Veranstaltungstipp Faszinierende Orgeln und Spielorte zu den Silbermann-Tagen entdecken

Rund 50 Orgeln hat der bedeutendste sächsische Orgelbauer der Barockzeit, Gottfried Silbermann (1683-1753), geschaffen. Einige seiner meisterhaften Instrumente können im Rahmen der diesjährigen Silbermann-Tage in Aktion erlebt werden. Unter dem Motto "Heimat und Welt" sind 24 Veranstaltungen mit barocken Konzerten geplant. Vom 3. bis 12. September bespielen renommierte internationale Künstler die Silbermann-Orgeln in kleinen Dorfkirchen, wie in Forchheim und Reinhardtsgrimma. MDR KULTUR stellt Ihnen die besonderen Spielorte der diesjährigen Silbermann-Tage vor.

Blick in den Dom St. Marien Freiberg mit der Großen Silbermann-Orgel
Blick in den Dom St. Marien in Freiberg mit der großen Silbermann-Orgel Bildrechte: dpa

Frauenstein: Silbermanns Geburtsort

Gottfried Silbermann wurde 1683 im heutigen Frauensteiner Ortsteil Kleinbobritzsch geboren. Hier baute er auch nach seiner Lehrzeit seine erste Orgel. Nachdem die Kirche samt Orgel 1728 einem Stadtbrand zum Opfer fiel, wurde zehn Jahre später eine zweite Orgel von Silbermann eingeweiht. Doch auch diese wurde bei einem Brand 1869 zerstört. Daher hat die heutige Stadtkirche in Frauenstein zwar keine Silbermann-Orgel, jedoch steht seit 1994 im Silbermann-Museum eine Kopie der Silbermann-Orgel des Bremer Doms. Das zu Ehren des berühmten Sohns der Stadt eingerichtete Museum zieht derzeit von seinem ursprünglichen Domizil im Schloss in die Innenstadt.

Denkmalgeschütztes Gebäude am Frauensteiner Markt
Das Silbermann-Museum hat sein neues Domizil am Frauensteiner Markt Bildrechte: Klaus Gigga

Stadtkirche Zöblitz: Alte Orgel in neuem Glanz

1742 stellte Silbermann die Orgel in der Zöblitzer Stadtkirche fertig – zwei Jahre nach dem vereinbarten Termin, was aber wohl auch an finanziellen Engpässen der Gemeinde lag. Und auch nach dem Bau gab es lange Streit in der Gemeinde, ob die Orgel mit 800 Talern zuzüglich Nebenkosten nicht zu teuer sei und dem Baumeister ein so hoher Betrag nicht zustünde. Mehr als tausend Orgelpfeifen aus englischem Zinn zählt das mittelgroße Instrument. Rund 150 Jahre blieb die Orgel unverändert, doch um die Jahrundertwende zum 20. Jahrhundert gab es mehrere Umbauten und Ergänzungen – die nicht immer zum Vorteil des Instruments waren. So wurde eine eindrucksvolle Bemalung mit weißer Ölfarbe überstrichen. Bei einer umfangreichen Gesamtrestaurierung 1997 wurden der Orgel jedoch ihr ursprüngliches Äußeres wie auch ihr altes Klangbild zurückgeben.

Stadtkirche Zöblitz
Silbermann-Orgel in der Stadtkirche Zöblitz Bildrechte: Olaf Uhlmann
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George-Bähr-Kirche Forchheim: Frauenkirchen-Vorläufer

Altarraum Kirche Forchheim
Altarraum der Forchheimer Kirche mit Blick auf die Orgel Bildrechte: Kirchgemeinde Forchheim

Silbermann hat die Orgel für die Forchheimer Kirche im Jahr 1726 fertig gestellt. Neben dem Instrument stammen aber auch Altar, Kanzel und Taufstein von ihm. Im 20. Jahrhundert wurde mehrfach an der Forchheimer Orgel herumgebaut, wodurch diese stark verändert wurde. So wurde sie durch Ventilneuordnungen um einen Halbton herab gestimmt, die Winderzeugung wurde elektrifiziert und zahlreiche Pfeifen sowie die Pedalklaviatur gingen verloren. Dies wurde jedoch 2001 bei einer Restaurierung nach der Originalkonstruktion Silbermanns wieder korrigiert.

Es ist ein besonderer Kirchenbau, der diese Orgel beherbergt. Nach Plänen des Barock-Baumeisters George Bähr 1719 bis 1726 errichtet, gilt sie mit ihrem achteckigen Grundriss als Vorläuferbau der Dresdner Frauenkirche – diese entwarf Bähr im Anschluss und setzte auch dabei wieder auf die Orgelbaukunst Silbermanns.

Dorfkirche Forchheim
Die George-Bähr-Kirche in Forchheim war für ihren Baumeister Bähr Vorlage für die Dresdner Frauenkirche Bildrechte: imago/Hanke

Dorfkirche Nassau: "durch böse Hand" beschädigt

Die Orgel in der schlichten Dorfkirche stammt aus dem Jahr 1748 und zählt zu Silbermanns letzten Orgeln. Der Baumeister starb am 4. August 1753 in Dresden. Glücklicherweise ist dieses Instrument im Lauf der Jahrhunderte kaum modifiziert worden, die komplette Mechanik und 98 Prozent des Pfeifenwerks sind im Original erhalten. Historische Dokumente belegen jedoch, dass schon zu Silbemanns Zeiten Vandalismus geherrscht hat: Bereits einen Monat nach Fertigstellung ist angemerkt, dass die Orgel "durch böse Hand beschädigt worden ist". Silbermann wurde gebeten , den Schaden zu begutachten und zu reparieren. 1998 erfolgte zum 250-jährigen Jubiläum des Instruments eine Restaurierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten, bei der sie weitgehend in ihren Originalzustand versetzt wurde.

Silbermann-Orgel in der Dorfkirche Nassau
Die Silbermann-Orgel in der Dorfkirche Nassau Bildrechte: Gottfried-Silbermann-Gesellschaft

Freiberger Dom: gleich zwei Silbermannorgeln

Der Dom St. Marien in Freiberg beherbegt gleich zwei Instrumente aus der Werkstatt des großen Orgelbaumeisters Silbermann. Die große Orgel ist ein Frühwerk, er baute sie nach seinem Debüt in Frauenstein als zweites Instrument. 1714 wurde sie eingeweiht. Bescheiden war er jedoch nicht – mit 44 Registern und fast 2.700 Pfeifen bleibt sie die größte von ihm gebaute Orgel und gilt zugleich als eine der am besterhaltendsten. Der gute Zustand des Instrumentes rührt wohl auch daher, dass Silbermanns Gesellen sie zu Lebzeiten des Meisters pflegten und auch die Nachfolger und Schüler ihre Werkstatt in Sichtweite des Doms hatten und das Instrument damit immer Blick hatten. Die der großen gegenüberstehende, kleine Orgel vollendete Silbermann 1719. Sie war sein drittes Instrument und stand ursprünglich nicht im Dom sondern bis 1939 in der Johanniskirche. Mitte der 1990er-Jahre wurde sie restauriert und befindet sich weitgehend im Originalzustand.

Blick auf die Große Silbermann-Orgel im Dom St. Marien Freiberg.
Blick auf die große Silbermann-Orgel im Dom St. Marien in Freiberg Bildrechte: dpa

Dorfkirche Reinhardtsgrimma: unbeschreibliche Klänge

Kirche Reinhardtsgrimma
Dorfkirche Reinhardtsgrimma Bildrechte: Johannes Keller

Die 1731 in der Dorfkirche geweihte Silbermann-Orgel blieb über 120 Jahre unverändert. 1852 nahm Cal Traugott Stöckel erste Erneuerungen vor, 1953 wurden Gebläse und Intonation verändert. 1997 wurde die Orgel komplett restauriert. Der Organist Hellmut Walcha bekannte nach einer Studienfahrt durch Sachsen 1933: "Den stärksten Eindruck auf meiner Reise erhielt ich aber durch die Bekanntschaft mit einer Silbermannorgel in Reinhardtsgrimma. Dieses mir bisher unbekannte, zweimanualige Werk Silbermanns gehört zu den schönsten Orgeln, die ich kenne. Der Klang dieser geradezu bezaubernd schönen Orgel ist eigentlich unbeschreiblich ...". So bleibt nur der persönliche Besuch in Reinhardtsgrimma; heute ein Ortsteil der Stadt Glashütte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Silbermann Orgel Reinhardtsgrimma
Der Klang der Silbermann-Orgel in Reinhardtsgrimma hat Organisten schon vor Jahrzehnten beeindruckt. Bildrechte: Johannes Keller

St. Annen-Kirche Niederschöna: ein bisschen Silbermann

Niederschöna ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen. 1716 wurde die Orgel in der Dorfkirche geweiht. 300 Jahre sind auch an diesem Werk Silbermanns nicht spurlos vorbeigegangen: Mehrfach wurde sie umgebaut und umgestimmt und erhielt neue Pfeifen. 2015 wurden nur einige der Änderungen rückgängig gemacht, sodass sie mehr als andere Silbermann-Orgeln vom Originalzustand entfernt ist. Seit über 40 Jahren erklingt auf der Orgel jedes Jahr das traditionelle Pfingsmontag-Konzert.

Silbermannorgel in der Kirche Niederschöna
Silbermannorgel in der Kirche Niederschöna Bildrechte: Adolf Hofmann

Jakobikirche Freiberg: die Orgel mit der tiefen Stimme

Die Orgel von 1717 war Silbermanns zweites Instrument für Freiberg. Sie stand ursprünglich im Vorgängerbau der heutigen Jakobikirche, die von 1890 bis 1892 erbaut wurde. Die Orgel wurde zur Neuaufstellung von dem ebenfalls berühmten Weißenfelser Orgelbaumeister Friedrich Ladegast verändert: unter anderem bekam sie einen tieferen Stimmton, der bis heute beibehalten wurde. Andere Änderungen wurden bei mehreren Restaurierungen im 20. Jahrhundert rückgängig gemacht. Zuletzt konnte sie 2018 anlässlich ihres 300-jährigen Geburtstags gründlich überarbeitet werden und erklingt seitdem wieder feierlich.

Silbermann-Orgel in der Jakobikirche
Die Silbermann-Orgel in der Freiberger Jakobikirche Bildrechte: Gottfried-Silbermann-Gesellschaft

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. September 2021 | 20:03 Uhr

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