Magdeburg "NOT FOR SALE" – Magdeburger Ausstellung wird im Lockdown zu einem Symbol

Bereits am 19. November sollte die Ausstellung "NOT FOR SALE" im Forum Gestaltung in Magdeburg eröffnet werden. Dann kam der Lockdown: Nur die beteiligten Künstlerinnen und Künstler konnten bisher einen Blick darauf werfen. Anfangs sollte sich die Ausstellung im das Verhältnis von Kunst und Geld drehen. Nun wird die Schau zum Symbol für die Unverfügbarkeit von Kunst. Die Organisatoren der Veranstaltung plädieren damit für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Kultur- und Kunsteinrichtungen.

Ausstellung "Not for Sale"
Ein Blick in die Ausstellung "Not for Sale" - vorn eine Skulptur von Emerita Pansowová Bildrechte: Jens Wolf

"NOT FOR SALE" liest man in großen Lettern am Forum Gestaltung in Magdeburg. Nicht in roten Buchstaben, wie man sie aus dem Schlussverkauf kennt, sondern in schwarzen. So unterstreichen sie die Idee zur Ausstellung als eine Reaktion auf die Werbebotschaften nach dem ersten Corona-Lockdown, erzählt Kunstwissenschaftler Norbert Eisold und führt fort: "Überall stand 'Sale' und alle Welt redete über Geld und was man jetzt alles machen könnte. Da fand ich es eigentlich angemessen, mal an das zu erinnern, weswegen Kunst oder Kultur überhaupt gemacht wird: nämlich eigentlich nicht, um Geld zu verdienen. Das ist nicht das Primäre oder der eigentliche Antrieb. Sondern das, was Kunst in uns anrichtet. Oder wie wir mit ihr kommunizieren. Oder von ihr bestimmt werden."

Künstler wählen Ausstellungsobjekte selbst

Ausstellung "Not for Sale" -  rechts eine Skulptur von Cathleen Meier
Blick in die Ausstellung "Not for Sale" - rechts eine Skulptur von Cathleen Meier Bildrechte: Jens Wolf

So versteht sich Eisold bei dieser Schau auch nicht als Kurator. Er wollte keiner herkömmlichen thematischen Ausstellungskonzeption folgen. Stattdessen waren die Künstler selbst und einige Kunstwissenschaftler eingeladen, Werke einzubringen – als subjektive Auswahl zum Thema "NOT FOR SALE". "Die Künstler haben ganz verschieden darauf reagiert. Ein Teil hat Arbeiten ausgesucht, die sonst schwer in Ausstellungen unterzubringen sind, weil sie so sperrig oder so spröde und widerspenstig sind, dass sie tatsächlich schwer ausstellbar sind und sich dem Publikum entziehen. Es gibt Arbeiten von Künstlern, die sie – weil sie für sie selber von so großer Bedeutung sind, dass sie sie nie, es sei denn in höchster Not – aus der Hand geben würden", beschreibt Eisold.

Auch Kunstwissenschaftlerin Renate Luckner-Bien hat mitausgesucht. Sie sieht in der Idee sogar ein geniales Novum auch weil mal die Unverfügbarkeit von Kunst thematisiert wird.

"Not For Sale" – das zielt auf die Nichtverfügbarkeit von Kunst. Dass Kunst zwar einen Wert, aber eigentlich keinen Preis hat. Wir wissen, dass der Kunstmarkt anders darauf reagiert. Aber aus Sicht der Künstler ist das so.

Renate Luckner-Bien, Kunstwissenschaftlerin

Gegen das Klischee

Ausstellung "Not for Sale" - New York-Fotos von Monika Baumgartl
Blick in die Ausstellung "Not for Sale": New York-Fotos von Monika Baumgartl Bildrechte: Jens Wolf

Das kann die Malerin Heide Kathrein Schmiedel nur bestätigen. Sie hat zwei Porträts ausgesucht, eine dicke und eine ältere Frau. Beide passen nicht in unser Klischeebild einer attraktiven, jungen Gesellschaft – das schien ihr passend. Schmiedel erläutert: "Ich gehe nicht gerne mit diesem Begriff 'Künstler' um – aber wir, die wir versuchen, schöpferisch tätig und wahrhaftig aus uns heraus tätig zu sein, leben in dieser Zeit. Wir sind genauso Zeitzeichen, wie all die anderen. Bloß: Wir bemühen uns um eine Innerlichkeit und um eine Ehrlichkeit, die vielfach eben nicht gewünscht wird. Es ist umso wichtiger, dass das immer wieder eingefordert wird."'

Gedanken, die sich auch in den Werken spiegeln, die geprägt sind von vielfältigen Sujets und Arbeitsweisen. Neben Malerei gibt es auch Fotografie, Grafik oder konzeptuelle Arbeiten – letztlich ein überraschendes Sammelsurium, das aber eine unvorhersehbare Wirkmacht entwickelt. Genau darauf hatten die Macher gehofft

Es ist eben keine Ausstellung, die mit Namen protzt, wie man es vielfach findet. Sondern es zeigt sich, dass eine Ausstellung eigentlich dadurch entsteht, dass Werke miteinander zu kommunizieren beginnen. Das Publikum oder man selbst steht irgendwo dazwischen und plötzlich hat man das Gefühl, dass der Raum voller Stimmen ist.

Norbert Eisold, Kurator

Hier spürt man: Kunst ist sich selbst genug – braucht aber dennoch das Publikum. So erhält das Postulat der Unverfügbarkeit im Lockdown leider eine erweiterte Dimension. Dieses Gedankenspiel über die Unverfügbarkeit von Kunst im Doppelten Wortsinn ist eigentlich überfällig. So inspiriert die Schau dazu – gesehen oder ungesehen – unser Verhältnis zur Kunst einmal mehr zu hinterfragen.

Ausstellung "Not for Sale"
Blick in die Ausstellung "Not for Sale" Bildrechte: Jens Wolf

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Januar 2021 | 15:45 Uhr

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