"Einmaliger Künstler" Kunstsammlungen Chemnitz zeigen Werke von Pierre Soulages

Pierre Soulages ist einer der bekanntesten lebenden Maler Frankreichs. Mittlerweile ist der Künstler fast 102 Jahre alt. 2019 wurde ihm die außergewöhnliche Ehre einer großen Ausstellung im Pariser Louvre zuteil. Nun zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda die zweite große Museumsausstellung in Europa anlässlich seines Geburtstages.

Bilder von Pierre Soulages 4 min
Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM-Bertram Kober

Im Treppenaufgang können Besucherinnen und Besucher dem Maler begegnen – zumindest auf einem großformatigen Foto.

bpk / RMN - Grand Palais / Raphaël Gaillarde
In Form einer Fotografie ist Pierre Soulage immer in Chemnitz anwesend. Bildrechte: © bpk / RMN - Grand Palais / Raphaël Gaillarde © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die Aufnahme zeigt den Künstler in seinem Atelier, auf dem Arbeitstisch eine breite grobe Bürste und anderes Gerät. Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, hat ihn in Vorbereitung der Ausstellung besucht: "Er ist ein beeindruckender Mann: großgewachsen, sehr sympathisch, aber auch relativ streng. Er ist kein Kumpeltyp, aber vielleicht wie seine Bilder beeindruckend. Man ist ehrfürchtig, aber ohne Angst zu haben."

Chemnitzer Schau zeigt Werkentwicklung

Die Chemnitzer Ausstellung ist retrospektiv angelegt und verfolgt die Entwicklung des Werkes nach: von einer Kohlezeichnung aus dem Jahr 1946 über die großen abstrakten Gemälde, aus denen die Farbe sich immer mehr zurückzieht, bis zu großformatigen Arbeiten, die erst 2019 für den Louvre entstanden.

Diptychon von Pierre Soulage, Peinture 222 × 314 cm, 24 février 2008, Acryl auf Leinwand Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Punctum-Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Nebeinander gestellt zeigen Soulages Bilder, wie vielfältig Schwarz sein kann. Bildrechte: Pierre Soulage

"Hier stecken wirklich 75 Jahre Malereierfahrung!", meint Bußmann. "Etwa in dem Diptychon: eine extrem reduzierte konzentrierte Form der Malerei." Damit verweist der Museumsdirektor in den großen Oberlichtsaal, wo zwei schwarze, eng nebeneinander angebrachte Hochformate hängen. Das eine ist matt, das andere leicht glänzend. Durch jedes geht ein – vermutlich mit einem Knauf oder Stock gezogenes – Zeichen. "Das ist ein extrem reduzierter minimaler Eingriff, aber das ist eine Souveränität und ein Können in der Malerei", erklärt Bußmann. "Wir hatten viele junge Künstler hier, auch von den Hochschulen in Leipzig und Dresden, die absolut begeistert waren, von dem Umgang mit der Malerei, mit Formen, Flächen, Proportionen. Die einfach gesagt haben: Das sitzt, das stimmt!"

Von einem regulären Kunststudium hatte sich Pierre Soulages früh verabschiedet. Vielmehr suchte er seinen eigenen Weg und war unter anderem beeindruckt von prähistorischer Höhlenmalerei. Er benutzte einfachste Materialien wie Holzbeize, experimentierte mit Glasplatten und fand schließlich zum monochromen Schwarz. "Entscheidend ist die Zeit um 1979, die Outrenoir-Bilder. Alles andere davor war sehr gut, hohes Niveau, aber im Grunde genommen ist er da noch in der Bewegung seiner Zeit", ordnet Bußmann das Schaffen ein.

Bilder von Pierre Soulages
"Brou de noix sur papier" entstand bereit 1947. Bildrechte: VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Einzigartige Bilder

Die späteren Bilder sind nur noch Fläche mit hochverdichtet aufgetragener schwarzer Farbschicht, moduliert durch Rillen und Furchen. In diesen bricht sich das Umgebungslicht – wird reflektiert und flirrt wie auf einer Meeresoberfläche. Die Bilder sind doch nicht nur schwarz, sondern spielen mit Licht. Je nach Standpunkt des Betrachters und Lichteinfall verändert sich die Wahrnehmung. Es sind Bilder ohne Anspruch auf Deutung, pure Malerei. Frédéric Bußmann nennt ihren Habitus antiautoritär.

Carsten Tesch und Frédéric Bußmann von den Kunstsammlungen Chemnitz
Frédéric Bußmann Bildrechte: Simon Bernard/MDR

Diese konsequente Haltung: Ich will nichts erzählen, ich will nicht belehren, ich habe keine Geschichte, ich habe keine Titel. Sondern ich will, dass ihr hier steht und euch mit mir, meinen Werken und euch selbst auseinandersetzt. Das kenne ich in dieser Konsequenz, auch in dieser Könnerschaft, gar nicht. Da ist Soulages absolut einmalig.

Frédéric Bußmann, Direktor der Kunstsammlungen Chemnitz

Die Ausstellung, die bis 25. Juli verlängert wurde, zeigt anhand vieler Dokumente auch die besondere Beziehung des Franzosen zu Deutschland, wo er nur wenige Jahre nach dem Krieg und der Ächtung der Moderne durch die Nazis eine Wanderausstellung abstrakter französischer Malerei mit einer Kunst bekannt machte, die keine Grenzen und Ideologien akzeptiert. Das Plakatmotiv stammte von Pierre Soulages.

Bilder von Pierre Soulages
Die Werke von Soulages erzählen keine Geschichten. Bildrechte: Kunstsammlungen Chemnitz/PUNCTUM-Bertram Kober

Mehr Informationen zur Ausstellung Die Ausstellung "Soulages. Malerei 1946–2019" ist noch bis zum 25. Juli 2021 in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

Adresse:
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Mittwoch von 14 bis 21 Uhr

Beim Besuch gelten die Corona-Hygienebestimmungen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juni 2021 | 13:40 Uhr

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