Glaubwürdig | 27.02.2022 Stefan Mertenskötter und seine Herzensprojekte

Stefan Mertenskötter ist ein Macher. Bei ihm werden aus Ideen sofort Projekte. Vor 30 Jahren kommt er nach Dresden und baut ein Umweltzentrum auf. Im Sommer 2015 öffnet er den schattig-kühlen ehemaligen Friedhof gleich nebenan für Flüchtlinge. Seitdem lernen sie an seinen "ABC-Tischen" Deutsch. Und er gründet die Initiative "Wasser für die Welt".

Stefan Mertenskötter sitzt im Büro an einem Schreibtissch.
Stefan Mertenskötter, Vorstandsvorsitzender von archeNova, Initiative für Menschen in Not Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf einem Friedhof Lesen und Schreiben lernen - diese verrückte Idee stammt von Stefan Mertenskötter. "Das war Zufall und aus der Not geboren", sagt er.

Deutsch für Ausländer mit dem Projekt "ABC-Tische"

2015 Jahren leitet der heute 69-Jährige noch das Umweltzentrum Dresden. Damals entsteht in der Nähe seines Hauses eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Mitten im Sommer, auf einem Betonplatz. "Kein Schatten, nur Hitze, deswegen haben wir die Leute in unseren Garten gelassen, einen ehemaligen Friedhof", erinnert sich Stefan Mertenskötter.

Eine Kirche mit Vorplatz.
Hier nahm das Projekt "ABC-Tische" seinen Anfang: der stillgelegte Friedhof mit Kapelle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieser stillgelegte Äußere Matthäusfriedhof ist eine schattige, kühle Oase. Zunächst entsteht ein Spielplatz für die Kinder. Schon eine Woche später stellt Stefan Mertenskötter Tische und Bänke auf und lädt Erwachsene mit dem Angebot "ABC - Erste Worte auf Deutsch" zum Unterricht ein. Freiwillige bringen nun den Geflüchteten Deutsch bei. Es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Heute heißt das Projekt "ABC-Tische", und die stehen inzwischen im Lichthof des weltberühmten Museums Albertinum. Stefan Mertenskötter und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter betreuen hier an vier Nachmittagen in der Woche über 50 Menschen aus aller Herren Länder. Sie lernen nicht nur Buchstaben und trainieren die deutsche Sprache, sondern bekommen auch Hilfe bei Behördenangelegenheiten. Und hier debattieren alle über Alltag, Kultur und Religion. Die Atmosphäre ist vertraut und freundschaftlich. Oft schaffe der Glaube ein gutes Miteinander, hat der Initiator erfahren.

Jeder lernt hier von jedem, diese Vielfältigkeit ist geradezu göttlich.

Stefan Mertenskötter

"ABC-Tische" - der offene Treff

dienstags bis freitags, 14-18:00 Uhr
Lichthof im Albertinum
Georg-Treu-Platz 3 in Dresden

2017 erhalten Stefan Mertenskötter und sein Team für das Projekt den Dresdner Integrationspreis.

Stefan Mertenskötter (2.v.r.) und drei Personen sitzen auf einer Bank.
Die ABC-Tische stehen heute im Lichthof des Albertinums. Geflüchtete und andere Zugewanderte erhalten Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Problemen im Alltag, bei Behördengängen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Herzensprojekt "Wasser für die Welt"

Ein weiteres Projekt liegt Stefan Mertenskötter besonders am Herzen: die Initiative "Wasser für die Welt", die an die Dresdner Hilfsorganisation "arche noVa e.V." angeschlossen ist. Der Verein engagiert sich weltweit für einen nachhaltigen Zugang zu sauberem Trinkwasser, versorgt Menschen in Krisenregionen und gibt in Afrika und Asien Hilfe zur Selbsthilfe. Im Verein ist Stefan Mertenskötter heute Vorstandsvorsitzender.

Bei allen Projekten kommt es Stefan Mertenskötter darauf an, Verständnis zu vermitteln, um friedlich miteinander leben zu können.

Die Menschen müssen sagen, was sie denken und fühlen. Sie können erwarten, dass der andere zuhört und sagt: 'Gut, du siehst das so, aber mein Hintergrund ist ein anderer.' Kommunikation ist der Anfang von allem. Wenn ich das nicht habe, kann ich die anderen Ziele gar nicht erreichen. Das ist im Grunde der erste Schritt.

Stefan Mertenskötter