Wiedereröffnung 2025 geplant So will sich das Altenburger Lindenau-Museum neu präsentieren

Um die Sanierung des Lindenau-Museums ist bereits viel gestritten worden. Dabei ging es vor allem um den möglichen Abriss der Freitreppe vor dem Gebäude. Was sich im Haus verändern soll, war bislang weitgehend unbekannt. Nun hat das Museum seine Ideen und Pläne bei einer Baustellenführung vorgestellt. Unsere Thüringen-Korrespondentin war dabei.

Entwurf der künftigen Ausstellungsgestaltung der Antikensammlung im Lindenau-Museum
Alle zwei Stunden, so die Idee, soll in der Antikensammlung des Altenburger Lindenau Museums künftig eine multimediale Inszenierung stattfinden. Bildrechte: Whitebox, Dresden

Derzeit steht er leer, der weitläufige Skulpturensaal des Lindenau-Museums. So ist in dem luftig hohen Raum genug Platz, um die Gedanken schweifen zu lassen. Nach der Sanierung solle hier einiges anders werden, erklärt Christian Frommelt von der Dresdner Agentur Whitebox, die für die museale Neukonzeption zuständig ist:

"Bislang wurden die verschiedenen Exponatgattungen separat voneinander präsentiert: Vasen hier, Gipsabgüsse dort. In unserem neuen Entwurf trennen wir nicht mehr, sondern kombinieren Exponate, um Erzählungen zu ermöglichen."

Lindenau-Museum Altenburg soll breit aufgestellt werden

Welch spannende Geschichten stecken hinter einzelnen Objekten? Und wie können diese Geschichten so erzählt werden, dass ein diverses Publikum etwas mit ihnen anfangen kann – sowohl diejenigen mit viel Hintergrundwissen, als auch diejenigen, die recht unbedarft das Museum betreten? Mit diesen Fragen haben sich Frommelt und sein Team beschäftigt, ihre Antwort lautet: immersive Rauminszenierungen.

Drei Personen präsentieren Baupläne in einem historischen Saal
Museumsdirektor Roland Krischke, Katharina Schumann und Christian Frommelt von Whitebox bei der Präsentation des neuen Ausstellungskonzepts des Altenburger Lindenau-Museums (v.l.n.r.). Bildrechte: Lindenau-Museum Altenburg/Enrico Scholz

So sei eine Idee, künftig alle zwei Stunden das Licht im Antikensaal abzudunkeln. Einzelne Skulpturen würden illuminiert, und so hervorgehoben. Dazu könnte akustisch eine Geschichte zu den Objekten erzählt werden, so der studierte Architekt: "Wir wollen davon wegkommen, dass die Besucher nur auf einen Fleck starren. Sie sollen vielmehr stehen bleiben und die gesamte Atmosphäre, alle Exponate und den gesamten Raum auf sich einwirken lassen."

Agentur war bereits für Klassik Stiftung Weimar tätig

Nicht nur akustisch soll Wissen vermittelt werden, sondern auch visuell. So stellt sich Frommelt vor, dass via Aufprojektion gezeigt wird, dass bestimmte Skulpturen früher farbig waren. Fast nebenbei lerne man so, dass unser Bild von klassischen weißen antiken Skulpturen nicht ganz korrekt ist. Der Ausstellungsgestalter hat den Anspruch, den Museumsbesuch so zum Erlebnis werden zu lassen. Ein vollmundiges Versprechen, dessen Erfüllung Frommelts junger Agentur aber durchaus zugetraut werden darf.

So war Whitebox etwa für die grandiose Neukonzeption des Museums "Neues Weimar" zuständig, dessen Ausstellung mit einer stringenten, unterhaltsamen Erzählung punktet und auch gestalterisch äußerst gelungen ist. Roland Krischke, Direktor des Lindenau-Museums, verrät dann auch, dass Whitebox die Ausschreibung für die Neukonzeption haushoch für sich entschieden habe.

Lindenau Museum mit geplantem gläsernen Unterbau (Entwurf)
So könnte das Lindenau-Museum künftig von außen aussehen. Noch ist unklar, ob die Freitreppe tatsächlich abgerissen und durch ein gläsernes Untergeschoss ersetzt wird. Bildrechte: Pietsch/Lindenau Museum

Er ist mit dem Team in einem stetigen, teilweise auch kontroversen Austausch. "Insgesamt ist es für uns gerade so, als würden wir in der Vermittlung zwei Jahrhunderte überspringen", so Krischke. "Und das macht auch die Arbeit aus, die wir hinter den Kulissen zurück legen. Dass wir nicht einfach nur eine Abteilung neu denken, einen Raum. Sondern das ganze Museum, mit allen Kolleginnen und Kollegen."

Wie kommen alle auf ihre Kosten?

Für Krischke ist wichtig, dass verschiedene Bedürfnisse in seinem Haus befriedigt werden. Wer Event brauche, solle es bekommen. Wer aber Ruhe brauche und auch tiefer in die Materie einsteigen wolle, solle ebenfalls auf seine Kosten kommen. Einig ist er sich mit Frommelt darin, dass digitale Angebote eine wichtige Rolle spielen sollen. Allerdings anders, als heutzutage üblich.

Man wolle so weit wie möglich auf Bildschirme oder Monitore verzichten, betont der Ausstellungsgestalter: "Diese haben den großen Nachteil, dass die Besucher immer weg vom Exponat schauen. Mit unseren Rauminszenierungen wollen wir genau das Gegenteil schaffen. Wir erzählen die Geschichten immer anhand der Exponate. Und ich glaube, das wird die große Stärke dieser Inszenierung sein."

Eröffnung für 2025 geplant

Noch hat das Planungsteam Zeit, Ideen zu entwickeln – einiges kann sich noch ändern. Frühestens im Herbst 2025 werde das Lindenau-Museum der Zukunft eröffnen, verrät Museumsdirektor Krischke. Er ist voller Zuversicht, dass der große Wurf gelingen wird.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Februar 2022 | 06:15 Uhr

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