Buga-Außenstandort Der historische Friedhof in Weimar – eine Oase der Erholung

Der Historische Friedhof in Weimar ist seit 20 Jahren Weltkulturerbe und in diesem Jahr ein Außenstandort der Buga. Nicht nur die Gräber von Goethe, Schiller, Charlotte von Stein oder Großherzog Carl August sind hier zu finden – der Friedhof ist auch umgeben von einem traumhaften Park.

Fürstengruft historischer Friedhof Weimar
Der historische Friedhof in Weimar lockt mit berühmten Gräbern und einem wunderschönen Park. Bildrechte: Thomas Müller/Klassik Stiftung Weimar

"Draußen braust der Verkehr und man tritt ein in diesen besonderen Raum mit einer Stille, mit seiner Vogelwelt, das bedingt sich ja alles – und kann schon auch ein bisschen Abstand gewinnen", sagt Thomas Bleicher, lehnt sein Fahrrad an eine Mauer und lässt den Blick über die hohe Wiese mit Gräsern und Kräutern schweifen. Der Eingang zum Friedhof gleicht einem Park. Alleen, Wiesen, hohe Bäume – alles umgeben von alten Steinmauern.

Wo Goethe und Schiller begraben sind

"Der Friedhof ist 1818 angelegt worden", führt Bleicher aus: "Nachdem die städtischen Friedhöfe übervoll waren. Der Jakobskirchhof war restlos voll, da hat man die Särge in den Grüften übereinander stapeln müssen." So entstand einst dieses Areal. Damals ahnte niemand, dass heute hunderte Gäste hierher kommen, um alte Gräber zu bewundern, die Weimarer Fürstengruft zu besuchen oder die Gräber von Bauhauskünstlern. Das Grabmahl des 1832 verstorbenen Goethe ist hier zu finden. Schillers Grab befindet sich hier nur symbolisch. Großherzog Carl-August und Maria Pawlowna sind hier beigesetzt worden. Und lauter Theaterintendanten, Schriftsteller, Hofdamen und Lieblingsköche …

Fürstengruft historischer Friedhof Weimar
In der Fürstengruft sind auch die Gräber von Goethe und Schiller zu finden. Bildrechte: Thomas Müller/Klassik Stiftung Weimar

Grabstätten berühmter Persönlichkeiten auf dem historischen Friedhof in Weimar

  • Johann Wolfgang von Goethe in der Fürstengruft
  • Friedrich Schillers leeres Grab in der Fürstengruft (Forschungen ergaben im Jahr 2008, dass die vermeintlichen Gebeine Friedrich Schillers in Wahrheit von anderen Personen stammen.)
  • Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach in der Fürstengruft
  • Charlotte von Stein an der westlichen Friedhofsmauer
  • Johann Nepomuk Hummel an der westlichen Friedhofsmauer
  • insgesamt befinden sich 27 Grabstätten berühmter Persönlichkeiten auf dem historischen Friedhof 

Rätselhafte Gräber entdecken

Russisch-Orthodoxe Kapelle, vorn Gräberfeld der Marie-Seebach-Stiftung, hinten Fürstengruft
Russisch-Orthodoxe Kapelle auf dem historischen Friedhof Weimar Bildrechte: IMAGO

Der Ort hat bis heute eine Faszination und gibt Rätsel auf: Manche Gräber aus dem 19. Jahrhundert haben verfallene Steine oder entwendete Grabkreuze. Für andere – zum Beispiel ehemalige Bauhäusler – gab es jahrelang keine Nachkommen am Ort. "Wir haben auch schon eine Reihe von Diebstählen, Metalldiebstählen gehabt. Es gab früher wesentlich mehr solche Grabzeichen, die ja das Charakteristikum eines Friedhofes sind. Und da ist die Aufgabe, dagegen zu steuern."

Thomas Bleicher ist der langjährige Leiter des Garten- und Friedhofsamtes von Weimar gewesen. Heute kümmert er sich ehrenamtlich in dem Verein "Grüne Wahlverwandtschaften" – und damit auch um diesen Friedhof. Wo können Gräber gerettet, saniert und neu beschriftet werden? Einzelne Sponsoren übernehmen das, was sonst Familien im Laufe der Jahrzehnte machen würden und retten so Kulturgut: "Die 'grünen Wahlverwandtschaften' sind ein Verein, der sich den Gartendenkmalen verschrieben hat, die in der Stadt vorhanden sind."

Zwischen Geschichte und Natur

Grabstätte der Familie Goethe
Grabstätte der Familie Goethe auf dem historischen Friedhof Weimar Bildrechte: imago/imagebroker

Wenn Thomas Bleicher über die Wege läuft und verlassene Gräber sieht, geht ihm eines durch den Kopf: Vor 200 Jahren sah hier alles völlig anders aus: "Das war auf dem Acker entstanden und es ist damals in dieser aufgeklärten Zeit nach dem Vorbild der Herrenhäuser Brüdergemeinde angelegt worden. Es gibt eine Parallelität zum Friedhof in Dessau, der von Erdmannsdorf geschaffen worden ist." Jenem Architekten Erdmannsdorf verdankt die Welt heute viele Bauten in Dessau und auch den Park von Wörlitz.

In Weimar hingegen gab es nie diesen großen Plan. Hier ist das Areal buchstäblich gewachsen und immer wieder erweitert worden. "Und die Grundidee, die damals verfolgt worden war, war die Gleichheit im Tode. Also dass man Reihen von Grabsteine angelegt hat, anders als es in der Vergangenheit der Fall war mit den Erdbegräbnissen. Wer sich's leisten konnte, hatte ein großes Grab."

Manche Bäume haben sich von selbst angesiedelt, manche Eschen leiden heute am Triebsterben. Auch Thomas Bleicher weiß: Der Ort könnte sich wieder verändern: "Dass sich die Natur hier selber erst einmal neu sortiert und man erst einmal abwarten muss, wo die Reise hingeht."

Bis heute finden auf einem Teil des Areals Begräbnisse statt. Der andere Part gehört der Geschichte – und gibt als Friedhofspark einen Blick auf jene Menschen, die die Stadt einst prägten.

Historischer Friedhof Weimar
Der historische Friedhof in Weimar ist von einem jahrhundertealten Park umgeben. Bildrechte: imago/Panthermedia

Informationen zum Besuch Adresse:
Historischer Friedhof am Poseckschen Garten
99423 Weimar
Deutschland

täglich von 7 bis 22 Uhr geöffnet

Öffnungszeiten und Eintritt Fürstengruft:

Mittwoch bis Montag 10 bis 18 Uhr,
Dienstag geschlossen

Eintritt:
Erwachsene 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro
Schülerinnen und Schüler 1,50 Euro
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre frei

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. August 2021 | 06:15 Uhr

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