Ehemalige Buntpapierfabrik IBUG-Festival Sachsen: Industriebrache in Flöha wird zum Kunsttempel

Eine alte Industriebrache durch Kunst aus dem Dornröschenschlaf erwecken – das macht die IBUG, das internationale Festival für urbane Kunst. Dieses Jahr findet es zum 16. Mal statt – diesmal in der Buntpapierfabrik in Flöha, einem verlassenen Gebäude, das den Künstlerinnen und Künstlern mehr als nur morbiden Charme bietet. Sie nutzen auch Fundstücke vor Ort, was bei einer ehemaligen Produktionsstätte für buntes Papier besondere Inspirationsquellen bietet.

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Stencil Werk von Marshal Arts in der ehemaligen Buntpapierfabrik in Flöha Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Zum 16. Mal findet das Festival IBUG statt, das mit seiner Abkürzung für "IndustrieBrachenUmGestaltung" steht und genau das zum Ziel hat. Diesmal zieht in die seit den 90er-Jahren geschlossene Buntpapierfabrik in Flöha wieder Leben ein – künstlerisches Leben. Auf dem Gelände mit verrosteten Rohrleitungen, übrig gebliebenen Papierrollen und verlassenen Produktionshallen wirken die nächsten drei Wochen insgesamt 60 Maler, Street-Art-Künstlerinnen und Medienkünstler. Auf sie warten drei Stockwerke mit schätzungsweise 5.000 Quadratmetern. Entstehen sollen neben Street-Art auch Installationen, Skulpturen und Murals, also Wandmalereien.

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Die ehemalige Buntpapierfabrik in Flöhe wird zu neuem Leben erweckt Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Das Festival für urbane Kunst wird von einem Verein von Ehrenamtlichen getragen, der jedes Jahr eine andere Industriebrache von Künstlern gestalten lässt: dieses Jahr zum 16. Mal. Die Künstlerinnen und Künstler leben auf dem Gelände. Sprayen, Malen und Installieren gehört dabei genauso dazu wie essen, schlafen und abends zusammensitzen. Eine Ferienlager-Stimmung.

Fabrikfunde werden Kunst

Der Illustrator Robert Deutsch aus Leipzig ist zum dritten Mal dabei. Er streicht eine Wand mit Pigmenten, die er in der Fabrik gefunden hat. "Ich habe diese ganzen Pigmente und Papierrollen in der Fabrik entdeckt und ich dachte mir: das sind die Dinge, die ich aufgreifen will." Und zwar in einem Bild, in dem aus einem Wald an der Wand dann schließlich die Papierrollen im Fabrikgebäude herausrollen.

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Eines der ersten Kunstwerke der diesjährigen IBUG Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Sonst arbeitet Deutsch in seiner Kunst relativ kleinformatig, eine ganze Wand zu gestalten fordert ihn. Dass es keine Gage oder Bezahlung gibt, stört ihn weniger. Für ihn geht es vor allem um den Austausch in der Gruppe, sagt er. Wenn er im Atelier sei und keine Aufträge habe, arbeite er auch für sich. Das sei immer ein Vorankommen.

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Der Leipziger Illustrator Robert Deutsch Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Manch einer macht eine Fortbildung, ich mache die IBUG.

Robert Deutsch, Künstler

Nicht nur Deutsch nutzt die hinterlassenen Utensilien der Buntpapierfabrik. Die noch vorhandenen bunt gemusterten Farbdrucke, Papierrollen und Tapeten werden auch von anderen in ihre Kunst eingebunden. So soll die Geschichte des Ortes Teil der IBUG werden, sagt Rahel Pötschke. Die 27-Jährige ist schon seit sieben Jahren im Organisationsteam der IBUG. Es gehe bei der Brache nicht darum, sie wegzumalen oder zu übermalen. Vielmehr sei das Ziel, sie hervorzuheben und ganz sensibel damit umzugehen, sagt sie.

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Auch vorgefundene Materialien können von den Künstlerinnen und Künstlern verwendet werden. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Zehntausend Besucher erwartet

Pandemiebedingt gibt es in diesem Jahr drei Kreativ-Wochen mit jeweils ca. zwanzig nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Und auch die Möglichkeit, die Buntpapierfabrik zu besuchen, wurde von einem auf drei Wochenenden ausgedehnt, beginnend ab Ende August. Vor Corona kamen zehn- bis zwanzigtausend Menschen zur IBUG. Dieses Jahr könnten es über viele Zeitslots verteilt knapp 10.000 Besucherinnen und Besucher werden.

Die Vereinsmitglieder wissen, es ist nur eine Aktion auf Zeit. Sie möchten jedoch etwas schaffen, was über das Kunstfestival hinausgeht und in die Stadt zurückwirkt.

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Rahel Pötschke Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Klar, aus einer Großstadt in eine Kleinstadt zu gehen und da ein Festival machen, kann jeder.

Rahel Pötschke vom IBUG-Team

Der Anspruch der IBUG sei es, auch historische Aufarbeitung sowie ein kulturelles Angebot zu schaffen, das die Personen vor Ort interessiere und nicht abschrecke. So besuchen Schulklassen das Gelände, auf einem Podium wird mit lokalen Akteuren diskutiert, Firmen und Ehrenamtliche aus Flöha helfen aus. Und ehemalige Arbeiterinnen und Arbeiter der Fabrik erzählen ihre Geschichte – woraus am Ende ein Film entstehen soll.

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Ein Kunstwerk aus Buntpapier, das in der Fabrik Flöha hergestellt wurde Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Was wird von der IBUG 2021 bleiben?

Die Kommune Flöha ist seit zwei Jahren Eigentümerin des Geländes. Die Initiative, das Festival in die Zehntausend-Einwohner-Stadt östlich von Chemnitz zu holen, kam aus der Stadt selbst, so Oberbürgermeister Volker Holuscha. Es sei eine beachtliche kulturelle Veranstaltung, sagt er.

Ich sehe darin eine Aufwertung der Stadt. Zumal sich Chemnitz und die Chemnitzer Region gerade auf dem Weg zur Kulturhauptstadt 2025 befindet.

Volker Holuscha, Oberbürgermeister von Flöha

Was am Ende des Festivals mit dem Gelände voller Kunst passiert, ist noch unklar. Andere Fabriken, in denen die IBUG stattfand, wurden anschließend abgerissen, das Festival teils als Abschied von der industriellen Vergangenheit genutzt. In Flöha soll es kein Abschied werden. Die Stadt hofft auf einen Investor für die Buntpapierfabrik. Wie viel Kunst dann erhalten bleibt, ist offen.

Kunst und Kultur an besonderen Orten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. August 2021 | 08:45 Uhr

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