Europäischer Tag der Jüdischen Kultur Jüdische Kultur in Sachsen entdecken

Vor kurzem wurde in Görlitz die Synagoge als Kulturforum wiedereröffnet. Aber auch Dresden, Chemnitz, Freiberg, Leipzig und viele weitere Orte in Sachsen laden ein, die jüdische Kultur kennenzulernen. Zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 5. September haben wir Empfehlungen für Sie zusammengestellt, für Ausstellungen, Konzerte und Lesungen und mehr. In der Oberlausitz findet ein Musikfestival zu jüdischer Kultur statt, im Vogtland können Sie Hebräischkurse belegen und in Dresden israelisches Essen probieren.

Außenansicht der neuen Synagoge der Jüdischen Gemeinde Dresden
Die jüdische Gemeinde Dresden bietet einen Tag der offenen Synagoge an. Bildrechte: dpa

In der Görlitzer Synagoge jüdischer Poesie lauschen

Im Juli 2021 ist nach jahrelanger Sanierung die ehemalige Neue Synagoge nahe dem Stadtpark wiedereröffnet worden. In der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 hatten die Nazis das Gotteshaus zwar nicht wie vielerorts niedergebrannt, aber dennoch beschädigt. In der DDR diente der Bau als Lagerraum. Nun soll er als Kulturforum für Konzerte oder Vorträge genutzt werden. Wer das Kulturforum Görlitzer Synagoge besucht, kann multimedial auf Spurensuche durch die jüdische Geschichte der Stadt gehen. Aber auch Gottesdienste werden in dem Gebäude abgehalten. In der Alten Synagoge am Stadtrand werden ebenfalls Lesungen und kleine Konzerte veranstaltet. So heißt es dort am 9. September "Zur Heimat erkor ich mir die Liebe", ein Programm mit Musik und Poesie jüdischer Dichterinnen und Dichter wie Mascha Kaléko, Else Lasker-Schüler und Itzik Manager.

Innenansicht der Synagoge Görlitz.
Blick in die wiedereröffnete Görlitzer Synagoge. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

In Reichenbach mehr zum Judentum im Vogtland lernen

Chaim Noll
Chaim Noll Bildrechte: MDR/Secilia Pappert

Das Bildungs- und Begegnungszentrum in Reichenbach (Vogtland) beherbergt eine Dauerausstellung über jüdisch-christliche Kultur und Geschichte. Es soll Besucherinnen und Besuchern ein besseres Verständnis für das Judentum vermitteln und die jüdischen Wurzeln des Christentums veranschaulichen. Außerdem werden Seminare, Konzerte, Lesungen, Hebräischkurse und andere Veranstaltungen angeboten. Am 30. September ist der Schriftsteller Chaim Noll zu Gast und liest aus seinem Buch "Die Wüste".

Food Festival und Israelische Kunst in Dresden

Die Jüdische Woche Dresden soll ein Festival der Begegnung, des Entdeckens und des Vergnügens sein. Seit 1996 setzt es sich alljährlich unter einem Motto mit aktuellen Themen auseinander. 2021 geht es unter dem Titel "Hurra! Die Jekkes kommen" um die Facetten der jüdisch-deutschen Kulturgeschichte, auch in Israel. Frank London – bekannt u.a. von den Klezmatics – wird als Artist in Residence zentraler Künstler der Jüdischen Woche vom 30. September bis 13. Oktober sein. Das Angebot reicht von Musik, Literatur, und Theater über Filme, Angebote für Kinder und Jugendliche bis zu einem Food Festival oder einem Tag der offenen Synagoge.

Die Synagoge in Dresden
Die jüdische Gemeinde in Dresden bietet einen Tag der offnen Synagoge. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

In Dresden Musik jüdischer Komponisten wiederentdecken

Michael Hurshell ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. Außerdem leitet er die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden. Mit dem Ensemble führt er unter anderem Werke jüdischer Komponisten auf, die von den Nazis verfemt wurden, etwa von Filmkomponist Franz Waxman, der einst die Musik für "Den Blauen Engel" mit Marlene Dietrich als Lola arrangierte, von dem in Leipzig ausgebildeten Hollywood-Filmkomponisten und Oscar-Preisträger Miklós Rózsa oder dem in Auschwitz ermordetem Pavel Haas.

Live-Klezmer in der Oberlausitz erleben

Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz
Am Görlitzer Theater gibt es Musik von Leonard Cohen zu hören. Bildrechte: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

In der sächsischen Oberlausitz feiert das Sechsstädtebundfestival "Kommen und Gehen" dieses Jahr rund um die Musik Perspektiven auf jüdisches Leben, Kunst und Kultur. Dazu gehören ein Konzert mit Kammermusik von Mieczysław Weinberg und Dmitry Schostakowitsch sowie die Lichtinstallation "Dia Spora" am 16. September in Weißenberg. Außerdem das Abschlusskonzert "Ich habe vor, für immer zu leben" am 21. November im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau, mit Musik von und zu Leonard Cohen sowie einer musikalischen Lesung von Robert Stadlober, Klara Deutschmann und Daniel Moheit zu Fluchtgedichten von Stefan Heym.

Ausstellungen, Bücher, Konzerte

Ausgewählte Veranstaltungstipps

Chemnitz
"Das Schocken" in Chemnitz war modernes Kaufhaus für die einfachen Leute. Untergebracht ist dort heute das smac, ein Museum für Archäologie. Darin erinnert eine Dauerausstellung an die Geschichte des Gebäudes, seinen Architekten und den Konzernmitbegründer Salman Schocken.

Das Buch "Moderne ohne Bauhaus" zeigt das architektonische Erbe jüdischer Unternehmer in Chemnitz. Vor allem die Industriebauten stellt das Autorenteam, ein Historiker und ein Architekt, vor.

Dresden
"Rethinking Stadtgeschichte: Perspektiven jüdischer Geschichten und Gegenwarten", so heißt eine Intervention in der Dauerausstellung des Stadtmuseums Dresden. In Wohnzimmern, Kellern oder Garagen stehen heute noch Objekte, die Geschichten erzählen können, so die Idee. (30.09.21-31.12.21)

Bücher, die die Nazis jüdischen Menschen raubten, landeten später in DDR-Bibliotheken und privaten Bücherregalen – oder in der SLUB Dresden. Die Rückgabe an die Besitzer ist nicht einfach, wie diese virtuelle Ausstellung zeigt.

Freiberg
Erstmals wurde mit der Schau "Verwoben: 800 Jahre jüdisches Leben in Freiberg – eine Spurensuche" dieser Teil der Stadtgeschichte dokumentiert. Nun gibt es in einer digitalen Variante Einblicke.

Leipzig
Eine Schau im Mädler Art Forum Leipzig widmet sich unter dem Titel "... und sie malten doch!" dem Werk von "Malerinnen des expressiven Realismus", dazu gehört auch die jüdische Malerin Käthe Loewenthal. (28.04.21-13.11.21)

Der Alte Israelitische Friedhof zu Leipzig wurde als Zeuge jüdischer Kultur und Tradition inzwischen vollständig dokumentiert. Außerdem entsteht eine umfangreiche Webpräsentation.

Im September laden die jüdischen Gemeinden in Deutschland ein, das Laubhüttenfest Sukkot als Begegnungsfest zu feiern. In Leipzig gibt es Workshops vor der bundesweiten Feier vom 20. bis 27. September.

"Walter Kaufmann – Welch ein Leben!" - Der Dokumentarfilm über die unglaubliche Lebensgeschichte des Schriftstellers und Korrespondenten vom rettenden Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt feiert Vorpremiere am 22. September im Leipziger Erich-Zeigner-Haus.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. September 2021 | 09:15 Uhr

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MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei