Burgen, Museen, Holunderkontor Fahrradtour durch die Börde: Neun Tipps für Kultur auf den schönsten Routen

Wer eine Radtour durch die Magdeburger Börde plant, hat eine große Auswahl zwischen den schönsten Fahrradrouten Sachsen-Anhalts: Ob Holunder-Radweg, Aller-Radweg oder eine Tour quer durch die Börde. Auf diesen Strecken verstecken sich besondere Schätze wie verwunschene Burgruinen, besondere Parks, das kleinste Museum des Landes oder das erste Holunderkontor Deutschlands. Wir haben neun Tipps, wie Sie mit dem Rad unterwegs Kultur in der Börde entdecken.

Ein Sandstein-Haus mit Efeu bewachsen
Auf einer Fahrradtour durch die Börde gehört die Veltheimsburg in Bebertal zu den Geheimtipps. Bildrechte: MDR/Oliver Hauswald

HOLUNDERRADWEG

Niederndodeleben: Der Holunderkontor

Beim Holunderradweg ist der Name Programm: Das Radwegenetz führt durch die Magdeburger Börde vorbei an Holunderbäumen, einer Holunderplantage auf der Elfenwiese von Brumby und dem ersten Dokumentationszentrum für die uralte Heilpflanze überhaupt: dem Holunderkontor in Niederndodeleben. Hier kann man sich über die spannende Geschichte, Kultur und Küche rund um den Schwarzen Holunder informieren.

Betrieben wird der Holunderkontor von einem Verein und engagierten Mitgliedern, wie der Malerin Ursula Duchrow, die vorbeikommenden Radtouristinnen und -Touristen leidenschaftlich erklärt, wie Holunder als Hausmittel genutzt werden kann oder welche Köstlichkeiten sich neben Marmelade und Sirup noch zubereiten lassen. Auch Holunderlieder, Gedichte und Märchen kann man im Kontor entdecken.

Ein verwunschenes Steinhaus.
Das Holunderkontor ist ein Stück lebendige Kulturgeschichte, das man auf einer Radtour durch die Börde entdecken kann. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Das Holunderkontor ist der ideale Ausgangspunkt aller Routen des Holunderradwegenetzes. Auf dem MDR-Youtubekanal #hinreisend testet Reporter Tom Gräbe den Großen Holunderradweg und gibt Tipps für die 60 kilometerlange Strecke – zum Beispiel erfährt er in Niederndodeleben, wie sich ein Holunderblüten-RadfahrerInnen-Kraft-Drink für unterwegs mixen lässt.

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Holunderkontor
August-Bebel-Straße 14
39167 Hohe Börde

Anmeldungen und Termine auf Nachfrage.

Bebertal: Die Veltheimsburg

Nur 35 Kilometer von Magdeburg entfernt liegt die verwunschene Veltheimsburg in Bebertal. Diese lässt sich auf dem Holunderradweg am besten über Nordgermersleben, Brumby oder Klein Rottmersleben erreichen. Die Geschichte der mit grünen Ranken bedeckten Burganlage in Bebertal geht bis ins 13. Jahrhundert zurück – ursprünglich wurde sie als Bischofsburg gebaut, später als Markgrafen- und Ritterburg genutzt.

Den Charme alter Zeiten spürt man noch heute: Auf der romantischen Parkanlage im Innenhof der Burg finden sich moosbedeckte Mauerreste und ein mittelalterlicher Bergfried mit Blick bis zum Brocken. Mit ihrer idyllischen Umgebung ist die märchenhafte Burg hoch über Bebertal perfekt für eine entspannte Pause von der Radtour. Man kann übrigens auch über Nacht bleiben: In der ehemaligen Ritterburg befindet sich inzwischen ein Hotel.

Ein Sandstein-Haus mit Efeu bewachsen
Die Veltheimsburg in Bebertal gilt für manche als die schönste Burg der Börde. Bildrechte: MDR/Oliver Hauswald

Tipp: Tipp: Am 6. und 8. August 2022 findet ein Mittelalterfest auf der Veltheimsburg statt. Außerdem werden hier regelmäßig Weinverkostung und Ritteressen angeboten.

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Veltheimsburg
Burgstraße 16
39343 Hohe Börde

Wer mit dem Auto anreist, findet Veltheimsburg/Bebertal im Navi nicht als eigenständigen Ort, sondern unter "Verwaltungsgemeinschaft Hohe Börde".

Haldensleben: Barockschloss Hundisburg

Einen Steinwurf vom Holunderradweg entfernt liegt am Nordrand der Magdeburger Börde die schöne Ortschaft Hundisburg, in dem eines der bedeutendsten Barockschlösser Sachsen-Anhalts liegt. Das monumentale Ensemble mit Schloss, rekonstruiertem Barockgarten und einem 100 Hektar großen Landschaftspark wird nicht umsonst auch Venezianischer Palast an der Beber genannt.

Bei einem Zwischenstopp von der Radtour kann man immer sonntags eine Führung durch Schloss und Garten bekommen, auch für Kinder werden spezielle Rundgänge angeboten. Stärken kann man sich im Schlossrestaurant oder in der historischen Schlossbrauerei, die ebenfalls besichtigt werden kann.

Das Barockschloss Schloss Hundisburg.
Bei einer Radtour durch die Börde sollte man das Barockschloss Hundisburg mit Barockgarten und Landschaftspark nicht verpassen. Bildrechte: MDR/Jens Schlüter

Tipp Für Familien bietet sich in Hindisburg ein Abstecher zur Ziegelei an, wo noch heute Ton nach alter Tradition gebrannt wird. Neben einer multimedialen Führung durch die Dauerausstellung kann man an einer Rundfahrt mit der Feldbahn teilnehmen – vorbei an der ehemaligen Tongrube, an Eimerkettenbagger und historischen Öfen.

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Schloss Hundisburg
Schloss 1
39343 Hundisburg

Öffnungszeiten:

Historische Schlossräume mit der Alvenslebenschen Bibliothek
und den Sammlungen Apel und Loock:
April bis Oktober sonntags 14 bis 17 Uhr

Die Innenräume des Schlosses sind ggf. im Rahmen von Führungen zugänglich. Eine Führung gibt es sonntags ab 14 Uhr, Treffpunkt Schlossladen oder nach Vereinbarung.

Schlossrestaurant
Mittwoch bis Samstag, 11:30 bis 21:30 Uhr
Sonntag 11:30 bis 17 Uhr

ALLER-RADWEG

Ummendorf: Börde-Museum

Das Börde-Museum in Ummendorf gilt das als das kulturgeschichtliche Heimatmuseum der Magdeburger Börde und ist über den Aller-Radweg zu erreichen. In der Burg informieren Ausstellungsräume über die Geschichte der regionalen Landwirtschaft und über das Landleben in der Börde. Aufgrund von Sanierungsarbeiten ist momentan nur die Außenanlage des Museums geöffnet. Dazu gehören ein verwunschener Skulpturengarten, ein herrlich duftender Kräutergarten und eine beeindruckende Freiluft-Landtechnikausstellung.

Garten
Zum Börde-Museum in Ummendorf gehört ein Kräutergarten mit Kleinoden der Gartenarchitektur vergangener Jahrhunderte. Bildrechte: B. Haase - BMBU

Der Skulpturengarten versammelt Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus der DDR, die während Künstler-Symposien entstanden sind, darunter eine Skulptur des Magdeburger Bildhauers Harri Schneider. Der Kräutergarten auf der westlichen Seite der Burg gilt mit rund 400 Pflanzenarten als ein botanischer Schaugarten und hält außerdem das eine oder andere Kleinod der Gartenarchitektur bereit. Besonders imposant ist die noch zugängliche Landtechnikausstellung mit Dampfpflügen, die einst den fruchtbaren Bördeacker durchfurchten. Wer beim Fahrradurlaub in der Börde etwas von der Region erfahren möchte, ist hier genau richtig.

Mehr Informationen

Börde-Museum Burg Ummendorf
Meyendorffstr. 4
39365 Ummendorf

Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag: 11 bis 17 Uhr

Zur Zeit werden Burg und Ausstellungsräume saniert. Lediglich die Außenanlagen können mit Zugang durch das Tor hinter der Burg besucht werden.

Marienborn: Gedenkstätte Deutsche Teilung

Europäisches Kulturerbe mitten in der Börde – das gibt es an der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, die vom Aller-Radweg zu erreichen ist. Auf dem etwa 30 Hektar großen ehemaligen Kontrollareal können Besucherinnen und Besucher die historischen Abfertigungsbereiche für die in die DDR einreisenden Autos sehen, wo Gepäckstücke geröntgt, PKWs durchsucht sowie in vielen Fällen Leibesvisitationen und Vernehmungen durchgeführt wurden. Auch der Zollbereich sowie die Wechselstube der DDR-Staatsbank und der Kommandantenturm der Grenztruppen können besichtigt werden.

Am Ende einer maroden Straße steht ein überdachter ehemaliger Grenzübergang.
Ein Ort des Erinnerns auf der Radtour durch die Börde: die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Bildrechte: MDR/André Plaul

In der neuen Dauerausstellung beleuchtet die Gedenkstätte auch bewegende Einzelschicksale und erzählt von Menschen, die wegen "versuchter Republikflucht" verhaftet worden oder beim Fluchtversuch gestorben sind, beispielsweise durch Schüsse oder Minen. Bis zum 22. September ist außerdem die Wanderausstellung "Die Mauer – 1961 bis 2021" mit Bildmontagen von Alexander Kupsch zu sehen, die zeigen, wie die Berliner Mauer in der heutigen Hauptstadt aussehen würde.

Tipp: Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn liegt auch auf dem Europa-Radweg "Eiserner Vorhang", der thematisch durch 20 Länder bis zum Schwarzen Meer führt.

Mehr Informationen

Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
An der Bundesautobahn 2
39365 Marienborn

Öffnungszeiten:
täglich von 10 bis 17 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Weferlingen: Frühgotische Burg

Noch bevor sich der Aller-Radweg weiter durch die Magdeburger Börde vorbei an vielen Dörfern bis ins niedersächsische Eggestedt schlängelt, kommt man mit dem Fahrrad an der frühgotischen Burg Weferlingen vorbei. Diese wurde im 12. Jahrhundert als Sumpfburg errichtet und war durch ein doppeltes Grabensystem sowie ihre Burgmauer eine sichere Festung. In der Frühen Neuzeit wurde die Burg in ein Schloss umgebaut – heute zeugen nur noch die Fenster vom Stil der Renaissance. Berühmtheit erlange die Burg im heutigen Sachsen-Anhalt durch das literarische Werk von Heinrich von Kleist. Der Bergfried kann über 138 Stufen erstiegen werden und bietet einen tollen Blick über Weferlingen.

Burgruine Weferlingen
Der Bergfried der Burgruine Weferlingen wird auch Grauer Hermann genannt. Bildrechte: Stadt Oebisfelde-Weferlingen

Mehr Informationen

Burgruine Weferlingen
39356 Oebisfelde-Weferlingen

Öffnungszeiten:
April – Oktober: jeden 3. Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr
oder auf Anfrage

Erwachsene: 1 Euro
Kinder: 50 Cent

Kontakt:
Stadt Oebisfelde-Weferlingen
Gutshof 4
39356 Weferlingen

QUER DURCH DIE BÖRDE

Magdeburg: Kloster Unser Lieben Frauen

Ob Börde-Radweg oder Elberadweg: Magdeburg gehört definitiv zu den Highlights bei Radtouren durch Sachsen-Anhalt. Bei einem Ausflug in die Landeshauptstadt sollte ein Besuch in einem der vielen Museen unbedingt eingeplant werden. Besonders das Kunstmuseum ist einmalig: Es befindet sich im ältesten erhaltenen Bauwerks Magdeburgs, dem im 12. Jahrhundert entstandenen romanischen Kloster Unser Lieben Frauen zwischen Altstadtkern und Elbe.

Das Kloster Unser Lieben Frauen in der Magdeburger Altstadt
Das Kloster Unser Lieben Frauen ist mit dem Kunstmuseum ein wichtiger Ausstellungsort für Gegegnwartskunst in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: imago images/epd

Neben zeitgenössischer Kunst sind Skulpturen der klassischen Antike, mittelalterliche Holzskulpturen und Bildhauerkunst des 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts ausgestellt. Auch für Kinder gibt es einen eigens zusammengestellten Rundgang. Die aktuelle Sonderausstellung "Das Land" zeigt eine besondere fotografische Reise durch Sachsen-Anhalt – und macht Lust, die Region auf einer Radtour selber zu entdecken.

Mehr Informationen

"Das Land. Fotografie"
28. Juni bis 25. September 2022

Kunstmuseum Magdeburg
Kloster Unser Lieben Frauen
Regierungsstraße 4-6
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 10 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

Eintritt: Erwachsene 6 Euro (ermäßigt 3 Euro)
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

Die Kirche sowie das Obere Tonnengewölbe mit der Sammlung Zeitgenössische Kunst sind für Besucherinnen und Besucher aufgrund von Sanierung geschlossen. Am 17. September 2022 werden die Gebäudeteile mit einem feierlichen Fest wieder eröffnet.

Neuwegersleben: Telegrafie-Museum

Der Telegrafen-Radweg von Berlin bis Koblenz verbindet auf einer Länge von über 1.000 Kilometern ehemalige Stationen der "Preußisch optischen Telegrafenlinie". Diese wurde im 19. Jahrhundert von Staat und Militär für die Nachrichtenübermittlung genutzt. Der besondere Radweg führt auch durch die Börde: In dem kleinen Ort Neuwegersleben steht eine von drei im Original erhaltenen Telegrafiestationen in Deutschland.

Heute beherbergt es ein Museum, das die Geschichte und Technik der optischen Telegrafie für die Nachwelt bewahren will. Highlights sind ein originalgetreu rekonstruiertes Fernrohr, Telegrafistenuniformen und eine historische Briefmarkensammlung.

Kleines Haus mit Telegrafenmast bei blauem Himmel
In Neuwegersleben steht eine von wenigen orignal erhaltenen Optischen Telegrafenstationen. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das dank einer ansässigen Familie rekonstruierte Stationsgebäude in Neuwegersleben hat eine funktionsfähige Telegrafenanlage. Besucherinnen und Besucher dürfen das Telegrafieren auch selber mal probieren, indem sie Nachrichten einstellen und durch Fernrohr die Gegenstation beobachten.

Mehr Informationen

Hornhäuserstraße - Telegrafenberg
39393 Am Großen Bruch

Öffnungszeiten:
April bis September: letzter Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr

Außerhalb dieser Zeiten können Führungen verabredet werden.

Schöningen: Museum und Erlebnis Altsteinzeit

Von Oschersleben, der letzten Station des Börde-Radwegs, sind es keine 30 Kilometer bis ins niedersächsische Schöningen. Ein Sensationsfund ließ 1994 alle Welt über den kleinen Ort an der Grenze zu Sachsen-Anhalt reden: Im ehemaligen Tagebaugebiet wurden in zehn Meter Tiefe acht Holzspeere und eine Lanze gefunden, die 300.000 Jahre alt sind – und somit als die ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit gelten. Da die Grabungen in Schöningen andauern, kommen immer wieder neue Funde ans Tageslicht, wie zuletzt das vollständig erhaltene Skelett eines Waldelefanten.

Im Forschungsmuseum Schöningen informiert heute eine spannende Dauerausstellung mit einem archäologischen Schwerpunkt über die Ausgrabungen vor Ort und die Altsteinzeit. Mit einem Erlebnisparcours mit verschiedenen Mitmachstationen für Kinder ist das Museum auch für Familien unbedingt einen Ausflug während einer Radtour Richtung westlicher Börde wert.

In der glänzende Fassade des Forschungsmuseum in Schöningen spiegelt sich der Himmel.
Das Forschungsmuseum Schöningen liegt im Naturpark Elm-Lappwald, durch den zahlreiche (Rad-)Wanderwege führen. Bildrechte: dpa

Mehr Informationen

Forschungsmuseum Schöningen
Paläon 1
38364 Schöningen

Öffnungszeiten:
März bis Oktober: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
November bis Februar: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Eintritt:
Erwachsene: 9 Euro
Ermäßigt: 6 Euro
Familienticket: 20 Euro

Quelle: MDR SACHSEN-ANHALT, Eigenrecherche MDR KULTUR / Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 13. Juli 2022 | 18:15 Uhr