Projekt "DASmutigeINGE" Graffiti-Künstler gestalten Hauswand in Magdeburg

Mit dem Kunstprojekt "DASmutigeINGE" macht in Magdeburg die Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke auf sich Aufmerksam. Bei der Sanierung eines zehnstöckigen Hochhauses im Stadtteil Neue Neustadt arbeitet sie bei der Gestaltung mit Graffiti-Künstler Robin Zöffzig und dem Sprayer-Team von Strichcode zusammen. Die Werke sind eine Symbiose aus Graffiti, vertikalem Garten und einem überdimensionalen Gemälde.

Ein leuchtend buntbemalte Fassade eines Hochhauses
Das Fassadengemälde "Badeverbot am Neustädter See" von Robin Zöffig ziert das Hochhaus in der Lübecker Straße. Bildrechte: MDR/Sandra Meyer

Im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt leuchtet einem schon vom weitem die bunt bemalte Fassade eines Hochhauses in der Lübecker Straße entgegen. Merkwürdige Figurinen – offensichtlich Frauen mit Helm, Hasenmaske und enganliegenden Badeanzügen – stehen hochhackig mit Flamingo-Reifen an einem Steg. Eine sitzt hingegen nackt mit dem Rücken zum Betrachter. Es ist das Fassadengemälde "Badeverbot am Neustädter See" von Robin Zöffzig.

Eine andere Perpektive nötig

Ein leuchtend buntbemalte Fassade eines Hochhauses
"DASmutigeINGE" im Stadtteil Neue Neustadt ist nicht zu übersehen. Bildrechte: MDR/Sandra Meyer

Der gebürtige Magdeburger hat an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle studiert und nun die Fassade des zehngeschossigen Hochhauses gestaltet – im Rahmen des Projektes "DAsmutigeINGE" der Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke. Kunst am Bau auf 170 Quadratmeter war auch für ihn Neuland, wie der Maler sagt. "Es ist tatsächlich anders: Bei einem Gemälde arbeite ich mit Lasuren und hier mit deckenden Farben. Dennoch habe ich auch Farben aus Acryl dabei, die sich ähnlich wie Ölfarben verhalten". Damit habe er bereits Erfahrung, nur dass diesmal der Maßstab größer sei und er größere Pinsel brauche.

Die erste Angst vor der Höhe habe er schnell überwunden, dann sei es nur noch um Farbkraft und Perspektive gegangen. Denn damit es von unten wirkt, müsse man alles neu denken, erklärt Zöffig: "Denken wir mal an Florenz an den David, der hat eigentlich einen viel zu großen Kopf, aber wenn man unten steht, dann funktioniert das. Ich habe das auch ein bisschen ausgeglichen und habe da altmeisterlich mit einem Raster gearbeitet."

Unterstützung vom Sprayer-Team Strichcode

Die Passanten bezeichnen das Bild knallig und knackig. Zöffzig selbst wollte ein Feelgood-Bild malen, wie er sagt, auf dem sich Leute sonnen, coole Musik hören, es sich gut gehen lassen und dennoch nicht baden können, wegen des Klimawandels. Bei der Ausführung hatte Zöffzig Hilfe vom Magdeburger Sprayer-Team Strichcode, das selbst bereits etliche Mauern und Fassaden in Magdeburg gestaltet hat.

Neben der Zuarbeit für Zöffig durfte das Strichcode-Team aber auch selbst einen Teil der Fassade gestalten: ein Graffiti, das mit einem vertikalen Garten koaliere, erklärt Projektentwickler Alexander Bies. "Vertikaler Garten heißt, es werden mit Unterkonstruktionen Pflanzkästen oder Substratkästen an die Hauswand angebracht, in der dann Pflanzen wachsen können." Man setze auf essbare und insektenfreundliche Bepflanzung.

Computergesteuerter Tank zur Bewässerung

Zwar ist das Heizhaus, an dem der Garten entstehen soll nicht hoch, dennoch ist das Ganze recht kompliziert. "Bei dem Objekt arbeiten wir mit sechs Bewässerungszonen und zwei Vegetationszonen. Wir haben einen 10.000 Liter-Tank, der über Computer gesteuert die Bewässerung und die Nährwert Zufuhr regelt", so Bies. Bis das Grün sprießt, braucht es noch Zeit – wie auch die restliche Sanierung des Gebäudes. Nur die beiden Wandgemälde leuchten bereits lebensfreudig bunt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juli 2021 | 06:10 Uhr

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