Wittenberg Der Weg zum ersten Luther-Denkmal Deutschlands

Seit exakt 200 Jahren steht Martin Luther, mit einer Bibel in der Hand, auf dem Wittenberger Marktplatz. Als erstes Denkmal in Deutschland für eine nichtadlige Person, markiert dieses den Beginn einer neuen Zeit. Der Weg dahin war nicht leicht.

Denkmal des Reformators Martin Luther in Wittenberg 4 min
Bildrechte: imago/epd

Friedrich-Wilhelm III. bereitet den Weg zum Denkmal. Er gibt nicht nur 500 Taler, sondern auch der "unterthänigsten Bitte" statt, "den eingehenden Geldern Portofreiheit in preußischen Landen zu gestatten und zu erlauben, dass die Gelder bis zu ihrer Verwendung gegen gewöhnliche Zinsen in der Bank zu Magdeburg niedergelegt werden dürfen".

Die Ausschreibung für ein Luther-Denkmal

Die Bitte kommt 1804 von der Königlich-Preußischen-Vaterländisch-Literarischen Gesellschaft in Mansfeld und die eingehenden Gelder sollen für ein Luther-Denkmal verwendet werden. An der Ausschreibung beteiligen sich 19 Künstler, es gewinnt Professor Friedrich Weitsch mit einem "kollassalischem Obelisk" aus Eisen.

Dieser übertreffe an Höhe alle übrigen, selbst den höchsten zu Rom, er erhebe sich wo möglich hundert Fuß über das Postament.

Königlich-Preußischen-Vaterländischen-Literarischen Gesellschaft Mansfeld

Doch die Zeiten sind ungünstig für Denkmäler. Napoleon erobert im Eiltempo Deutschland und die gesammelten Gelder werden als Anleihe für die französische Armee zweckentfremdet.

Denkmal des Reformators Martin Luther in Wittenberg 4 min
Bildrechte: imago/epd
Denkmal des Reformators Martin Luther in Wittenberg 4 min
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Eine Entscheidung für Wittenberg

Erst nachdem Napoleon sein Waterloo erlebte, kommt wieder Bewegung in die Denkmalsgeschichte. Durch den Wiener Kongress sind nun Mansfeld, Eisleben und Wittenberg preußisch geworden und die Denkmals-Idee wird in Berlin entschieden. Mansfeld – zu klein, zu abgelegen, die Burgen zu marode. Geburts- und Sterbeort Eisleben soll nur eine Kopie erhalten, entscheidet Friedrich Wilhelm.

Johann Gottfried Schadow
Johann Gottfried Schadow Bildrechte: imago images/Bildagentur-online \ UIG

Der Bildhauer Johann Gottfried Schadow schreibt damals in seiner Autobiographie: "Hiernach erfolgte unterm 18. October 1817 die königliche Entscheidung, daß nach des Künstlers Vorschlage eine kolossale Bildsäule Luthers von Bronze, die Bibel in der linken Hand, auf einem viereckigem, mit angemessenen architektonischem Verzierungen versehen Fußgestelle von rotem Granit...auf dem Markte zu Wittenberg errichtet und der Grundstein dazu am 1. November, als am zweiten Tage der Säkularfeier des Reformationsfestes, in Gegenwart Seiner Majestät des Königs gelegt werden sollte."

14 Tage vom Entwurf zur Grundsteinlegung

Der Bildhauer hatte sich erfolglos an der Ausschreibung von 1804 beteiligt, soll nun aber das Denkmal schaffen. Viel Zeit für neue Entwürfe bleibt ihm nicht, denn nur 14 Tage später wird ganz pompös die Grundsteinlegung gefeiert. Nach dem Mittagsmahl im Wittenberger Gasthof "Zur Traube" kommt es zu einem folgenreichen Gespräch mit dem Kronprinzen.

Das Lutherdenkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg
Bildrechte: dpa

Es ist des Herrn Kronprinzen Idee, daß die Statue unter einem Baldachin zu stehen komme, wenn nicht von Bronze, so doch von Eisen, und da dies gotischer Geschmack ist, so wäre die Zeichnung davon dem Herrn Schinkel zu übertragen.

Johann Gottfried Schadow "Kunstwerke und Kunstansichten"

Wahl der Inschriften

Die von Schadow entworfenen Reliefs verwirft Friedrich-Wilhelm III. Stattdessen sollen auf dem Sockel vier von ihm ausgewählte Bibelstellen zu lesen sein und auf der Rückseite ein Dank an die Mansfeldische Gesellschaft für ihre Idee zum Lutherdenkmal.

Durch diesen Befehl kam Schinkel in Verlegenheit, fünf Inschriften auf vier Seiten anzubringen.

Johann Gottfried Schadow "Kunstwerke und Kunstansichten"

Ein Prototyp für folgende Luther-Denkmäler

Inschrift des Luther-Denkmals in Wittenberg
Eine Inschrift des Luther-Denkmals in Wittenberg Bildrechte: IMAGO / epd

Als vier Jahre nach der Grundsteinlegung Johann Gottfried Schadows Denkmal enthüllt wird, da steht Luther unter einem Baldachin und auf dem Sockel sind nur drei Bibelstellen zu lesen.

Mit Luther, der in seiner linken Hand die Bibel hält, schafft Schadow den Prototypen für alle folgenden Lutherdenkmäler. Nicht an den aufmüpfigen Augustinermönch wird erinnert, sondern Luther wird als Religionsstifter und Begründer der evangelischen Kirche dargestellt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Oktober 2021 | 08:45 Uhr

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