Exotischer Biedermeiergarten Verstecktes Idyll der Buga: Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten

Manche Außenstandorte der Buga 2021 gelten bis heute als Geheimtipp. So auch der Biedermeiergarten des Weimarer Kirms-Krackow-Hauses. In einem Hinterhof mitten in der Altstadt findet sich das grüne Idyll, das Mitte des 19. Jahrhunderts als bürgerlicher Privatgarten angelegt wurde. Bis heute lädt die exotische und abwechslungsreiche Blumenpracht zum Staunen und Verweilen ein. Wer sich für die Geschichte der Botanik interessiert, kann hier außerdem einiges über Gärten der Goethezeit erfahren.

Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten
Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten ist ein besonderer Außenstandort der Bundesgartenschau. Bildrechte: Constantin Beyer

Mitten in der Weimarer Altstadt steht ein unscheinbarer Torbogen - links davon ein arabischer Barbier, rechts ein Copyshop. Durchquert man den Torbogen und noch einen Hinterhof, tut sich plötzlich ein kleines Idyll auf: Zwischen den Häusern empfängt einen ein bunt blühender Garten. Angelegt in seiner heutigen Form wurde er Mitte des 19. Jahrhunderts von Franz Kirms, Hofrat in Weimar unter Großherzog Carl August.

Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten
Der Garten ist von der Straße nicht sichtbar. Erst muss ein Torbogen passiert werden. Bildrechte: Constantin Beyer

Schon damals war der Garten etwas Besonderes. Denn einen grünen Bereich ohne Bebauung in der engen Altstadt musste man sich leisten können, so Christian Hill, der sich als Kurator im Auftrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten um das Areal kümmert: "Dieser Garten war nur für die Zierde. Für das Auge und fürs Herz!"

Biedermeier trifft bunte Blumenpracht

Das grüne Idyll besticht auch heute noch durch die Gesamtkonzeption im Stile des Biedermeier, bei der es auf das Spiel mit den Gegensätzen ankommt: Gerade Wege treffen auf üppige Blumenrabatten. Lichte und schattige Bereiche wechseln sich ab, zwischen den Zierpflanzen sind auch einige Nutzpflanzen wie Spalierobst zu finden.

In den Blumenrabatten herrscht auf den ersten Blick wildes Durcheinander, der Phlox blüht in einem lachs-rosarot, die Taglilien in rot-orange. Die Funkien beeindrucken mit riesigen Blättern, das zurückhaltende Mutterkraut ergänzt die duftenden Rosen. Eine riesige Distel auf dem Rasen durchbricht die Ordnung, auch sie darf hier – eben im Sinne der Gegensätzlichkeit – wachsen:

Das 19. Jahrhundert ist für die Botanik einfach sehr spannend gewesen, und die damalige Entwicklung wird in diesem Garten mehr oder weniger abgebildet.

Kurator Christian Hill

Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten
Durch die vielen verschieden Pflanzenarten wandelt der Garten ständig sein Gesicht. Bildrechte: Alexander Weingarten

Durch die vielen verschieden Pflanzenarten wandele der Garten ständig sein Gesicht, so Kurator Christian Hill. Alte Sorten von den Rosen verblühten gerade und würden in den kommenden Wochen von den Dahlien abgelöst: "Viele der Kulturen hier haben ihren Aufstieg im 19. Jahrhundert, so auch die Dahlien. Von den ganz einfachen Wildformen bis heute zu den Bonbon-Dahlien und den Kaktus-und Hirschgeweihdalien."

Zwischen exotischen Pflanzen verweilen

Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten
Die üppigen Blumenrabatten kennzeichnen den Biedermeiergarten. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Auch Franz Kirms wollte in dieser Zeit mitmischen. Als Mitglied der Weimarer "Blumisten", damals ein Modewort für Pflanzenliebhaber, versuchte er sich an allerlei Neuem. So lässt sich in den Erinnerungen der späteren Gartenbesitzerin Charlotte Krackow nachlesen, dass es Kirms gelang, aus Pfropfreisern eines Rosmarin-Apfels "die herrlichsten Früchte zu ziehen." Auch berichtet Krackow von einem süßen Mandelbaum und einem schwarzen Maulbeerbaum: "Beide trugen vollkommen ausgebildete Früchte, als wenn sie in ihrer Heimat ständen, die Mandeln so reichlich, dass sie einen ganzen Winter in der Küche ausreichten."

Mandel- und Maulbeerbaum sind schon lange verschwunden, die Rosmarinäpfel aber sind bei der denkmalgerechten Restaurierung des Gartens nach der Wende wieder angepflanzt worden. In ihrem Schatten kann man es sich heutzutage gemütlich machen und allerlei Köstlichkeiten genießen, denn ein französisches Bistro hat hier Tische und Stühle aufgestellt und nutzt den Garten als Außenbereich. Wo früher Franz Kirms und seine Gäste das damalige Modegetränk Tee genossen und sich über die neuesten gärtnerischen Erfolge austauschten, lässt es sich immer noch wunderbar verweilen.

Der Weimarer Kirms-Krackow-Garten
Ein Bistro neben dem Garten lädt zum Kaffee- oder Teetrinken ein. Bildrechte: Constantin Beyer

Mehr Informationen Kirms-Krackow-Haus Weimar
Jakobstraße 10
99423 Weimar

Der Biedermeiergarten ist täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet.

Das Museum im Kirms-Krackow-Haus ist geöffnet: Freitag von 14 bis 17 Uhr und Samstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. Derzeit läuft hier eine Sonderausstellung zur Weimarer Teekultur um 1800.

Das Café du Jardin bietet Speisen und Getränke an.

Toiletten sind (gegen Gebühr) geöffnet.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2021 | 07:40 Uhr

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