Ein Chor, der singt und gebärdet Sing and Sign: Wie sich die Leipzigerin Susanne Haupt einen Traum erfüllt

Die Sopranistin Susanne Haupt hat einen Chor gegründet, der singt und gebärdet – mitten in der Pandemie. Durch die schwere Zeit hat der Kulturschaffenden ein christlicher Leitspruch geholfen – und Bach, überhaupt die Kirchenmusik. Ihr Herzensprojekt über die zwei Corona-Jahre zu bringen, die Motivation der Mitglieder aufrechtzuerhalten, war ein Kraftakt, der nun endlich in erste Auftritte münden soll – so wie gerade beim Deutschen Chorfest 2022 in Leipzig.

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Sängerin und Chorleiterin von "Sing and Sign": Susanne Haupt Bildrechte: MDR KULTUR.

Ein Chor, der die Musik von Johann Sebastian Bach nicht nur singt, sondern auch gebärdet: Für Susanne Haupt ist ein Traum wahr geworden. Sie hat den Sing & Sign- Chor auf den Weg gebracht – und genau das erreicht, was sie sich gewünscht hat: "In dem Moment, in dem das Publikum mit dem Chor interagiert und die Bewegungen mitmacht, verbinden sich Gehörlosen-Kultur und Musik bei den Menschen selbst."

Mit Motto aus der christlichem Seefahrt durch die Pandemie

Susanne Haupt gestikuliert mit ihren Händen. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Chor hat sich mitten im Corona-Lockdown gegründet. Zwei Jahre lange wurden die Pläne für die ersten Auftritte immer wieder verschoben. Im Mai 2022 ist es nun soweit. Die Gründerin hat viel Energie investiert, damit der junge Chor zusammen bleibt: "Wo andere Ensembles schon eine Gemeinschaft sind, mussten wir erst eine bilden. Das ist über Zoom nicht so einfach. Wir haben dann versucht, im Garten zu proben, in Kirchen mit Hygienekonzepten, mit Abstand.

Wenn man was gelernt hat in dieser Krise, dann Flexibilität.

Susanne Haupt
Eine Frau bei einer Probe
Bei den Proben Bildrechte: mdr/Glaubwürdig

Für die 48-jährige Sopranistin ist die Musik nicht nur schöne Kunst, sondern auch wirtschaftliche Existenz. Die langen Kulturpausen in den letzten beiden Jahren haben Susanne Haupt viel abverlangt. Geholfen hat ihr ein christlicher Leitspruch aus der Seefahrt, der an einem Pfarrhaus auf Hiddensee steht: "'Gottes sind Wogen und Wind, Segel und Steuer sind euer, dass ihr den Hafen gewinnt', zitiert sie und meint, auch wenn es Situationen gegeben habe, wo sie nichts habe tun können: "Der Spruch hat mir innere Sicherheit gegeben, ich habe mich beschützt gefühlt."

Liebe zu Bach

Hilfe, schwere Zeiten im Leben zu bewältigen, findet Susanne Haupt auch in den Texten und Melodien von Bach. Seine Musik singt sie besonders gern: "Bach ist ein Phänomen. Ich erlebe immer wieder, dass Leute zu Tränen gerührt sind, die überhaupt nichts mit Religion zu tun haben. Er berührt etwas, was aus meiner Sicht aus dem Leid entstanden ist, das er selbst erlebt hat: Er hat zehn seiner Kinder und seine erste Frau verloren."

Ich versuche, das, was ich aus der Religion rausziehe, persönlich zu leben: weniger missionieren und predigen, stattdessen selber tun.

Susanne Haupt

Auch Bachs tiefe Verwurzelung im Glauben spiegelt sich für sie in seinen Kompositionen. Hier findet sich die Christin wieder: "Ich lebe meinen Glauben hauptsächlich in der Kirchenmusik aus. Ansonsten versuche ich das, was ich aus dieser Religion rausziehe, persönlich zu leben. Also weniger zu missionieren, zu predigen, stattdessen selber zu tun. Ich glaube, dass zum Beispiel die Essenz, ein so guter Mensch wie möglich zu sein und zu werden, vielen Religionen gemein ist."

"Sing & Sign"-Chor: Musik-Teilhabe für alle

Menschen Musik zu vermitteln ist ihr wichtigstes Anliegen. Bei verschiedenen Begegnungen hat sie erlebt, dass gehörlose Menschen kaum Zugang zu diesem Teil der Kultur haben. Das will sie mit dem "Sing & Sign"-Chor ändern. In ihm nähern sich hörende und hörbeeinträchtigte Menschen an: "Eigentlich wünsche ich mir Inspiration, dass Musikschaffende solche Projekte öffnen für alle, die dran teilhaben wollen. Also nicht so, dass ein Konzept da ist, in das alle passen müssen, sondern es wird danach entwickelt, wer da ist und dabei gehen dann auch alle mit."

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MDR-Aktion "Freie Sendezeit für ..." Susanne Haupt

Mit mehr als 350 Vorschlägen sind Kunst- und Kulturschaffende dem Aufruf zum MDR-Ideenwettbewerb "Freie Sendezeit für freie Künstlerinnen und Künstler" gefolgt. Eine Auswahl von 15 Projekten wird nun präsentiert.

Do 26.11.2020 08:15Uhr 05:18 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-mdr-aktion-freie-sendezeit-susanne-haupt100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 28. Mai 2022 | 18:45 Uhr