Vor 95 Jahren Das Zeiss-Planetarium Jena ist das betriebsälteste Sternentheater

Das sich die Erde um die Sonne dreht, ist klar. Aber so recht vorstellen, was am Himmel vor sich geht, fällt schwer. Abhilfe schaffen Planetarien. Dort kann man Planeten beobachten, wie sie ihre Bahnen ziehen, wird der Sternenhimmel ins Museum geholt. Als das Jenaer Sternentheater am 18. Juli 1926 eröffnet wurde, war es das zweite Planetarium auf der Welt und heute ist es das am längsten existierende. Von hier traten Zeiss-Planetarien ihren Siegeszug bis nach Stockholm, Mailand und Chicago an.

Carl Zeiss Planetarium Jena
2021 wird das Planetarium in Jena 95 Jahre alt. Bildrechte: IMAGO / VIADATA

"Nie ist ein Anschauungsmittel geschaffen worden, dass so instruktiv wäre wie dieses." Die Lobesworte von Elis Strömgren, Direktor der Kopenhagener Sternwarte, werden immer noch gern zitiert. Dabei sprach er sie schon 1925:

Das Planetarium ist Schule, Theater, Film auf einmal – und ein Schauspiel, bei dem Himmelskörper die Akteure sind.

Elis Strömgren, Sternwarte Kopenhagen (1925)

Die Idee dafür hat Oskar von Miller schon 1913. Der Direktor des Deutschen Museums in München will den Sternenhimmel ins Museum holen. "Dabei war zunächst daran gedacht worden, die Fixsterne durch kleine Glühlämpchen dazustellen, die auf einer aus Blech hergestellten Kugelschale anzubringen wären. Zur Darstellung der Himmelsdrehung hätte die ganze Schale um eine der Richtung der Erdachse entsprechende schräge Achse gedreht werden müssen", schreibt der Jenaer Ingenieur Walther Bauersfeld, der Miller das Planetarium bauen soll. Viel zu kompliziert, findet Bauersfeld und stellt die Idee vom Kopf auf die Füße. Statt den Himmel – sprich die Kuppel – zu drehen, sollen die Sterne in einer Kugelschale ihre Bahnen ziehen.

Technisch ausgeklügelte Illusion des unendlichen Raumes

Besucher gehen beim «Carl Zeiss Tag» in Jena (Thüringen) in das Zeiss Planetarium.
Von Jena aus schafften es Zeiss-Planetarien bis nach Chicago. Bildrechte: dpa

Bauersfeld cleverer Gedanke dahinter: "Da die Projektionsfläche in ihrer glatten, halbkugeligen Form dem Beschauer keine Gelegenheit mehr gibt, Tiefenunterschiede wahrzunehmen, so fehlt bei verdunkeltem Raum dem Augenpaar der Maßstab für die Tiefe überhaupt: Man gelangt daher leicht zu der Illusion des unendlichen Raumes."

Das erste Planetarium bauen die Jenaer für das Deutsche Museum, testen aber gleichzeitig auf dem Dach der Zeiss-Werke, ob solche Sternentheater tatsächlich Leute anlocken. 1926 bekommt Jena also sein eigenes Planetarium. Noch im gleichen Jahr folgen Leipzig, Dresden und Berlin. Bald gibt es Zeiss-Planetarien auch in Wien, Stockholm, Mailand und Chicago. Die Menschen fasziniert es, am helllichten Tage Sonne, Mond und Sterne zu sehen, in vier Minuten ein Jahr zu durchleben oder in die Geschichte der Sternbilder einzutauchen.

Am helllichten Tage Sonne, Mond und Sterne sehen

Planetarium Jena
Das Planetarium Jena holt den Sternenhimmel ins Museum. Archivbild. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Der Planetarienbau wird für Carl Zeiss ein wichtiges Geschäftsfeld. Errichtet werden kleine Planetarien für den Schulunterricht ebenso wie technisch perfekte, die weit mehr als Planetenbahnen zeigen. "Die Ergebnisse der jüngsten Kosmos-Forschung sind in einer solchen Form berücksichtigt worden, dass man von der Erde zum Mond fliegen kann. Und vom Mond die Erde und den Sternenhimmel hinter der Erde betrachten kann", erzählt Klaus Mütze, als der VEB Carl Zeiss Jena 1979 in Paris ein neues Planetarium einrichtet.

Heute sind nicht allein Sterne, Kometen und Planeten im Jenaer Planetarium zu bewundern, sondern auch ganz irdische Stars. Space-Rock-Shows oder Queens "Heaven" haben regelrechte Fanclubs. Auch wenn die echten Sterne immer noch die Stars aller Planetarien-Shows sind.

Sternenshow im Planetarium
Sternenshow im Planetarium Jena. Archivbild. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kultur in Jena

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Juli 2021 | 08:45 Uhr

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