Neue Single "Du und ich" Blond aus Chemnitz: Mit Song und Ausstellung gegen sexualisierte Gewalt

Die Band Blond hat zusammen mit dem Verein Wildwasser in Chemnitz eine Ausstellung gegen sexualisierte Gewalt initiiert. Die sogenannte "Hütte der sexualisierten Gewalt" eröffnet am Freitag in der Innenstadt. Gleichzeitig veröffentlichen Blond ihre neue Single "Du und ich", die sich ebenso mit dem Thema befasst. Im Gespräch mit MDR KULTUR erklären Nina und Lotta Kummer von Blond, was sich hinter der "Hütte" verbirgt und warum ihnen das Thema sexualisierte Gewalt so am Herzen liegt.

Ein junger Mann zwischen zwei jungen Frauen
Die Chemnitzer Band will ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt setzen. Zur Band gehören die Schwestern Nina Kummer (Gesang, Gitarre) und Lotta Kummer (Schlagzeug) sowie Johann Bonitz (Bass, Synthesizer). Bildrechte: Blond

MDR KULTUR: Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, über das viele Betroffene immer noch nicht sprechen können. Es ist schambehaftet, zudem machen viele die Erfahrung, dass ihre Umgebung die damit verbundene psychische Verletzung als nicht so schlimm wahrnimmt. Doch immer mehr junge Frauen wehren sich und verhandeln das Thema in der Öffentlichkeit. Wann und warum wurde gerade das Thema zu eurem?

Blond: Wir als Band beschäftigen uns generell sehr oft mit Themen, die in unserer Lebensrealität stattfinden. Das haben wir schon immer so gemacht. Wir sind als zwei junge Frauen unser Leben lang schon mit sexualisierter Gewalt in Kontakt gekommen. Und uns ist auch aufgefallen, dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, was sich überall findet. Egal, wie viel Menschen verdienen, egal, wie alt oder wie jung: sexualisierte Gewalt findet überall statt, und das ist ein Riesenproblem. Deswegen war es irgendwie logisch, dass wir uns da auch mit einem Song auseinandersetzen.

Gemeinsam mit dem Chemnitzer Verein Wildwasser e.V., eine Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt, habt ihr auch eine Ausstellung zum Thema initiiert. Worum genau geht es bei der "Hütte der sexualisierten Gewalt"?

Die Ausstellung ist im Zentrum von Chemnitz zu sehen, im Herzen unserer Stadt. Das war uns wichtig, weil wir damit verdeutlichen wollten, dass auch das Problem der sexualisierten Gewalt mitten in unserer Gesellschaft existiert – so wie diese "Hütte der sexualisierten Gewalt" nun mitten im Herzen der Stadt steht. Die Hütte sieht schön und harmlos aus, fast wie im Märchenbuch: Sie hat rosa Giebel, und Blumen ranken um das Haus herum. Vorn ist eine ganz große Triggerwarnung, und dann kann man reingehen. In dieser Hütte ist eine Ausstellung von Erfahrungsberichten zu sehen, von Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Sie haben ihre Erfahrungen geschildert, die wir dort aufgehängt haben.

War für euch sofort klar, dass ihr eine Ausstellung machen wollt?

Es ist ein Thema, das uns wirklich am Herzen liegt und wo wir gedacht haben, es ist schade, wenn es nur bei einem Song bleibt. Warum wollen wir nicht noch ein Rahmenprogramm drumherum stricken? Da haben wir die Möglichkeit genutzt, noch eine Ausstellung dazu zu machen. Wir kommen generell auch aus der Richtung Bildenden Kunst und haben auch ein Kunstkollektiv in Chemnitz, das Bikini-Kommando. Mit denen machen wir häufiger Ausstellungen. Deswegen war es klar, dass wir das durch eine Kunstaktion begleiten.

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen der Band mit dem Verein Wildwasser zustande?

Es ist uns sehr wichtig, dass wir als Band auf Themen aufmerksam machen können. Aber wir wissen auch, dass wir bei weitem nicht solche Profis sind, wie die Menschen, die bei Wildwasser täglich mit diesen Themen arbeiten und zu tun haben. Deswegen war uns völlig klar, dass wir das nicht alleine machen können, ohne uns die Profis dazuzuholen. Wenn wir ein Thema künstlerisch bearbeiten, kommt man auch relativ schnell an eine Grenze. Deswegen war es cool, gleich mit lokalen Akteurinnen und Akteuren zusammenarbeiten zu können, die in der eigenen Stadt tätig sind und sich um dieses Themenfeld kümmern.

Das Interview führte Beatrice Schwartner für MDR KULTUR.

Mehr Informationen zur Ausstellung Die "Hütte der sexualisierten Gewalt" steht bis zum 8. August mitten im Zentrum von Chemnitz. Die Ausstellung ist täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Organisiert wurde sie vom Verein Wildwasser e.V. und der Band Blond.

Anlaufstellen für Hilfesuchende

Von sexualisierter Gewalt Betroffene finden hier Hilfe:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800 116 016, www.hilfetelefon.de

Hilfsangebote in Ihrer Nähe: www.frauen-gegen-gewalt.de

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530, www.hilfetelefon-missbrauch.de

Hilfeportal Sexueller Missbrauch: www.hilfeportal-missbrauch.de

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2021 | 17:10 Uhr

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