Deutsche Unesco-Welterbestätten Tagung: Wie Welterbe besser geschützt und attraktiver gemacht werden kann

Egal ob Naumburger Dom, Montanregion Erzgebirge, Aachener Dom, Wattenmeer oder klassisches Weimar: Vertreter der 51 deutschen Unesco-Welterbestätten sind im thüringischen Bad Langensalza zu ihrer Jahrestagung zusammengekommen. Dabei beraten sie unter anderem darüber, wie Weltkulturerbe- und Weltnaturerbestätten touristisch stärker genutzt werden können, ohne sie zu gefährden. Und natürlich geht es auch um die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine für das dortige Welterbe.

Baumkronenpfad im Hainich.
Der Buchenwald im Nationalpark Hainich zählt seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Vom Gartenreich Dessau-Wörlitz bis zum Aachener Dom: Die deutschen Unesco-Welterbestätten sollen behutsam bekannter gemacht werden. Eine Sprecherin sagte am Mittwoch während der Jahrestagung der deutschen Welterbestätten im thüringischen Bad Langensalza, es brauche qualitätsvollen Tourismus in denkmalverträglichem Ausmaß. Besucherströme müssten so gelenkt werden, dass sie die Welterbestätten nicht belasteten.

Claudia Schwarz, Vorstandsvorsitzende des Unesco-Welterbestätten Deutschland e.V., ergänzte am Donnerstag bei MDR KULTUR, man freue sich sehr, dass nach dem Höhepunkt der Corona-Pandemie inzwischen wieder mehr Menschen die Welterbestätten besuchten: "Durch den Tourismus werden auch Einnahmen generiert, die dann wieder der Welterbestätte zugute kommen." Um die Stätten zu schützen, müssten Touristiker Besucher sensibilisieren. Außerdem gebe es Leitsysteme, um zu verhindern, dass zu viele Menschen einen Ort besuchten. "Wir haben Gott sei Dank bei den deutschen Welterbestätten nicht das Problem des Over-Tourismus, wie es zum Beispiel in Spanien oder Italien oft der Fall ist", so Schwarz.

Bei der Jahrestagung in Bad Langensalza tauschen sich rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der 51 deutschen Welterbestätten zu den Themen Wertschätzung, Wertschöpfung und Werterhalt aus. Die Tagung findet im jährlichen Turnus in einer anderen deutschen Welterbestätte statt. Der Buchenwald im Nationalpark Hainich bei Bad Langensalza zählt seit 2011 zum Weltnaturerbe.

Bauhaus Dessau
Das Bauhaus Dessau gehört zum Weltkulturerbe. Bildrechte: IMAGO / Laci Perenyi

Krieg in der Ukraine: Deutsche Welterbestätten fühlen sich hilflos

Der Generalsekretär der deutschen Unesco-Kommission, Roman Luckscheiter, sagte, die Stätten seien nicht nur aus touristischer Sicht für die Regionen relevant. Sie brächten den Menschen nahe, was Kultur und Natur hervorgebracht hätten und was die Menschheit miteinander verbinde.

Die Welterbekonvention trage den Gedanken der internationalen Zusammenarbeit und der Solidarität zur Förderung des Friedens in sich und sei damit im Kontext des Ukraine-Krieges "aktueller denn je". Luckscheiter kritisierte bereits zuvor, Russland gefährde durch seine Kriegshandlungen ukrainische Kultur- und Naturerbe und breche so die Welterbekonvention.

Mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine sagte Schwarz: "Diese Buchenwälder hier im Hainich verbinden uns ganz intensiv mit den Buchenwäldern in den Karpaten", die ebenfalls zum Weltnaturerbe zählen. Ihr Verein der Welterbestätten sei aber relativ machtlos, man könne nur Solidarität bekunden: "Wir sind ein touristisches Netzwerk. Unsere Möglichkeiten der Hilfe und der Unterstützung sind sehr begrenzt."

Sie verwies auf das diesjährige Jubiläum 50 Jahre Unterzeichnung der Welterbe-Konvention, in der sich über 190 Staaten verpflichtet hätten, ihr Kulturerbe zu erhalten. Wenn man sehe, was jetzt in der Ukraine geschieht, "dann fragt man sich, warum man sich nicht an diese Konvention hält."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Mai 2022 | 07:40 Uhr

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