Glaubwürdig | 15.04.2022 Auftrag Auferstehung: Horst Bartsch

Eigentlich war der Hallenser früher Kinderchirurg, seit mehr als zehn Jahren begeistert sich Horst Bartsch nun schon für das Schnitzer-Handwerk. Fasziniert von der Möglichkeit, für seinen Glauben eine andere Form als das Wort zu finden, gestaltete er zuletzt einen Osterleuchter für den Freundeskreis zum Erhalt der Laurentiuskirche in Seeben.

Horst Bartsch im Glaubwürdig-Porträt
Bildhauer und Kinderchirurg im Ruhestand: Horst Bartsch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Warum soll nicht jemand im Nadelstreifenanzug in der Kreuzigungsszene zu sehen sein?" Horst Bartsch liegt es am Herzen, die bildliche Darstellung biblischer Geschichten ins Heute zu holen. Eigentlich war der 65-jährige Hallenser Kinderchirurg, seit zehn Jahren lernt er das Schnitzer-Handwerk. Dazu fährt er mehrmals im Jahr nach Österreich in eine Schnitzschule.

Mein christlicher Glaube lebt von den Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament. Geschichten, in denen ich mich selbst wiederfinde, in denen sich immer alle Menschen in der Vergangenheit und in der Gegenwart wiederfinden können.

Horst Bartsch

Schon seit den 1980er-Jahren beschäftigt sich der gebürtige Niederlausitzer in seiner Freizeit mit der Malerei und Bildhauerei. Fasziniert von der Möglichkeit, für seinen Glauben eine andere Form als das Wort zu finden, probierte er verschiedene Materialien, darunter Gips, Beton, Ton und nun Holz.

Ein Suchender

Horst Bartsch im Glaubwürdig-Porträt
Arbeit an der Auferstehung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Begeistert von seiner  Arbeit, wünschte sich im vergangenen Jahr der Freundeskreis zum Erhalt der Laurentiuskirche in Seeben einen Osterleuchter von Horst Bartsch. Sein erster Auftrag als Holzkünstler und "gar nicht so leicht, da es ja um ein so großes Thema wie die Auferstehung geht, die Auferstehung von Toten". Er suchte nach einem geeigneten Motiv für seinen Leuchter und entschied sich für drei Frauen am Grab von Jesus. Eine davon ist Maria, die schmerzerfüllte Mutter Jesu - die andere, Maria Magdalena und die dritte: eine moderne Frau. "Früher, als die Leute noch nicht lesen konnten, hatte sakrale Kunst die Aufgabe, Wissen zu vermitteln oder Antworten zu geben", meint Bartsch: "Heutzutage, finde ich, sollte zeitgemäße Kirchenkunst eher Fragen stellen. Aus diesem Grund guckt uns diese moderne dritte Frau direkt an, als wenn sie gerade eine dieser doch schwierigen Fragen an uns stellt: 'Wie ist das mit der Auferstehung für dich?'"

Horst Bartsch im Glaubwürdig-Porträt
Hiobs-Figur Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Horst Bartsch ist ein Suchender. Seine Werke erschafft er nie zu reinem Selbstzweck, sondern stellt sie in den Dienst der Verkündigung. Im Gespräch ist er darüber immer wieder mit seiner Frau Sonja, die Pfarrerin und Seelsorgerin ist. Kürzlich bereiteten sie einen Kunstgottesdienst vor. Die Statuen von Horst Bartsch versinnbildlichten dabei Geschichten aus der Bibel. Hiob stand im Mittelpunkt.

Profaner Dienst

Die Kunst ist das eine, ein profaner Dienst das andere. Horst Bartsch kümmert sich seit vielen Jahren um die Heilandskirche im Nordosten von Halle. Hier arbeitet er ehrenamtlich als Küster.

Gerade in solchen kritischen Situationen, werden Kirchen als besondere Orte gebraucht, wo es besondere Rituale gibt, eine besondere Sprache gesprochen wird. Es ist wichtig, diese Orte zu pflegen und zu gestalten, damit man sich dort ein Stück geborgen, zu Hause fühlen kann.

Horst Bartsch

Horst Bartsch im Glaubwürdig-Porträt
Kirche als Zufluchtsort Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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