Ausstellung in Chemnitz Wie ein Vulkanausbruch den Tod nach Pompeji & Herculaneum brachte

Der Ausbruch des Vesuvs setzte dem Leben in Pompeji und Herculaneum ein jähes Ende. Erhalten sind Momentaufnahmen des römischen Alltags und spektakuläre Funde, die Ausgrabungen seit dem 18. Jahrhundert zutage fördern. Sie sind jetzt in einer Ausstellung in Chemnitz zu sehen und zeigen, wie nah uns das Leben vor 2000 Jahren eigentlich ist.

Möbel in einer Ausstellung vor prachtvoll bemalten Wänden
Die Rekonstruktion eines antiken Speiseraums in der Cehmnitzer Ausstellung Bildrechte: LfA/smac, Annelie Blasko

Im Jahr 79 n.Chr. wurden die römischen Städte Pompeji und Herculaneum beim Ausbruch des Vulkans Vesuv unter Asche und Lava begraben. Die außergewöhnlichen archäologischen Funde, die seit dem 18. Jahrhundert erforscht und geborgen werden, sind einzigartig. In der Sonderausstellung "Pompeji und Herculaneum. Leben und Sterben unter dem Vulkan" im Landesarchäologiemuseum in Chemnitz sind sie jetzt zu sehen.

Tod unter Asche und Lava

Am Tag des Vulkanausbruchs, vermutlich im Oktober 79 n.Chr., verdunkelte sich der Himmel über dem Vesuv und wenige Stunden später regnete es Asche und Bimsstein.

Eine großformatige Filmprojektion zu Beginn der Chemnitzer Ausstellung stellt den Ausbruch und die ausweglose Situation für die Menschen nach. Viele hätten fliehen können, fasst Sabine Wolfram, die Direktorin des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz (smac) zusammen, doch etwa 4 bis 5.000 Menschen – und damit ein Drittel der Bevölkerung – erstickten, wurden erschlagen oder durch die Lavaströme getötet. Das Leben erlosch unter fast 25 Metern Vulkanschutt.

Die Spuren der Toten in Chemnitz

Sechs Gipsabgüsse schutzsuchender Menschen aus Pompeji gehören zu den berührendsten Relikten jener Tage und sind nun im smac zu sehen. Wolfram sagt dazu: "Es war eine unglaubliche Entdeckung, als man die Hohlräume in diesen Ascheschichten entdeckte, sie ausgegossen hat und feststellen musste, dass es Menschen waren. Sie waren verschüttet worden und erstickt. Durch die Zersetzung sind diese Hohlräume entstanden." Gezeigt werden Abgüsse der Abgüsse, so Wolfram, die Originale gäbe es wohl nicht mehr.

Gipsabdrücken von Menschen liegen auf dem Boden
Abgüsse von Opfern in Pompeji aus dem sogenannten Garten der Flüchtenden, wo insgesamt 13 Opfer gefunden wurden. Bildrechte: LfA/smac, Annelie Blasko

Missglückte Rettung vom Meer

Admiral Plinius der Älteste war es, der damals versuchte, mit seiner Flotte vom Meer aus Menschenleben zu retten. Und auch dieser, vielleicht erste dokumentierte militärische Katastropheneinsatz wird ausführlich beschrieben und in Tast- und Hörstationen nachvollziehbar.

Keramiken in einer Vitrine vor dem Bild eines Hafens
"Müllhalde" vom Meeresboden, die ins Meer geworfenen Gegenstände dokumentieren die Herkunft der Schiffe und die Arbeit im Hafen Bildrechte: LfA/smac, Annelie Blasko

Dieser abenteuerliche, leider missglückte Rettungsversuch ist eigentlich das Ende der Ausstellung. Aber es ist ein schlüssiger dramaturgischer Dreh, dass das Publikum an diesem Punkt – längst angefüllt von der Schönheit von Marmorskulpturen, Mosaiken, Fresken und Alltagsgegenständen in den vorangegangenen Räumen – verstanden hat, welche Zerstörung unermesslicher Kultur und Lebensart mit dem Vulkanausbruch verbunden war.

Eine Statue vor prächtig bemalten Wänden
Bacchus-Statue aus Marmor vor prachtvoll bemalten Wänden Bildrechte: LfA/smac, Annelie Blasko

Antiker Alltag in Chemnitz nachgebaut

Auf großzügigen 900 Quadratmetern Fläche führt die Sonderausstellung nämlich zuerst in die prosperierende, multikulturelle Handelsregion und damit zum Ursprung dieses Reichtums, der aus vielen der Ausstellungsobjekte spricht. Seien es die wunderschönen Marmorobjekte, darunter ein knieendes Kleinkind oder ein prächtiger Kopf eines Silenen mit wildem Haar und Vollbart, oder die majestätische Statue des Gottes Serapis.

Für Wolfram sei dies "ein klares Indiz für diese Mischung verschiedener Kulturen am Golf, denn er stammt aus dem römischen Ägypten. Und hier merkt man auch diese Strahlkraft der Region nach Ägypten oder Griechenland, was damals von großer Bedeutung war."

Ein prächtiger Behälter in Form eines Frauenkopfes
Weinkaraffe aus Bronze, Silber, Gold und Kupfer in Form eines Frauenkopfes aus Herculaneum Bildrechte: LfA/smac, Annelie Blasko

Alltag zwischen Küche, Bad und Wein

Entlang kleinformatiger, gerahmter Fresken mit Landschaftsbildern, gelangt der Betrachter immer tiefer hinein ins römische Alltagsleben. Und man darf staunen über Mosaiken mit Tierdarstellungen, fein gearbeitete Bad- oder auch Küchenutensilien, wie zum Beispiel Spiegel, Wasserhähne und -speier oder einen Samowar für Wein.

Hier kommt man den Menschen ganz nah: Dieses kleine Schränkchen hier, aber auch dieser Tisch, ein Möbel aus Herculaneum, sind verkohlt.

Sabine Wolfram verweist über 2000 Jahre alte Möbelstücke

Vor allem die eindrucksvolle Auswahl originaler Fundstücke aus den Museen von Neapel, Pozzuoli, Pompeji oder Herculaneum fasziniert. Kombiniert mit großflächigen Projektionen für Filme und Fotos oder Extras wie inklusiven Leitsystemen und Taststationen wird die Ausstellung im smac zum Erlebnis. Und das sogar für Besucher, die die Ausgrabungsstätten am Golf von Neapel schon besucht haben.

Reichtum und pralles Leben auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Tod und Vergänglichkeit. Das ist die Faszination von Pompeji und Herculaneum. Mit einem Mal kann alles vorbei sein – das berührt Menschen immer wieder.

Sabine Wolfram

Redaktionelle Bearbeitung: op

Die Ausstellung "Pompeji & Herculaneum. Leben und Sterben unter dem Vulkan"

11. November 2022 bis 12. März 2023

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 20 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm, besonders für Schüler der 5. und 6. Klassen. Das Studio Vesuvio lädt ein zu römischen Spielen, zum Legen von Mosaiken oder Schreiben auf Papyrus.

Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz
Stefan-Heym-Platz 1, 09111 Chemnitz

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. November 2022 | 07:15 Uhr

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