Neue Aktion "KulturAUFsuche": Kulturelle Entdeckungsreise durch Magdeburg

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Industrie in Buckau, Café-Kultur in Sudenburg, DDR-Geschichte am Moritzplatz: In Magdeburg haben sich mehrere soziokulturelle Häuser zusammengeschlossen und bieten einen kulturellen Spaziergang an – mit Rätseln und allerlei Wissen zum Mitnehmen, für Kinder und völlig Corona-konform.

Eine verschiedenfarbige Karte weist auf einen kulturellen Spaziergang mit dem Namen "KulturAUFsuche" in Magdeburg hin.
In Magdeburg haben sich mehrere soziokulturelle Häuser zusammengeschlossen und bieten kulturelles Geocaching an. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Aus einem Lautsprecher unweit des Literaturhauses in Magdeburg dringt eine Stimme. Sie erzählt von einem Ameisenbuben und dessen aufregender Begegnung mit einem großen Tier. Wer den pointiert vorgetragenen Zeilen lauscht, sollte dies aufmerksam tun. Wie sonst sollte man schließlich erahnen, welchem Tier das Ameisenkind begegnet ist?

Die Stimme aus dem Lautsprecher ist die von Iris Albrecht, Schauspielerin am Theater Magdeburg. Albrecht hat einige Geschichten des Magdeburger Schriftstellers und Ehrenbürgers Erich Weinert neu vertont. Mal geht es um "die Dichters", mal eben um den Ameisenbuben. Indem sie Weinerts Geschichten neu vertont hat, gehört Iris Albrecht zu einer Reihe Kulturschaffender in Magdeburg, die die nun schon Monate währende Zwangspause für die Kulturszene nicht einfach hinnimmt – sondern aktiv geworden ist. Die Geschichte vom Ameisenbuben wird deshalb auch nicht einfach so erzählt. Vielmehr ist sie Teil einer Aktion, die Kultur auch in Zeiten eines Lockdowns leben lassen will – ganz Corona-konform, versteht sich.

Blick auf das Literaturhaus Magdeburg
Das Literaturhaus Magdeburg ist auch Teil von "KulturAUFSuche". Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Von Kreativität bis zu knallharter DDR-Geschichte

"KulturAUFsuche" nennt sich das und ist eine Art kultureller Spaziergang zum Entdecken – quer verteilt durch drei Stadtteile Magdeburgs. Wer mitmacht, braucht eine spezielle Karte und muss dann kleine Aufgaben lösen. Hinter der Aktion stecken die Köpfe mehrerer soziokultureller Häuser in der Landeshauptstadt: Der Moritzhof in der Neuen Neustadt ist dabei, die Feuerwache im Stadtteil Sudenburg, das Volksbad in Buckau – und eben das Literaturhaus. "Im Übrigen das Geburtshaus von Erich Weinert", wie die freundliche Mitarbeiterin des Buckauer Volksbades erzählt, als man sich an jenem Sonnabend Mitte März zufällig trifft.

Eine Statue des Magdeburger Schriftstellers Erich Weinert steht in einem Park im Stadtteil Buckau.
Der Schriftsteller Erich Weinert ist Ehrenbürger Magdeburgs. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Insgesamt 15 kulturell bedeutende Orte in Magdeburg haben sie herausgesucht. An jedem einzelnen wartet ein Rätsel, das zu lösen es gilt – mal muss man dafür eine kurze Erzählung lesen, ein anderes Mal ein Video ansehen. Oder man hört Geschichten, wie am Literaturhaus. So spaziert man durch Magdeburg, wandert in Buckau zwischen Schwerindustrie und Kreativität, lernt in Sudenburg etwas über die Geschichte eines hübschen Cafés und trifft am Moritzplatz auf knallharte DDR-Geschichte.

Wir wollen den Menschen auch in kulturarmen Zeiten die Möglichkeit bieten, sich etwas Schönes vorzunehmen.

Jacqueline Brösicke Volksbad Buckau

Anruf bei Jacqueline Brösicke. Die Geschäftsführerin des Volksbades in Buckau ist eine derjenigen, die sich die Aktion ausgedacht haben. Als eine Art "kulturelle Überbrückung", wie sie erzählt. An der frischen Luft, ohne Kontakt zu anderen Menschen. Wie bei einem Spaziergang eben – nur, dass man nebenbei allerlei über seine Heimat lernt. "Die Idee", erzählt Brösicke, "gibt es schon länger". Entstanden ist sie aus einem regelmäßigen Austausch Magdeburger Kulturschaffender, der in den Monaten des Lockdowns zu einer Art virtuellen Stammtisch geworden ist. "Die Runde hat an Fahrt aufgenommen", erzählt Jacqueline Brösicke. Die digitalen Treffen seien ein großer Gewinn im Lockdown, sagen auch andere, die regelmäßig dabei sind. Hier werden Ideen ausgetauscht, gemeinsame Probleme erörtert.

Es war diese Runde, in der irgendwann im vergangenen Jahr auch die Idee für den kulturellen Spaziergang entstand. Die Außenräume kulturell zu bespielen, das nahmen sich Brösicke und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter damals vor. Sie wollten das möglich machen, was in Pandemie-Zeiten möglich ist. Und weil die Geschäftsführerin des Volksbades Buckau in ihrer Freizeit ohnehin regelmäßig Geocaches sucht, wurde aus dem kulturellen Spaziergang eine Art kultureller Geocache.

Geocaching: Schatzsuche der Moderne

In der Natur versteckte Schätze zu finden – das ist die Aufgabe beim Geocaching. Wenn es ums Geocaching geht, ist inzwischen häufig von einer Schatzsuche der Moderne die Rede. Die Schätze, sogenannte Caches, bestehen meist aus einem Behälter, in dem ein kleines Logbuch und manchmal auch ein kleines Geschenk liegt. Sie zu finden, ist das Ziel aller Geocacherinnen und Geocacher – egal welchen Alters. Neu ist die virtuelle Schatzsuche übrigens nicht – im Gegenteil: Den ersten GPS-Geocache weltweit versteckte ein Amerikaner schon im Jahr 2000.

Auch Kinder kommen auf ihre Kosten

Die Route durch die drei Magdeburger Stadtteile führt nun zur Feuerwache in Sudenburg – jenem geschichtsträchtigen Gebäude, das nach seinem Bau Ende des 19. Jahrhunderts weitaus mehr war als nur Heimat der Magdeburger Berufsfeuerwehr. An der Eingangstür des herausgeputzten Dreigeschossers wartet die nächste Aufgabe. Es geht um die Geschichte des Hauses. Wer die Aufgabe löst, hat wieder etwas über Magdeburg gelernt. So geht es weiter. An der alten Apotheke auf der anderen Straßenseite, in der heute ein Café beheimatet ist; an der Ambrosiuskirche, die in diesen Tagen nicht nur zum offenen Gebet, sondern auch zum Rätseln einlädt.

Ein paar Kilometer weiter in der Neuen Neustadt – jenem Stadtteil, der so oft negativ in den Schlagzeilen steht und doch so viel zu bieten hat, kulturell allemal. In einem Fenster des Moritzhofes erfährt der geneigte Kulturinteressierte mehr über den französischen Fotografen Paul Ronald, im Schaukasten der Kirche Sankt Nicolai kommen bei einem Bilderrätsel auch Kinder auf ihre Kosten – wie übrigens immer wieder auf diesem kulturellen Spaziergang.

Blick auf das Portal des soziokulturellen Zentrums Feuerwache in Magdeburg-Sudenburg
Die Feuerwache Magdeburg hat eine lange Geschichte. Seit etwa zwei Jahrzehnten ist hier ein soziokulturelles Zentrum untergebracht. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Mehrere Monate haben Jacqueline Brösicke und all die anderen an ihrem kulturellen Spaziergang gearbeitet. Sie haben sich die Rätsel ausgedacht, Bilder studiert, kleine Filme zusammengeschnitten. Und gewiss: Sie haben auch Geld in die Hand genommen. Geld, das sie mit der Aktion nicht wieder einnehmen werden. Doch darum gehe es jetzt auch gar nicht, sagt Jacqueline Brösicke. "In der Corona-Zeit haben die Menschen gemerkt, was es bedeutet, die Außenräume kulturell zu erobern", erzählt sie. Man möchte ergänzen: Die Menschen haben gemerkt, wie gut das tut in dieser so tristen Zeit.

Im Gespräch bleiben – und Außenräume kulturell erobern

"KulturAUFsuche" ist daher in erster Linie ein Angebot, um für etwas Abwechslung zu sorgen. Und zu zeigen, was Kultur kann. Und ganz gewiss dient der Spaziergang auch, um im Gespräch zu bleiben. Nicht nur im Volksbad in Buckau hoffen sie schließlich, ihren großzügigen Innenhof auch in diesem Sommer für manche Open Air-Veranstaltung nutzen zu können.

Dass der kulturelle Spaziergang deshalb nur bis Ende März angeboten wird, wie aktuell geplant, ist alles andere als ausgemacht. "Wir werden uns ansehen, wie es läuft", sagt Jacqueline Brösicke. Sie hofft, dass ähnliche Angebote in den kommenden Wochen und Monaten auch in anderen Magdeburger Stadtteilen geschaffen werden und Kultur sich Schritt für Schritt wieder einen Weg in den Alltag der Menschen bahnt. Sollte es so kommen, Erich Weinert hätte gewiss nichts dagegen. Und auch das Lösungswort, das man nach zwei Stunden des Spazierens und Lernens in den Händen hält, wäre für diesen Fall treffender denn je.

"KulturAUFsuche": Angebot läuft noch bis 28. März

Stadtteile und ihre Geheimnisse bei einem Spaziergang entdecken – das geht in den Magdeburger Stadtteilen Buckau, Neue Neustadt und Sudenburg vorerst bis 28. März. Für diese Zeit haben die Initiatorinnen und Initiatoren von "KulturAUFsuche" pro Stadtteil fünf Aufgaben vorbereitet. Über allem steht das Ziel, dass Kunst und Kultur die Außenräume erobern.

Um mitzumachen, brauchen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur eine Karte. Sie liegt am Volksbad Buckau, dem Literaturhaus, am Moritzhof oder der Feuerwache aus und verrät, an welchen Orten es etwas zu entdecken gibt. Wer die Rätsel löst und das gesuchte Lösungswort herausfindet, kann Kulturpreise gewinnen. Zu lösen sind die Rätsel in allen drei Stadtteilen donnerstags von 10 Uhr bis 14 Uhr sowie freitags bis sonntags jeweils von 15 Uhr bis 19 Uhr. Tipp aus eigener Erfahrung: Werfen Sie vorab einen Blick auf die Wettervorhersage.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. März 2021 | 08:30 Uhr

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