"Gutes Praxisbeispiel" Dresden als Teil des Bauhüttenwesens im Unesco-Register des immateriellen Kulturerbes

Ralf Schmidt von der Zwingerbauhütte mit Skulptur vor dem Wallpavillon.
Ralf Schmidt von der Zwingerbauhütte mit Skulptur vor dem Wallpavillon Bildrechte: imago/Sven Ellger

Die Unesco hat das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Durch die Entscheidung des zwischenstaatlichen Ausschusses der UN-Kulturorganisation am Donnerstag wird der internationale Modellcharakter der Bauhütten geehrt, teilte die deutsche Unesco-Kommission in einer Mitteilung mit. Dresden ist eine der 18 Bauhütten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Norwegen, die sich für die Bewerbung zusammengeschlossen hatten.

Die auf das Mittelalter zurückgehende Tradition der Bauhütten dokumentiert, wie wichtig der grenzüberschreitende Kulturaustausch und die Zusammenarbeit von Künstlern und Handwerkern für gesellschaftliche und baukünstlerische Entwicklungen in Europa waren und sind.

Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt

Ein Restauratorin der Dombauhütte arbeitet an Figuren des Michaelportals am Dom.
Restauratorin der Dombauhütte des Kölner Doms bei der Arbeit Bildrechte: dpa

Seit dem Mittelalter aktiv

Die Bauhütten haben sich im Mittelalter um die Baustellen der großen europäischen Sakralbauten herausgebildet. Für die Fertigstellung der Dome und Kirchen mussten und müssen die Gewerke eng zusammenarbeiten. Während in Straßburg oder Freiburg die Bauhütten ununterbrochen seit dem Mittelalter aktiv sind, kamen die Stätten in Dresden, Basel oder Linz erst später dazu.

Heute sorgen die Bauhütten mit ihrem handwerklichen und restauratorischen Wissen und Können dafür, dass diese kühnen, aber gegenüber Naturgewalten und Schadstoffen auch empfindlichen Denkmäler der Nachwelt erhalten bleiben.

Peter Füssenich, Dombaumeister am Kölner Dom

Zum immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen wie Handwerkstechniken oder Musik. Die Unesco unterstützt ihren Schutz, ihre Dokumentation und ihren Erhalt seit 2003. Insgesamt 180 Staaten sind Teil des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes.

Steinmetz und deutscher Baumeister, mit seiner Tochter Sabine in der Bauhütte, historischer Holzstich ca. 1888.
Historisierende Darstellung des Münsterbaumeisters Erwin von Steinbach (1244-1318) von der Bauhütte Straßburg Bildrechte: imago stock&people

Baugeschichte und Architektur

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

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