Modellprojekt Kultur Tanzen wie vor Corona: Test in Leipziger Club Distillery

Die Corona-Zahlen fallen, die Kultur kehrt langsam wieder zurück. Damit auch in den Clubs wieder Leben einkehren kann, findet am 12. und 19. Juni im Leipziger Club Distillery ein Modellprojekt statt: Partygänger können ohne Masken und ohne Abstand tanzen. Voraussetzung: ein negatives Testergebnis bei einem Antigentest und einem PCR-Pooltest. Begleitet wird das Modellprojekt von Wissenschaftlern und der Stadt Leipzig. Die Einzelheiten erklärt Steffen Kache, Chef der Distillery, im Interview.

MDR KULTUR: Wie wird das Modellprojekt heute Abend in der Distillery ablaufen?

Steffen Kache: Das Prozedere ist insgesamt gar nicht so einfach. Jetzt, gerade aktuell, finden die Testungen von allen Personen statt, die heute Abend kommen dürfen. Das heißt, zuerst gibt es einen Antigen-Schnelltest. Wenn der negativ ist, wird noch mal PCR-getestet. Das ist deswegen wichtig, weil kein es zweites Netz gibt.

Steffen Kache
Steffen Kache Bildrechte: Jörg Singer

Wir haben keine Abstände, wir haben keine Masken. Und deswegen ist es wichtig, dass wir es mit den Tests so sicher machen, dass niemand im Club ist, der andere anstecken kann.

Steffen Kache, der Chef der Distillery

Und dann, 19/20 Uhr, werden alle ihre Tests aufs Handy bekommen – und wissen dann "Okay, ich kann kommen!" Los geht es 23 Uhr. Wir haben eine kurze Zeit, wo wir Einlass machen und zwar zwischen 23 und 1 Uhr. Dann gehen wir davon aus, dass alle da sind. Und dann werden natürlich einige Dinge anders ablaufen, als es sonst so ist. Es wird nicht so sein, dass man einfach in den Club gehen kann. Man kann auch nicht rein- und rausgehen. Wer einmal draußen ist, kann auch nicht wieder reinkommen, weil wir diesen sicheren Space erhalten müssen.

Das klingt ganz schön aufwendig für insgesamt nur 200 Tanzende. Wäre das für Sie trotzdem ein gängiges, vielleicht auch realistisches Konzept, mit regelmäßigen Tests den Club irgendwann wieder langfristig aufzumachen?

Wir gehen davon aus, dass wir das noch eine ganze Zeit so brauchen werden. Zwar sieht diese sächsische Corona-Schutzverordnung vor, dass Clubs und Diskotheken wieder öffnen können. Wir haben trotzdem die Maskenpflicht – und Masken in einem Club werden nicht funktionieren. Das heißt, wir müssen Lösungen finden, wie wir diese sicheren Räume im schaffen. Und das ist unserer Meinung nach nur mit Testungen möglich.

Wir müssen natürlich versuchen, dass dieses Prozedere vereinfacht wird. Aber das testen wir jetzt in diesem gesamten Modellprojekt. Dass wir schauen, wo sind Dinge, die einfach unpraktikabel sind, wo es auch für die Gäste schwierig ist.

Distillery in Leipzig
Auch die Distillery in Leipzig war über viele Monate wegen Corona geschlossen. Bildrechte: imago images/Thomas Dietze

Und dann hoffen wir, ein Konzept zu haben, was wir dann auch für andere Clubs nutzen können, deutschlandweit. Um dann die Clubs wieder öffnen zu können. Weil wir auch davon ausgehen – viele reden von der vierten Welle im Herbst – und darauf müssen wir vorbereitet sein. Das hilft uns halt nix, wenn wir jetzt im Sommer aufmachen und dann wieder zumachen müssen. Und deswegen wollen wir das jetzt vorbereiten, um dann im Herbst so weit zu sein, dass wir, wenn es noch einmal eng wird, trotzdem offen bleiben können.

Wie sieht ihre Hoffnung aus? Könnte mit dem Modellprojekt diesmal wirklich ein erster Schritt Richtung Öffnung möglich sein? Auch längerfristig?

Wir sind zum Glück dieses Jahr in einer anderen Situation als im letzten Jahr. Wir haben dieses Jahr Impfungen – das heißt, die Zeit läuft eigentlich für uns. Es werden immer mehr Personen sein, die geimpft sind. Und damit sinkt auch das Risiko, dass wenn Indoor was passiert und doch hier mal jemand durchschlüpft, sich andere anstecken, beziehungsweise es zu einem Superspreading-Event kommt. Deswegen ist unsere Hoffnung ja zum einen, dass wir mittels dieses Modellprojektes und diesem Werkzeug, eine Lösung haben, um wieder aufzumachen.

Und auf der anderen Seite ist es auch nötig. Die Clubs sind praktisch seit anderthalb Jahren zu. Wir waren ja die ersten, die geschlossen haben, noch bevor wir es hätten tun müssen. Einfach weil wir gesagt haben, wir gehen dieses Risiko für unsere Gäste nicht ein. Und auch über das gesamte letzte Jahr waren ja nie Möglichkeiten da, dass wir wieder öffnen können.

Und es wird jetzt wirklich Zeit, dass wir Perspektiven bekommen. Weil die Crews schon ausbluten. Es sind schon sehr viele, die sich einfach neue Jobs gesucht haben, weil sie es einfach nicht aushalten, über anderthalb Jahre nichts zu tun.

Das Gespräch hat Moderatorin Constanze Kittel für MDR KULTUR geführt.

Infos zum Modellprojekt in der Distillery Leipzig Nachdem das Modellprojekt Kultur in Leipzig zunächst im Reallabor mit Formaten verschiedener Akteure startete, die laut Sächsischer Corona-Schutz-Verordnung keiner Genehmigung mehr bedürfen, folgte nun auch das Einvernehmen der Fachkommission vom Freistaat Sachsen für die Erprobung von Veranstaltungen im Clubbetrieb. Am 12. und 19. Juni 2021 können somit Tanzveranstaltungen ohne AHA-Regeln für 200 Gäste im Club Distillery ausgerichtet werden.

Ohne Masken und ohne Abstandsregeln darf im Club getanzt werden; Voraussetzung dafür sind negative Testergebnisse bei einem Antigentest sowie einem PCR-Pooltest. Bis spätestens 15 Uhr geben die Teilnehmenden am Tag der Veranstaltung ihre Gurgelprobe in der Distillery ab, bereits 19 Uhr liegt das Ergebnis digital vor. Ermöglicht wird das durch spezielle PCR-Pooltests in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, dem Klinikum St. Georg in Leipzig und dem Universitätsklinikum Leipzig.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juni 2021 | 12:10 Uhr

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