Programmhighlights Kulturjahr 2022: Warum sich in Halle alles um Gefühle dreht

Das Kulturjahr Halle 2022 steht unter dem Motto "Die Macht der Emotionen". Neues Theater, Stadtmuseum oder Staatskapelle setzen angesichts des neuen Themenjahres bei ihren Veranstaltungen auf Gefühle – von Freude über Ekel und Melancholie bis Trauer. Insgesamt beteiligen sich mehr als 40 Einrichtungen aus den Bereichen Kunst, Theater, Musik, Religion, Wissenschaft oder Politik an dem kulturellem Themenjahr. Die Highlights aus dem Programm wurden nun vorgestellt.

In einer Ausstellung hängen Banner von der Decke mit Fragen wie "Wofür wollen Sie erinnert werden?" oder "Ist der Tod das absolute Ende?" 6 min
Bildrechte: Körber Stiftung

"Die Menschen betrachten sich ja gerne als vernuftbegabte Menschen", meint Thomas Müller-Bahlke, doch der Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle weiß auch, dass "viele Entscheidungen, die wir im Leben treffen, meist von Emotionen gelenkt werden". Sei es die Liebe, sei es die Wahl des Urlaubsortes oder sei es auch nur die Art, wie wir auf Konsumversprechungen reagieren. Deshalb sei es an der Zeit, sich diesem Thema stärker zuzuwenden.

Stadtmuseum und Neues Theater lösen Frankesche Stiftung ab

So setzt die zweite Auflage eines Kulturthemenjahres in der Stadt Halle auf "Die Macht der Emotionen". Nachdem im letzten Jahr dafür die Franckeschen Stiftungen den Hut auf hatten, teilen sich diesmal das Stadtmuseum und das Neue Theater die Aufgabe. Dafür haben sie schon einige Mitstreiter im Kulturboot – von der Martin-Luther-Universität über die Katholische Akademie des Bistums Magdeburg und den Museen bis hin zu Touristik-Unternehmen und Vereinen.

Im Podium sitzen von links Christin Müller-Wenzel, Jane Unger und Matthias Brenner.
Die Pläne für das Hallesche Themenjahr "Die Macht der Emotionen" wurden von Christin Müller-Wenzel, Jane Unger und Matthias Brenner vorgestellt. Bildrechte: Nicole Krosch

Dieses Zusammenspiel hat im letzten Jahr schon gut geklappt, bilanziert Christin Müller-Wenzel den ersten Jahrgang der Kulturdekade. Da lieferte das Salz das vereinende Element und wurde sogar mit einfallsreichen Stadtmöbeln gekonnt und nachhaltig in Szene gesetzt.

Die Bänke stehen noch immer an mehr als einem Dutzend Orten in Halle, laden zum Verweilen ein und auch zum Staunen. Einmal über die dort angepflanzten Salzpflanzen, den Halophyten, wie man jetzt weiß. Zum anderen verwundert es, dass diese Möbel bislang noch keinem Stadt-Vandalen zum Opfer gefallen ist. Ein gutes Zeichen!

Emotionen im urbanem Raum entdecken

Auch beim diesjährigem Themenjahr "Macht der Emotionen" soll der urbane Raum bespielt werden, bestätigt die Projektkoordinatorin. Christin Müller-Wenzel nennt einen Emotionspunkt, wie er beispielsweise am Bahnhof errichtet werden kann: "Mit einem solchen Ort verbinden sich vielerlei Gefühle, Abschiedsschmerz und Melancholie wie gleichermaßen Freude über das Ankommen, das Wiedersehen mit Freunden. All das wollen wir dort erlebbar machen."

Graffitibeschmierter S-Bahnhof Halle-Neustadt
Von Abschiedschmerz bis Wiedersehensfreude: Auch der Bahnhof Halle-Neustadt hat Macht über Emotionen. Bildrechte: imago/Koall

70 Jahre Jugendtheater soll mit Festwoche gefeiert werden

Für Schauspielchef Matthias Brenner gehören Emotionen zum täglichen Brot. Doch ginge es eben nicht nur um den künstlerischen Alltag auf der Bühne. Es nütze nichts, nur überall im Programmheft das Emotionslogo aufzukleben, vielmehr sollten die Geschichten eben auch neu erzählt werden.

Der Intendant des Neuen Theaters sieht da besonders die Veranstaltungen außerhalb des normalen Spielplans in der Pflicht. Das Gefühl des Verlustes könne dabei beispielsweise durchaus hilfreich sein, Pläne zu schmieden, Unmögliches zu träumen und Neues zu schaffen.

Dabei schielt Brenner sehr deutlich und keinesfalls emotionslos auf das einstige Puschkinhaus, wo das Kinder-und Jugendtheater "Junge Garde" zu Hause war und das seit Jahren kaum genutzt wird. Seit 70 Jahren gäbe es in Halle ein Kinder- und Jugendtheater-Ensemble, nun integriert im Neuen Theater. Aus diesem Anlass bereitet Matthias Brenner auch eine ganze Festwoche vor, natürlich unter dem Logo des Stadtthemenjahres.

Themenjahr mit mehr als 100 Veranstaltungen

Fast einhundert Veranstaltungen führt der Themenkatalog schon auf, den Christin Müller-Wenzel im Stadtmuseum Halle präsentierte. Da geht es um "Leben am Scheidepunkt", mit dem die Staatskapelle Halle musikalisch Tod und Todesahnung erklingen lassen will.

In einer Ausstellung hängen Banner von der Decke mit Fragen wie "Wofür wollen Sie erinnert werden?" oder "Ist der Tod das absolute Ende?"
Das Kirchspiel Halle beteiligt sich mit der Ausstellung "Dialog mit dem Ende – Eine Ausstellung über die Endlichkeit und das Leben" am emotionalem Themenjahr in Halle. Bildrechte: Körber Stiftung

Da werden in den Franckeschen Stiftungen "fromme Gefühle in alten Büchern" beschworen, da visualisiert der Verein KunstQuell beispielsweise "Zukunfts-Angst" und Wissenschaftskommunikatoren von Science2public wecken sicherlich sehr unterschiedliche Gefühle, wenn zu einem besonderen Menü einladen, bei denen u.a. auch Maden kredenzt werden.

Am 6. Februar 2022 startet das Themenjahr "Die Macht der Emotionen" dann offiziell – leider nur digital, aber hoffentlich mit analogen Gefühlen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Februar 2022 | 17:10 Uhr

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