20-jähriges Bestehen Was die Kulturstiftung des Bundes Sachsen-Anhalt und Halle bedeutet

Die Kulturstiftung des Bundes feiert am Mittwoch ihr 20-jähriges Bestehen. Die Idee ist wesentlich älter: Schriftsteller Günther Grass hatte sie in den 70er Jahren entwickelt. Von der SPD wurde sie vorangetrieben und blieb doch umstritten. 2002 wurde sie dann gegründet, als erste nationale Institution, die innovative Programme und Projekte im internationalen Kontext fördert. Die zweite Debatte verlief über ihren Standort. Die Wahl fiel auf Halle, wo sie auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen angesiedelt ist.

Blick auf den Neubau der Bundeskulturstiftung in Halle/Saale
Seit 2012 hat die Bundeskulturstiftung ihren Sitz in einem neu errichteten Gebäude auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen. Bildrechte: dpa

Heute ist die Bundeskulturstiftung kaum mehr wegzudenken. Im Vorfeld lange umstritten, hat sie sich in 20 Jahren zu einer der größten Kulturstiftungen Europas entwickelt und genießt auch unter den meisten Politikern Respekt. Doch 2002 sei es ein absolutes Novum gewesen und habe erstmal etabliert werden müssen, sagt Hortensia Völckers, seit Beginn an künstlerische Direktorin. "Ich glaube, da sind wir jetzt sehr gut angekommen und in der Beziehung auch nicht mehr wieder wegzudenken. Wir können mit Kommunen, Länderministerien und Landkreisen und wo wir überall zugange sind, sehr gut kooperieren – bei großen Sachen immer mit anderen zusammen, damit die Dinge auch fortbestehen und nicht zusammenbrechen, wenn wir aus den Förderungen rausgehen."

Internationale und nationale Projekte

Kontinuität, die sich in einer Vielzahl von Projekten wiederspiegelt: Ob Musik, Tanz, Theater oder Bildende Künste – es gab Programme für den Kulturaustausch mit den Ländern des östlichen Europas zu Themen wie Migration, schrumpfende Städte oder Zukunft der Arbeit. Die Projekte seien immer bundesweit und international, so die Stiftungsdirektorin.

Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes  (2019)
Hortensia Völckers, Direktorin der Bundeskulturstiftung Bildrechte: imago images / Rolf Zöllner

Wir haben Themen wie Kultur im ländlichen Raum, Diversität, die Öffnung der Theater, die Einbeziehung des globalen Südens in Sammlungen in Museen – also sehr viele große Themen – so weit gebracht, dass sie eine Rolle im kulturpolitischen Raum spielen.

Tatsächlich stand zum Beispiel die Kultur im ländlichen Raum vor 20 Jahren nicht auf der kulturpolitischen Agenda. Und da wurde die Stiftung als nationale Förderinstitution sicher auch ein bisschen durch den erst so umstrittenen Standort in Halle geprägt, meint Völckers. "Dass wir in Halle gelandet sind, war vor allem für uns ein Segen, weil alle, die dorthin gekommen sind, von denjenigen, die schon da waren, gelernt haben, zuzuhören und sind somit zu Zuhörern geworden, zu Lernenden. Und das ist eine gute Haltung für eine Stiftung, wenn man nicht ankommt und denkt, man weiß schon ganz genau, was richtig ist. Wir fragen immer ab, was gebraucht wird."

Profitiert Sachsen-Anhalt von der Stiftung?

Ob nun aber auch Sachsen-Anhalt davon profitiert, dass die Stiftung in Halle sitzt, wie man sich das gewünscht hatte, wurde immer wieder bezweifelt: Doch den Vorwurf, die Mitarbeiter seien zu wenig präsent, kann der Kulturminister des Landes, Rainer Robra, nur bedingt teilen. "Ein kleiner Wermutstropfen für uns ist immer, dass alle die Bundeseinrichtungen, die bei uns zuhause sind – die Leopoldina, die Bundeskulturstiftung oder auch die Provenienzforschungsstelle – immer noch eine kleine Außenstelle in Berlin haben", so Robra.

Staatsminister Rainer Robra CDU, Sachsen Anhalt vor der Staatskanzlei.
Rainer Robra (CDU), Kulturminister von Sachsen-Anhalt und Vertreter der Länder im Stiftungsrat Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Diese Außenstellen seien vielleicht auch wichtig, um im politischen Geschehen dort an Ort und Stelle mitwirken zu können, sagt der Minister. Aber Maßgebliches werde in Sachsen-Anhalt entschieden. "Alle diejenigen, die Förderung von der Bundeskulturstiftung begehren, beantragen das in Halle an der Saale. Und das macht natürlich etwas, wenn man wie die Bundeskulturstiftung 20 Jahre dabei ist und sicher gut und gerne 600 oder 700 Millionen Euro in die Kulturförderung eingebracht hat." Zudem wäre auch die vollständige Sanierung der Franckeschen Stiftungen kaum ohne die Bundeskulturstiftung möglich gewesen, betont Robra, und auch nicht der extravagante Neubau, den Angela Merkel 2012 ganz prominent eröffnet habe.

Kulturschaffende der Region schätzen Nähe

Für die Kulturschaffenden der Region seien so auch die Wege kürzer, findet zumindest Uta Seewald-Heeg aus Köthen. Dort versucht man durch das geförderte Projekt Trafo im Zuge der Schlosssanierung ein nachhaltiges kulturelles Netzwerk zu schaffen. Projektleiterin Seewald-Heeg sagte MDR KULTUR: "Wir schätzen das sehr, dass wir auch Probleme, auf die wir hier vor Ort stoßen, mit den Mitarbeitern der Bundeskulturstiftung erörtern können. Das nutzen wir auch, weil wir in den Gremien unseres Projektes immer auch die Bundeskulturstiftung als eine Vertretung der Institution vor Ort haben und damit auch ein bisschen eine Richtschnur mitlaufen lassen."

Ein Vorteil, den offensichtlich viele mitteldeutsche Kulturinstitutionen schätzen. Und auch Halle konnte schon von etlichen Projekten profitieren. Vor allem gab es beim 10-jährigen Jubiläum bundesweite Aufmerksamkeit – ein großes Stadtfest mit viel Prominenz. Das 20-jährige findet nun aber in Berlin statt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass es der letzte Jahresempfang der künstlerischen Direktorin ist. Hortensia Völckers wird voraussichtlich zum Oktober dieses Jahres die Stiftung verlassen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Mai 2022 | 08:10 Uhr

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