Beschluss des Stadtrats Bautzen: Streit um geplantes Bismarck-Denkmal geht weiter

Markt und Rathaus von Bautzen
Bildrechte: IMAGO/Rainer Weisflog

Das Bismarck-Denkmal auf dem Czorneboh in Bautzens Stadtwald soll wiederaufgebaut werden. Das hat der Bautzner Stadtrat vergangenen Mittwochabend beschlossen. Die Initiative, die 1950 zerstörte Skulptur des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck zu rekonstruieren, geht auf den AfD-nahen Verein Bautzener Liedertafel zurück. In einem am Montag veröffentlichten offenen Brief distanziert sich das Sorbische Institut, ein in Bautzen ansässiges Forschungsinstitut, von der Entscheidung des Stadtrats.

Kritik am Wiederaufbau

Der Beschluss des Stadtrats zeuge von "beispielloser Geschichtsvergessenheit", heißt es im von Hauke Bartels, dem Direktor des Sorbischen Instuts, und Historiker Friedrich Pollack herausgegebenen Schreiben: "Der Beschluss hebt eine historische Persönlichkeit auf den Sockel, die nicht im Geringsten als positiver Bezugspunkt der Erinnerungskultur einer demokratischen, solidarischen und weltoffenen Gesellschaft taugt." Die Kritik des Forschungsinstituts bezieht sich dabei auf die aus heutiger Sicht kritisch zu betrachtende Sozialpolitik des Bismarckstaats, der auf eine "kompromisslose Germanisierung" abzielte und nationalen Minderheiten starken Repressionen aussetzte, so die Einordnung Bartels und Pollacks.

Die historische Auseinandersetzung mit Otto von Bismarck gehört nicht an ein touristisches Ausflugsziel. Sie gehört an Schulen, Museen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen.

Aus dem offenen Brief des Sorbischen Instituts

Darüber hinaus befürchten die Historiker, dass sich das wiederaufgebaute Denkmal künftig als "Kult- und Gedenkort für Rechtsextreme, Reichsbürger und sonstige Demokratieverächter" herausstellen könnte. Dass ein Verein, der im Rahmen von AfD-, Pegida- und Querdenken-Versammlungen aufgefallen sein soll, mit seiner Intitiative des Wiederaufbaus des Denkmals im Bautzner Stadtrat auf offene Ohren stoße, bezeichnen Bartels und Pollack in ihrem Schreiben als "alarmierend".

Befürworter der Initiative

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) begrüßt den Ansatz zum Wiederaufbau und würdigt Bismarck als Vorbild der modernen Sozialversicherung, heißt es in der Sächsischen Zeitung. Darüber, ob das Denkmal jetzt das vordringlichste Problem der Stadt sei, ließe sich jedoch streiten, so Ahrens weiter. Monika Vetter, Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion Bautzen, fordert, an dem Denkmal eine Tafel anzubringen, auf der die kritische Seite Bismarcks reflektiert wird. Eine Idee, die der Oberbürgermeister für sinnvoll hält.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2021 | 07:30 Uhr

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