Premiere bei ACHAVA Festspielen: Uraufführung von Hans Hellers Requiem

Beim Gastspiel der MDR-Ensembles im Rahmen der ACHAVA Festspiele stand eine spannende Uraufführung auf dem Programm: Das "Requiem für den unbekannten Verfolgten" von Hans Heller (1898–1969). Der Komponist hat einst selbst zu den vom Nazi-Regime Verfolgten gehört und ist heute nahezu vergessen. Dennis Russell Davies, Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters, kombinierte das Werk beim Konzert im Erfurter Dom mit Bernsteins Symphony No. 1 "Jeremiah". MDR KLASSIK und MDR KULTUR übertrugen das Konzert ab 20 Uhr live.

Beim MDR MUSIKSOMMER in Schneeberg standen MDR-Sinfonieorchester, MDR-Rundfunkchor sowie die Solisten Joanne Marie D'Mello (Sopran), Manja Eckert (Alt), Nico Eckert (Tenor), Steven Klose (Bass) auf der Bühne. Am Pult in der Kirche St. Wolfgang stand Risto Joost.
Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Im Erfurter Dom eröffnete Organist Silvius von Kessel das Konzert mit einem neuen Orgelwerk, der "Heller-Suite", mit der er bereits den musikalischen Bogen zum Schaffen des verfolgten und vergessenen Komponisten Hans Heller schlug. Doch bevor dessen bisher noch nie aufgeführtes "Requiem für den unbekannten Verfolgten" erstmals live erklang, interpretiert von MDR-Sinfonieorchester und MDR-Rundfunkchor, dirigierte Dennis Russell Davies Leonard Bernsteins "Jeremiah" Symphony No. 1. Den Solopart im dritten Satz mit den Klageliedern Jeremias aus der hebräischen Bibel übernahm Mezzosopranistin Solenn' Lavanant Linke. MDR KLASSIK und MDR KULTUR übertrugen das Konzert ab 20 Uhr live.

Der Komponist Hans Heller über Noten gebeugt 67 min
Bildrechte: Akademie der Künste Berlin

Bei den Achava Festspielen 2021 haben MDR-Sinfonieorchester und MDR-Rundfunkchor das "Requiem für den unbekannten Verfolgten" von Hans Heller, der als Jude selbst verfolgt wurde, uraufgeführt.

MDR KULTUR - Das Radio Do 23.09.2021 20:00Uhr 66:42 min

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Komponist Hans Heller: verfolgt und vergessen

Der Komponist Hans Heller mit seiner Frau Ingrid am Klavier
Komponist Hans Heller mit Pianistin Ingrid Heller, seiner Frau Bildrechte: Akademie der Künste Berlin

Der deutsch-jüdische Komponist Hans Heller (1898–1969) wurde im thüringischen Greiz geboren und wuchs auch dort auf. Er galt als Klavier-Wunderkind und studierte Kontrapunkt sowie Komposition bei Franz Schreker in Berlin. 1933 floh Heller mit seiner nichtjüdischen Frau nach Frankreich und komponierte dort ein Klavierkonzert, zwei Sinfonien und den Orchestergesang „Les Aveugles“. Nach Kriegsausbruch wurde er verhaftet. Er musste schwere Zwangsarbeit leisten und konnte flüchten, bevor er deportiert werden sollte. Den Rest des Krieges verbrachte er in einem Versteck. Nach seiner Emigration in die USA 1946 komponierte er stetig weiter, u. a. das Oratorium „Nation Shall Not Lift Up Sword Against Nation“, eine Friedensbotschaft. Er konnte aber nie wirklich Anschluss an das dortige Musikleben finden und sich eine Existenz aufbauen, galt als bescheiden und introvertiert.

Der Komponist Hans Heller
Komponist Hans Heller Bildrechte: Wolfgang Eichwede

1955 kehrte Heller nach Deutschland zurück, wo sein Oratorium nur einmal Ende der 1950er Jahre in Berlin aufgeführt wurde, wovon ein Mitschnitt erhalten ist. In Deutschland komponierte er auch sein „Requiem für den unbekannten Verfolgten“, das bisher noch nicht aufgeführt wurde. Einer der Gründe dafür ist, dass er extrem lange an seinen Kompositionen arbeitete und immer wieder neue Fassungen erstellte. Sein Musikstil knüpft an die musikalischen Entwicklungen seiner Zeit an und ist durch eine starke Ausdruckskraft und Emotionalität geprägt, die ganz unmittelbar auf den Zuhörer wirkt. 1969 starb Heller, dessen Nachlass sich im Archiv der Berliner Akademie der Künste befindet.   

Konzertmitschnitte

Konzert in der Peterskirche 75 min
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50. Nachtgesang 69 min
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