UNESCO-Weltkulturerbe Görlitz nimmt neuen Anlauf auf Weltkulturerbe-Titel

Görlitz feiert in diesem Jahr 950. Geburtstag – und nimmt zum Stadtjubiläum auch seine Bemühungen in Sachen Weltkulturerbe wieder auf. Hatte die Bewerbung um den begehrten UNESCO-Titel im Jahr 2012 noch die Hallenhäuser der Altstadt im Fokus, hebt man nun die Bedeutung der Stadt für den Handel in der Frühen Neuzeit hervor. Archäologische Funde aus verschiedenen Ländern belegen, wie Waren aus Görlitz um die Welt gingen.

So schön ist Görlitz
Blick auf die Altstadt von Görlitz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu den Zukunftsstrategien der Stadt Görlitz gehört auch, endlich auf die Welterbe-Liste der UNESCO zu kommen. Der Weg ist bekanntermaßen lang und führt über die deutsche Tentativliste. 2012 bereits hatte sich Görlitz dafür mit den für die Altstadt typischen Hallenhäusern beworben. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich dieser Bautyp als Wohn- und Geschäftshaus der Großkaufleute.

Bewerbung mit neuem Schwerpunkt

Aber die von der Kultusministerkonferenz eingesetzte international besetzte Fachkommission zur Bewertung der potentiellen deutschen Welterbestätten hatte der Bewerbung zwar Potential bescheinigt, aber den Antrag zurückgestellt und eine Qualifizierung und Erweiterung angeregt. Und genau das ist jetzt passiert. Nicht nur die 33 noch vorhandenen Hallenhäuser stehen im Zentrum, sondern Görlitz und seine Rolle im zentraleuropäischen Handel in der Frühen Neuzeit. 

Jasper von Richhofen, der Leiter der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, erläutert diesen Bewerbungsschwerpunkt: "Es geht im Grunde um alle Strukturen, die also mit diesem internationalen Handel zu tun haben. Dazu gehören natürlich die Hallenhäuser als Kaufmannspaläste, so kann man sie ja schon bezeichnen, aber auch so etwas wie die Waage am Untermarkt. Das ist natürlich ganz wichtig für Handel und Gewerbe."

Görlitzer Tuchplomben auf den Lofoten

Für eben diese Netzwerke stehe Görlitz. Das sei an beweglichen Denkmälern nachweisbar, so von Richthofen weiter: "Also was ganz phantastisch ist, was mir zum Beispiel neu war: Es gibt Funde von Tuchplomben, das sind sozusagen Garantieurkunden für die Qualität der Görlitzer Tuche, die werden als archäologische Funde gefunden, zum Beispiel in der Gegend von Moskau, am Zarenpalast, am Nordkap in Norwegen, in Böhmen und Ungarn sowieso. Im Gegenzug zu diesen Tuchen ist Stockfisch, getrockneter Fisch, von den Lofoten, vom Nordkap hier in unsere Richtung verhandelt worden. Das zeigt einfach diese Netzwerke und das kann man natürlich auch mit Quellen dann nachweisen."

Dafür ist Görlitz mit seinem Ratsarchiv, es ist eines der bedeutendsten Stadtarchive Deutschlands, prädestiniert. Jetzt heißt es also Daumen drücken und fürs Welterbe trommeln – und Geduld haben: Im Dezember 2022 wird der Abschlussbericht des Fachbeirates erwartet, erst dann wird die Tentativliste aktualisiert; frühestens im Jahr 2024 wird sie dann bei der UNESCO eingereicht.

Mehr Kultur aus Görlitz

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Mai 2021 | 18:05 Uhr

Abonnieren