Maßnahmen zum Umweltschutz Erfurt und Weimar gegen Müll in BUGA- und Unesco-Parks

Die Gera-Auen in Erfurt sind im Rahmen der Bundesgartenschau neu gestaltet worden – daher ist man hier ziemlich verzweifelt, dass die Besucher ihre Abfälle einfach in die Natur werfen und die Parks entsprechend vermüllt aussehen. Derzeit räumen Gärtner die Abfälle weg – anstatt sich in der Zeit um die Pflege der Pflanzen zu kümmern. Die Kommunen fragen sich, wie man es schaffen kann, dass die Städte und Parks sauber bleiben? Muss es gleich eine Strafe sein? Oder hilft ein freundlicher Hinweis?

Müll im Park
Müll, so weit das Auge reicht: Fast schon ein alltäglicher Anblick in Deutschlands Parkanlagen. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Am frühen Morgen ziehen in den Gera-Auen Jogger ihre Runde, Hundebesitzer gehen Gassi – und drei junge Männer in leuchtend orangefarbenen Overalls sammeln im Auftrag der Stadt Erfurt den Müll auf. Es sind Gärtner, die eigentlich auch lieber gärtnern möchten – doch in letzter Zeit verbringen sie die Hälfte ihres Tages ausschließlich damit, Müll zu sammeln: Scherben, Grillgut, Pizzakartons. Mittlerweile wissen die Männer genau, an welchen Ecken die Menschen Abend für Abend ihre Exkremente zurücklassen.

Geringer Respekt – auch vor Unesco-Welterbe

Ein Haufen mit Einkaufstaschen, in denen sich Bauschutt befindet
Auch Illegale Müllentsorgung, wie hier von Bauabfällen, stellt ein Problem dar. Bildrechte: Bereitschaftspolizei

Sascha Döll ist der Leiter des Garten- und Friedhofsamtes in Erfurt. Er koordiniert mit seinem Team die Aufräumarbeiten und sucht nach Lösungen. Ihn stört vor allem die Gedankenlosigkeit und der geringe Respekt vor den Dingen, die andere geschaffen haben. Das betrifft nicht nur seine Gärtner, die den fremden Müll tagtäglich wegräumen müssen – auch die Besucher der Parkanlagen beschweren sich und sind entsetzt.

In den Weimarer Parks mit Unesco-Welterbe hat man ähnliche Erfahrungen gemacht. 100 Kubikmeter Müll, das entspricht etwa der Größe eines Fußballfelds, hat man allein im vergangenen Jahr in knapp 800 Arbeitsstunden aus dem Park an der Ilm gesammelt. 

Sanfte Bewusstmachung oder doch Geldstrafe?

In Weimar überlegt man sich derzeit, Menschen ohne erhobenen Zeigefinger anzusprechen und mehr zu sensibilisieren. Ähnlich werde auch in Erfurt verfahren, sagt Döll. Hier gibt es einen Testlauf mit einem privaten Sicherheitsdienst, der Menschen gezielt ansprechen soll. Viele Parkbesucherinnen und -besucher würden sich auch gut verhalten – doch erlebe man auch Aggressivität und Gleichgültigkeit, so Döll. Manchmal seien es auch nur Einzelne, die maßlos über die Stränge schlagen und wenn sie angesprochen werden entgegnen: "Ich zahl ja schließlich Steuern!"

Größtes Problem: Wegwerfprodukte aus Plastik

Auch der Gemeinde- und Städtebund in Thüringen weiß um das Problem und die Zunahme des Müllaufkommens durch Verpackungen und das Essen to go. Einheitliche Konzepte dagegen gäbe es jedoch nicht, Zahlen auch nicht.

Manche Kommunen würden versuchen, sofort zu reagieren, wenn Müll herumliegt, das berichtet Matthias Reinz, Bürgermeister von Bad Langensalza: "Denn sobald irgendwo mal ein kleiner Müllberg liegt animiert das die Leute zu denken: 'Da liegt schon was, ich schmeiß was dazu'!"

Strategien der sanften Bewusstmachung

Manche Kommunen würden bewusst sehr große Mülltonnen aufstellen und mit einem lustigen Spruch versehen. Doch auch das könne nicht den gewünschten Verlauf nehmen, da es für viele eine Einladung sei, ihren Hausmüll dort zu entsorgen, so Döll. Er setzt auf Überzeugen, Reden und sympathische Ansprache derer, die Wiesen und Parks nutzen – ohne sich gleich in Debatten zu stürzen. Denn manche seien schon aggressiver geworden, auch seinen Mitarbeitenden und dem Sicherheitsdienst gegenüber.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 31. Mai 2021 | 17:10 Uhr

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