Architektur, Reformation, Mulde Ausflugsziel: Fünf Gründe, sich von Grimma verzaubern zu lassen

Grimmas Mulde-Landschaft lädt nicht nur zum Träumen und Flanieren ein, sondern auch zum Erinnern und Entdecken. Am 13. August 2002 sorgte die Flutkatastrophe für große Schäden und hat sich in das kollektive Gedächtnis der Menschen vor Ort eingebrannt und die kleine Stadt an der Mulde bekannt gemacht. Fünf Gründe, die zeigen, welche Spuren davon heute noch zu sehen sind und was die Stadt sonst noch bietet.

Luftaufnahme der Stadt Grimma mit der Klosterkirche und der Gattersburg mit Muldewehr.
Bei der Flutkatastrophe von 2002 wurde die beschauliche Lage an der Mulde der Stadt Grimma zum Verhängnis Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Wahrzeichen Pöppelmannbrücke

Daran gibt es kein Vorbei: die beeindruckende Pöppelmannbrücke steht nicht unweit des Altstadtkerns von Grimma und thront über der Mulde. Von hier bietet sich ein malerischer Blick auf einen Steinbruch und die schönsten Gebäude Grimmas. Beauftragt hatte den Bau der Brücke damals August der Starke. Für die Ausführung des Projektes wählte er keinen Geringeren als den berühmten Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann aus. Dieser ist etwa bekannt für die Erbauung des Dresdner Zwingers und seinen Barock und Rokokostil, der sich besonders in Dresden wiederentdecken lässt – aber eben auch im Grimma. Nach nur drei Jahren Bauzeit war die Brücke im Jahr 1719 fertiggestellt.

Die Pöppelmannbrücke über der Mulde, die Altstadt von Grimma und die darüber ziehenden Wolken spiegeln sich in dem Fluss.
Die Pöppelmannbrücke heute Bildrechte: dpa

Stadtführer Bernd Voigtländer erläutert: "August der Starke brauchte damals eine Schnellpost von Dresden nach Leipzig – und er hat sich beraten lassen und entschieden, hier in Grimma eine neue Brücke bauen zu lassen. Zumal die Grimmaer immer wieder kamen und ihm die Petition vorlegten: 'Wir brauchen eine Brücke. Wir haben fast 90 Jahre keine Brücke gehabt nach den Dreißigjährigen Krieg.'"

Jahrhundertflut Grimma 2002 - Pöppelmannbrücke, überflutet (13.08.2002)
Die überflutete Pöppelmannbrücke bei der Jahrhundertflut 2020 Bildrechte: Stadt Grimma

Die Pöppelmannbrücke erlebte im Laufe der Jahre viel Zerstörung und Umbauarbeiten. Über die Jahre verschwand so auch eine überdachte, hölzerne Konstruktion, die sogenannte Hausbrücke, die Pöppelmann damals noch entworfen hatte. Bis zum Jahr 2000 wurde das Bauwerk nochmals denkmalgerecht umgebaut. Tragischerweise hatten diese Umbauarbeiten keine lange Verweildauer – nur zwei Jahre später unterspülte die Jahrhundertflut die Brücke und brachte sie zum Einsturz.

Lehren aus der Flut: Die neue Flutmauer und das Denkmal

Als Konsequenz der Flutkatastrophe von 2002 sorgte die Stadt Grimma für mehr Sicherheit und erneuerte die Pfeiler. Seit letztem Jahr gibt es auch eine 1,8 Kilometer lange Flutmauer, die jüngst Vandalismus zum Opfer fiel und sich in den Altstadtkern einfügt. Auch mehrere Denkmäler laden zum Erinnern ein: hier sind die Wasserstände der Fluten durch verschiedene Jahrhunderte eingezeichnet, erinnern etwa an den Wasserstand der Flut von 2002 und auch den von 2013.

Monument Hochwasser
Denkmal zur Erinnerung an das Hochwasser von 2002, dahinter die neue Flutmauer Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Renaissance und Sakrale Bauten á la St. Augustin

Altes Schloss heute Amtsgericht mit Vergleich Flut Bild
Das Alte Schloss beherbergt heute das Amtsgericht Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Nicht nur das Alte Schloss von 1200, das früher den Wettinern gehörte, zwischenzeitlich zu DDR-Zeiten die Polizei beherbergte und in dem heute das Amtsgericht sitzt, ist ein beeindruckender Bau Grimmas.

Nur wenige Meter entfernt steht ein wahrliches Sakralmonument: Das Kloster St. Augustin. Es wurde 1292 von Augustiner-Eremiten mit dazugehöriger Kirche gegründet, nach einem Brand im 14. Jahrhundert komplett neu erbaut und beeindruckt im Neo-Renaissance-Stil.

Hof des Augustin Gymnasiums
Der Innenhof des Augustin-Gymnasiums Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Heute ist im Kloster das St. Augustin-Gymnasium zu Hause. Es kann zwar nur der Hof mit einer Führung besichtigt werden, aber den Geist von einer Schule um 1900 überträgt sich auch dort. Rund 850 Schülerinnen und Schüler haben das Privileg, in diesem historischen Gebäude unterrichtet zu werden.

Gleich neben dem Gymnasium findet sich die Klosterkirche, die heute noch für Veranstaltungen genutzt wird und im Laufe der Zeit von Verfall geprägt war. Die Kirche wird heute vor allem für Veranstaltungen genutzt und erinnert mit ihrem Gemäuer und Kirchenfenstern noch an ihren ursprünglichen Zustand. Früher war Martin Luther hier oft zu Gast.

Grimma - Klosterkirche
Die Klosterkirche Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Die Spuren der Renaissance zeigen sich besonders auf dem Marktplatz von Grimma: Das Rathaus ist in diesem Stil erbaut und zeigt einseitig noch eine erhaltene Fachwerkfassade. Auch das Standesamt mit einem kleinen Turm kann sich sehen lassen. Und: Selbst das Wohnhaus, in dem der Schriftsteller Johann Gottfried Seume lebte, findet sich hier. Es ist zugleich die Druckerei des Klassikverlegers Georg Joachim Göschen, für den Seume als Korrektor gearbeitet hat. Vor Ort erinnert eine Gedenktafel daran. Mehr Infos bietet das Göschenmuseum im Stadtteil Hohnstädt.

Markt Grimma
Der Markt mit seinem eindrucksvollen Rathaus Bildrechte: MDR / Lydia Jakobi

Reformationsgeschichte entdecken

Früher pilgerten die Menschen in Grimma in die Augustinerkirche, um Martin Luther, der oft einen Zwischenstopp im Augustiner-Kloster einlegte, zu hören. Seine Predigten zogen hunderte Menschen an. Luthers Reden und Schriften bewegten hier einiges – sein reformatorischer Ansatz gelang bis in das ehemalige Frauenkloster Marienthron in das nahegelegene Nimbschen. Luthers spätere Frau, Katharina von Bora, besuchte dieses Kloster und war eine von zwölf Nonnen, die 1523 daraus floh – Reformationsgeschichte pur. Die Klosterruine Nimbschen ist heute noch sehr gut erhalten und lädt dazu ein, sich im hohen Gras zu entspannen und von historischen Zeiten zu träumen.

Ruine vom Kloster Nimbschen 2017
Die Ruine des Klosters Nimbschen Bildrechte: IMAGO / Hanke

Im Kreismuseum die Stadt Grimma und die Etui-Fabrik kennenlernen

Kreismuseum
Das Kreismuseum Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

In einer ehemaligen Mädchenschule, einem sehr hübschen Haus mit kleinem Garten vor der Tür, lässt sich die Stadtgeschichte Grimmas im Kreismuseum erleben. Dabei wird zum Beispiel vom Handwerk, das in Grimma zuhause war, berichtet. Welche Highlights sonst noch warten, weiß Museumsleiterin Marita Pesnecker: "Man lernt viel über das Handwerk, bis hin zu kleinen Betrieben, wie zum Beispiel die Etui-Fabrik, die hier bei uns ansässig war. Und auch die Handschuhfabrik, das ist ja auch ein nicht ganz alltägliches Handwerk gewesen. Und nicht zu vergessen: unsere Scherzartikel-Fabrikation. Die haben Knallbonbons hergestellt, Lampions, Girlanden und alles, was man so brauchte, um ein Fest rundzumachen."

Brillenetuis mit Einlagen aus Meissner Porzellan, aus Sterling Silber mit Millennium-Prägung und aus rotem Straußenleder zeigt 2000 Monika Börner.
Brillenetuis mit Einlagen aus Meißner Porzellan, Sterling Silber und aus rotem Straußenleder wurden noch in den 2000er-Jahren hier hergestellt Bildrechte: dpa

Spuren der ehemaligen Brillenetui-Fabrik liegen auch auf dem Weg durch Grimma – da erinnert noch die Aufschrift und ein Logo an die Firma von Reinhold Kühn. Mittlerweile befindet sich in dem Gebäude eine Kantine, deren Besuch sich auch lohnt, weil innen noch alte Maschinenteile der Brillenetui-Herstellung zu besichtigen sind.

Klosterstrasse in Grimma, 2012
Der Schriftzug "Reinhold Kühn" findet sich über dem Portal Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Das Kreismuseum Grimma Kreismuseum Grimma
Paul-Gerhardt-Straße 43, 04668 Grimma

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag und Sonntag 10 bis 17 Uhr
Montag und Samstag geschlossen

Aktuelle Sonderausstellung "Spielzeug so alt wie die Menschheit"
läuft noch bis zum 5. September 2021

Ausflugsziele in Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. August 2021 | 07:45 Uhr

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