Glaubwürdig | 13.11.2021 Stefan Melzer: Christ und Suchttherapeut

Stefan Melzer ist Suchttherapeut in der Chemnitzer Fachklinik "Magdalenenstift". Dort behandelt er auch Männer, die süchtig nach Online-Sex sind. Dass diese Krankheit vor allem im kirchen Rahmen vorkommt, ist für den bekennenden Christ wenig verwunderlich. Ein Grund sind Zwänge, mit denen Sexualität dort oft belegt ist.

Stefan Melzer
Stefan Melzer engagiert sich in der Evangelischen Freikirche Glauchau. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stefan Melzer arbeitet als Suchttherapeut bei der Diakonie in Chemnitz. Dort behandelt er ausschließlich Männer. Die meisten kommen wegen einer Alkohlkrankheit zu ihm: "Die Therapie ist ein Prozess, den jeder Patient selbst durchmacht. Ich bestimme nicht, was dabei herauskommt, sondern es liegt in seiner eigenen Hand."

Der 38-Jährige ist selbst Christ. In seinem Beruf versucht er, den Patienten auch seelischen Beistand zu leisten. Bei der Behandlung ist ihm wichtig, nicht nur die Sucht in den Blick zu nehmen, sondern auch das Problem, das diese Sucht auslöst. Das können etwa Eheprobleme oder Schulden sein.

Spezialisierung auf Online-Sexsucht

Diesen Ansatz verfolgt er auch im Umgang einer anderen Suchtkrankheit. Vor fünf Jahren hat er sich im Rahmen eines Pilotprojekts auf die Therapie von Online-Sexsucht spezialisiert. Das sei eine Abhängigkeit, die oft in kirchlichen Kliniken behandelt werde, sagt Stefan Melzer: "Diese Art von Erkrankung trifft ausdrücklich häufig Christen." Die Internet-Sexsucht sei für viele eine Art Ausweg von Druck und Zwängen, denen die Sexualität im christlichen Umfeld unterliege. Die Corona-Pandemie habe das Problem aber im Allgemeinen verschärft, erklärt der Diplom-Psychologe.

Schon als Abiturient wusste Stefan Melzer, dass er Psychologe werden möchte: "Ich habe mir schon als Jugendlicher die Probleme von Freunden angehört, mit ihnen geredet und mich um sie gekümmert", erinnert er sich.

Kirchenältester in Evangelischer Freikirche Glauchau

Nach Dienstschluss in der Klinik in Chemnitz fährt er so oft wie möglich in eine Evangelische Freikirche in Glauchau. Dort ist er Kirchenältester. Sonntags übernimmt er häufig die Predigt und organisiert die musikalische Begleitung der Gottesdienste: "Liedtexte wie ‚Ein Leben gegeben für den Herren der Welt. Ein Leben gegeben für das, was wirklich zählt. Ein Leben für Gott‘ singe ich nicht für mich oder für uns, das singe ich für meinen Schöpfer. Wenn man den Text ernst nimmt, ist es ein tiefes Glaubensbekenntnis."

Bei seiner Familie kann Stefan Melzer die Sorgen des Alltags und die Arbeit hinter sich lassen, zum Beispiel beim Legobauen mit seinen beiden Kindern. Es geht darum, als Familie aus Kleinem etwas Großes zu machen: "Zu viert als Familie sind wir vollständiger als alleine. Es geht darum, dass Menschen gemeinsam etwas machen. Das ist, was derzeit gesellschaftlich fehlt. Aber schon am Anfang der Bibel lesen wir: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Glaubwürdig | 14. November 2021 | 18:45 Uhr