"Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker" Leipziger Kunstmuseum zeigt große Ausstellung zu Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich gilt heute unbestritten als der berühmteste Maler der deutschen Romantik. Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. Diesen möchte die neue große Sonderschau "Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker" des Leipziger Museums der bildenden Künste mit rund 60 wunderbaren Bildern des Malers und Zeichners sowie weiteren 60 Werken anderer berühmter romantischer Landschaftsmaler aufzeigen.

Caspar David Friedrich, Seestück bei Mondschein, um 1827/28
Caspar David Friedrich: Seestück bei Mondschein, um 1827/28 Bildrechte: Maximilian Speck von Sternburg, Stiftung im MdbK

In Holunderfarben taucht die untergehende Sonne die Berge, die höheren umgibt ein blauer Dunst, zartgelb leuchtet der Himmel und zwischen den Gebirgskämmen steigt der Nebel auf. Menschenleere Landschaften wie diese empfangen die Besucherinnen und Besucher im ersten Raum der Leipziger Schau zu Caspar David Friedrich, den Kurator Jan Nicolaisen mit romantischem Graublau hat streichen lassen. Blau als Farbe der Romantik wird dem Publikum, in verschiedensten Nuancen, in dieser opulenten Schau öfter begegnen.

Caspar David Friedrich, Lebensstufen, um 1834 5 min
Bildrechte: MdbK/InGestalt/Michael Ehritt

Ulrike Thielmann über die neue Sonderausstellung mit dem Titel "Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker" im Leipziger Museum der bildenden Künste.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 08.10.2021 06:00Uhr 04:31 min

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Caspar David Friedrich wurde zunächst verhöhnt

Caspar David Friedrich machte sich malerisch um den Nebel besonders verdient, der bei ihm menschenleer daherkommt oder mit einsamen Wanderern. Hermann Hesse sollte später dichten: "Seltsam, im Nebel zu wandern, Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern. Jeder ist allein." – Was sich uns heute als romantisches Lebensgefühl vermittelt, mussten sich Friedrichs Zeitgenossen, so auch die Kunstkritik, erst erarbeiten. Friedrich habe "blinde Anhänger", höhnte etwa der Kunsthistoriker Ludwig Schorn 1820, die auch Landschaften aus dichtestem Nebel verteidigten, weil man "sich doch sehr viel dabei denken" könne.

Caspar David Friedrich, Felsenriff am Meeresstrand, um 1824
Caspar David Friedrich: Felsenriff am Meeresstrand, um 1824 Bildrechte: CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main

Diese Spöttelei scheint aus heutiger Sicht visionär, macht sie doch genau das aus, was wir an Caspar David Friedrichs Malerei schätzen, betont Jan Nicolaisen, Kurator der Ausstellung: "Er hat mit der klassischen Auffassung des Bildes gebrochen. Und die Komposition, die Bilder sehr streng mit Vertikalen und Horizontalen aufzubauen und dadurch vom Natureindruck zu abstrahieren. Diese Zweidimensionalität, in die Friedrich die Bilder auch hineingedrängt hat, erzeugte eine Abstraktion, die den Kunstsinn vieler Zeitgenossen überschritten hat, die aber der Grund ist, warum Maler des 21. Jahrhunderts wie Marc Rothko oder Piet Mondrian und andere sich auf Friedrich bezogen."

Sonderausstellung zeigt Werke von Carus, Richter, Dahl und Achenbach

Um Caspar David Friedrichs wegweisende Sonderstellung in der Malerei zu verdeutlichen, bettet die Schau 60 seiner Werke – teils bedeutende Leihgaben – in den Kontext seiner malenden Zeitgenossen, mit noch einmal so vielen Bildern: romantische Landschaftsmaler, die ebenfalls faszinierende Leinwände hervorgebracht haben, nur mit traditionellerem Duktus: darunter Dresdner wie Carus, Richter und Dahl, aber auch Maler der Düsseldorfer Romantik wie die Achenbachs oder Carl Friedrich Lessing.

Andreas Achenbach, Seesturm an der norwegischen Küste, 1837
Andreas Achenbach: Seesturm an der norwegischen Küste, 1837 Bildrechte: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Um die verschiedenen Mal-Auffassungen zu verdeutlichen, hängt die Schau die Landschaften, Feuilletondebatten gleich, kontrastierend. Etwa gegenüber einem großformatigen, theatralischen Schiffsuntergang von Andreas Achenbach – ein nur rund 20 mal 30 Zentimeter großes, von blauem Dunst umflortes, Felsenriff von Friedrich, an einer Meeresküste – weniger Landschaft als Psychogram einer suchenden Seele, sagt Jan Nicolaisen:

"David d'Angers, der französische Bildhauer, hat ja gesagt, dass Caspar David Friedrich die Tragödie in der Landschaft erkannt hat, aber es ist eine stille Tragödie. Es ist eine Tragödie, die sich eher in Abwesenheiten von Lärm und in der Abwesenheit von leicht erreichbaren Glaubensgewissheiten manifestiert, die in der Dunkelheit besteht, in der sich der Mensch befindet und in der nicht so leicht zur Erkenntnis zu gelangen ist."

Caspar David Friedrichs Malerei geriet in Vergessenheit

Für die Metaphysik in den entleerten Bildern von Caspar David Friedrich hatte leider auch ein Großteil der schreibenden Zunft zunächst kein Auge, die jedoch den Geschmack des Publikums beeinflusste. So wurde Friedrichs Malerei durch die der Düsseldorfer Schule verdrängt und geriet nach seinem Tod für mehrere Jahrzehnte in Vergessenheit.

Caspar David Friedrich , Frau am Fenster, 1822
Caspar David Friedrich: Frau am Fenster, 1822 Bildrechte: bpk/Nationalgalerie, SMB, Foto: Jörg P. Anders

Der alte Goethe übrigens hatte daran eine nicht unwesentliche Aktie, dem Caspar David Friedrichs Malerei zu düster erschien, was er publikumswirksam unters Volks brachte, erklärt Nicolaisen: "Friedrich ist ein früher Ausstellungskünstler, der in Ausstellungen gefeiert oder geschmäht wird und der das Auf und Ab der Kunstkritik wie vielleicht kein anderer erfahren hat, weil kein anderer so polarisiert."

Mit dem Pinsel gegen Napoleon

Und so verhandelt die Schau neben den wunderbaren Bildern von Caspar David Friedrich und seinen malenden Zeitgenossen ein Lehrstück über den Zeitgeist sowie Feuilleton-Debatten. Zumal Friedrich bei seinen kritisierten Auffassungen blieb und als glühender Patriot zudem auf politischem Feld austeilte, mit dem Pinsel gegen Napoleon, wodurch er sich ebenfalls nicht nur Freunde machte.

Die Ausstellung "Caspar David Friedrich und die Düsseldorfer Romantiker"
9. Oktober 2021 bis 9. Januar 2022

Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig

Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Mittwoch: 12 bis 20 Uhr
Feiertage: 10 bis 18 Uhr

Es gilt die 3G-Regelung sowie Kontakt-Nachverfolgung, Einhaltung des Mindestabstands und das Tragen einer Maske. Auf der Webseite des Museums können zusätzlich Zeitfenster reserviert werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Oktober 2021 | 07:40 Uhr

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