden

Dabei hat Leila Reuter selbst erst als Jugendliche zu ihrem Glauben gefunden. Sie ist in behüteten sozialistischen Verhältnissen groß geworden, ihre Eltern waren in der SED. In der Kindheit erzählte die Großmutter Geschichten aus der Bibel, aber entscheidend war die Freundschaft mit einer Pfarrerstochter und deren Familie, wo Leila Reuter lebendigen Glauben kennenlernte.

Ich bin dann auch zu Jugendgottesdiensten gegangen nach Karl-Marx-Stadt, wie Chemnitz damals noch hieß, und ich hab es einfach gespürt: Das war für mich der einzig richtige Weg, den ich gehen wollte und den ich dann auch gegangen bin.

Leila Reuter

Vom Schießplatz zur "Sonntagswiese"

Gelbe Blumen auf einer Wiese
Auf der Sonntagswiese Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein außergewöhnliches Fleckchen im Lößnitzer Kirchenwald ist die "Sonntagswiese". Der ehemalige Übungsschießplatz der Sowjets ist heute ein Biotop im Kirchenwald mit Arnika und Knabenkraut. Für die Försterin bringt die schöne Wiese zwar kein Geld ein - trotzdem ist die "Sonntagswiese" für Leila Reuter ein Schatz.

Wir wollen durch die Bewirtschaftung des Waldes auch die Schöpfung bewahren. Geld ist für uns wichtig, muss ich offen und ehrlich sagen, weil wir davon leben müssen, aber wir müssen die Ökonomie und die Ökologie verbinden.

Leila Reuter

Das zeigt sich auch im Waldumbau. Statt auf Fichten-Monokultur wird zukünftig auf Misch- und Laubwälder gesetzt, die der Klimaveränderung und dem Borkenkäfer trotzen sollen. Doch die heimische Holzindustrie ist auf Nadelholz ausgerichtet.

Frau im Wald
Leila Reuter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fichte und Kiefer sind die 'Brotbaumarten' hier, die kann man als Weihnachtsbaum nehmen, als Stange für den Zaun und irgendwann als Sägeholz, man kann aus dem Reisig Faschinen zum Hochwasserschutz binden - also von klein bis groß ist alles nutzbar. Und das ist beim Laubholz so nicht gegeben.

Leila Reuter

Die Buche, die in den 90er Jahren für Möbel und Parkett angesagt war, bringt heute kaum noch Gewinn. In diesem Spannungsfeld muss die Kirchenförsterin bedacht und beherzt agieren. Aber dass der deutsche Wald wegen der Klimaveränderung untergehen und sich Brachland breitmachen könnte, an dieses Szenario glaubt Leila Reuter nicht.

Lößnitzer Kirchwald
Der Kuttenteich im Kirchwald Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deutschland ist Waldland, irgendwas wächst immer. Nicht unbedingt das, was wir wollen und gebrauchen können, vielleicht auch nicht das, was akut den Klimawandel relativiert, aber freie Flächen wachsen immer zu - und zwar mit Wald!

Leila Reuter

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 22. August 2020 | 18:45 Uhr

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